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Maßgeschneiderte Rennanzüge für mehr Sicherheit

In den 50ern fuhr man in der Formel 1 noch mit Poloshirt und Lederhaube, heutige Rennoveralls sind aber High-Tech-Objekte

Minardi-Overalls
Minardi hat vor kurzem ein paar Formel-1-Rennoveralls günstig versteigert
© Minardi

(Motorsport-Total.com) - Zu Fangios Zeiten bestand ein komplettes Formel-1-Outfit aus ein paar im Vergleich zu heute dilettantisch wirkenden Einzelelementen: Die damaligen Helden trugen ein Poloshirt und ganz normale Hosen, ein Paar sportliche Schuhe, eventuell Handschuhe und in den meisten Fällen eine Lederhaube mit Windschutzbrille.

Sicherheit war seinerzeit noch kein Thema, Gurte gab es nicht und Monocoques aus Kohlefaser sowieso Zukunftsmusik wie aus einem Jules-Verne-Roman. Formel-1-Piloten waren Helden wie tapfere Soldaten im Krieg, und jeder Abend vor einem Grand Prix hätte ebenso gut ihr letzter sein können. Es war auch die Ära der Gentlemen-Piloten, als Ruhm und Ehre noch weit mehr Bedeutung hatten als Gagen und Geltung.

Erst langsam wurden Rennoveralls zum Thema

Über die Jahre rückte die Sicherheit jedoch mehr und mehr ins Bewusstsein aller Beteiligten, und Ikonen wie Jackie Stewart, Niki Lauda oder Formel-1-Arzt Prof. Sid Watkins ist es zu verdanken, dass nicht nur Strecken und Autos, sondern auch die Fahrerbekleidung heute wesentlich sicherer ist als noch vor 20, 30 oder 50 Jahren. Speziell die Angst vor dem Feuer spielte in der Entwicklung der Rennanzüge eine maßgebliche Bedeutung.

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David Coulthard, einer der Direktoren der Fahrergewerkschaft 'GPDA', ist von den Fortschritten auf diesem Gebiet beeindruckt: "Die Technologie der Rennanzüge ist fast so schnell vorangeschritten wie die Entwicklung der Autos selbst." Firmen wie 'Sparco', weltweit führender Hersteller von Overalls für den Motorsport, müssen dabei den Spagat zwischen Sicherheit und Komfort für den Fahrer so gut wie möglich meistern.

"Die Autos", so Coulthard, "sind schneller geworden, und dadurch auch die Fliehkräfte, die auf uns Fahrer wirken. Die Belastungen sind gestiegen und die Hersteller der Rennanzüge haben darauf insofern reagiert, als sie jetzt atmungsaktivere Materialien einsetzen. Es kann vom Komfort her aber auch schon ein Problem werden, wenn nur eine Naht am falschen Ort ist, denn wenn es über eine Renndistanz von anderthalb Stunden kratzt, ist das nicht angenehm."

Nomex 3 ist das Zauberwort für mehr Feuerfestigkeit

"Das Design der Rennanzüge ist heutzutage eine maßgeschneiderte Angelegenheit, damit der Komfort so hoch wie möglich ist", fuhr der Schotte fort. "Gewicht und Atmungsaktivität sind immer wichtiger geworden, ebenso natürlich wie die Resistenzeigenschaften des Materials." Apropos Material: Hersteller wie 'Sparco' und 'OMP' setzen auf Nomex 3, eine Faser, die überwiegend aus Aramidfiber besteht, also jenem Grundstoff, aus dem beispielsweise auch Kohlefaser erzeugt wird.

Der erste Schritt in der Herstellung eines modernen Rennanzugs ist die genaue Abnahme der Maße des Fahrers oder des Mechanikers, denn auch die Boxencrew ist wegen des Risikos von Feuerunfällen - wie beispielsweise 1994 in Hockenheim oder 2003 in Spielberg - mit Overalls nach FIA-Norm ausgestattet. Diese werden in den Computer eingegeben und gespeichert, damit bei Bedarf weitere Anzüge nachgeliefert werden können.

'Sparco' kann 40.000 Overalls pro Jahr produzieren

Mit den Maßen geht es direkt in die Produktion, die bei großen Firmen längst automatisiert ist - 'Sparco' kann beispielsweise 40.000 Overalls pro Jahr herstellen. Das fertige Rohmodell wird dann je nach Wunsch des Kunden mit Sponsorenaufklebern bestickt und schließlich ausgeliefert. Für Formel-1-Fans besteht die Möglichkeit, bei speziellen Händlern Originalanzüge zu erwerben. Preisklasse: Ab 750 Euro aufwärts.

Was moderne Formel-1-Anzüge von herkömmlichen Rennoveralls, wie sie beispielsweise auch auf Kartbahnen zum Verleih bereitstehen, unterscheidet, sind flexible Elemente im Bereich der Schultern. Diese gewährleisten maximale Bewegungsfreiheit für den Fahrer, der ja am Lenkrad drehen muss, gleichzeitig aber auch einen möglichst eng anliegenden Anzug haben will. Die einzige Ausnahme stellt Jacques Villeneuve dar, der seit Jahren auf schlabberige Overalls setzt.

Hitzerennen wie in Malaysia fordern auch gute Rennanzüge

Die Wünsche der Fahrer werden von den Herstellerfirmen genau registriert und fließen in die Entwicklung der Maßanzüge ein. So gibt es teilweise sogar unterschiedlich starke Ausführungen, was die Nomex-3-Schichten angeht, weil manche Piloten besser mit der Hitze zurechtkommen als andere. Bei Grands Prix wie in Malaysia, wo die Temperatur im Cockpit mehr als 70 Grad betragen kann, setzen aber alle geschlossen auf so viel Luftdurchlässigkeit wie nur irgendwie möglich.

Jackie Stewart äußerte sich kürzlich folgendermaßen zu dem Thema: "Die Overalls, die die Jungs heutzutage tragen, sind ziemlich heiß, und wir haben herausgefunden, dass die Fahrer die Ärmel und Beine abgeschnitten haben, um es etwas kühler zu haben. Sie kümmern sich um so etwas nicht von selbst, also müssen sie gezwungen werden. Heute gibt es eine Regel, die besagt, dass die feuerfeste Unterwäsche nicht mehr zusammengeschnitten werden darf."

Außerdem fordert Stewart größere Overalls, "die zwar nicht so gut aussehen", aber ihren Zweck erfüllen. Denn: "Luft ist immer noch der beste Isolator. Raumanzüge sehen auch nicht großartig aus, wenn die Astronauten in die Kapsel steigen, aber sie funktionieren vorzüglich, wenn es darum geht, ihre Träger am Leben zu halten." So gesehen ist Villeneuve mit seinen XXL-Overalls wohl ein Vorreiter für Sicherheit, wenn auch sicher eher unabsichtlich...

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