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Dahl: "Es ist nicht einfach, konkurrenzfähig zu sein"

Polestar-Teamchef Christian Dahl spricht im Interview über das schwierige erste Jahr in der WTCC und über die Zielsetzungen seines Rennstalls 2011

(Motorsport-Total.com) - 2011 markiert eine wichtige Saison in der Geschichte von Polestar. Die schwedische Mannschaft wurde von Volvo damit beauftragt, die Möglichkeiten in der Tourenwagen-WM zu evaluieren und die Grundlagen für ein Werksprojekt zu schaffen, das ab 2012 erfolgen könnte. Im Interview mit 'Motorsport-Total.com' spricht Teamchef Christian Dahl unter anderem über die Zielsetzung seines Rennstalls sowie über die Aufgabenliste von Volvo, die nach und nach abgearbeitet werden soll.

Robert Dahlgren

Die Lackierung spricht für sich: Polestar evaluiert die WTCC 2011 für Volvo

Frage: "Christian, dein Polestar-Team stellt sich in diesem Jahr erstmals der Herausforderung der WTCC. Wie lauten deine ersten Eindrücke in dieser Meisterschaft?"
Christian Dahl: "Sehr positiv. Wir haben eine etwas seltsame Saison vor uns, denn 2011 dreht sich bei uns alles um die Entwicklung. Es ist unser erstes Jahr und wir setzen nur ein Auto ein. Daher ist es nicht einfach, konkurrenzfähig zu sein."

"Robert hat keine Teamkollegen und kann deshalb auch keinen direkten Windschatten bekommen und dergleichen. Für unser Team ist es jedenfalls klasse, in der WM an den Start zu gehen. Seit 16 Jahren sind wir in der schwedischen Meisterschaft vertreten und setzen dort auch in diesem Jahr wieder zwei Fahrzeuge ein. Die WTCC war aber schon seit geraumer Zeit unser Ziel."

"In den vergangenen Saisons bestritten wir ja auch immer einzelne Events. Es ist klasse, nun endlich die Chance zu haben, ein komplettes Rennjahr in dieser Meisterschaft zu absolvieren. Die Situation ist recht schwierig, weil wir den neuen Turbomotor noch nicht verwenden. Schon bald sollten allerdings auch wir auf diese neue Technologie zurückgreifen können."

"Wichtig ist nicht unbedingt, gleich super-konkurrenzfähig zu sein, sondern vor allem vieles zu lernen." Christian Dahl

"Ab dann wird es für uns darum gehen, es mit den anderen aufzunehmen. Wichtig ist nicht unbedingt, gleich super-konkurrenzfähig zu sein, sondern vor allem vieles zu lernen. Darauf arbeiten wir hin. 2011 wollen wir die Meisterschaft und unsere eigene Leistung evaluieren. Schön, dass wir nun endlich eine Gelegenheit dazu haben."

Frage: "Wie würdest du die Rennserie und eure Konkurrenten einschätzen?"
Dahl: "Das ist schwer zu sagen. Chevrolet scheint auf eine Runde ungeheuer schnell zu sein, aber nicht unbedingt, was den Topspeed anbelangt. Man weiß halt nicht, ob sie wirklich schon alles geben oder ob sie noch Reserven haben. BMW und SEAT kann man ebenfalls nur schwer einschätzen."

"Mit ein bisschen mehr Ressourcen sollten auch wir gute Arbeit leisten können. Mit mehr Budget und mehr Autos könnten wir 2012 sicherlich konkurrenzfähig auftreten. Bisher müssen wir uns auf Simulationen beschränken, denn noch haben wir den neuen 1,6-Liter-Turbomotor nicht im Einsatz. Damit sollten wir evaluieren können, wo wir stehen."

Das bisherige Fazit fällt positiv aus

Frage: "Sprechen wir über die bisherigen Ergebnisse. Bist du zufrieden mit den bisherigen Resultaten und der Leistung von Robert Dahlgren?"
Dahl: "Ja. Es macht aber nicht viel Sinn, sich ausführlich mit den Positionen zu beschäftigen. Uns interessiert der Zeitunterschied zwischen den einzelnen Fahrzeugen. Wir liegen momentan nun einmal recht weit hinten."

"Ich denke, wir leisten bislang recht gute Arbeit." Christian Dahl

"Natürlich streben wir an, nach Möglichkeit sowohl in der Qualifikation als auch in den Rennen in die Top 10 zu fahren. Wichtig ist uns derzeit aber vor allem, den Rückstand auf die Topteams im Auge zu behalten. Wir müssen schauen, wo wir uns einordnen. Ich denke, wir leisten bislang recht gute Arbeit, denn wir sind nicht allzu weit weg."

"Es hat den Anschein, dass der Turbomotor pro Runde etwa eine Sekunde an Zeitvorteil mit sich bringt. Mit diesem Aggregat dürfte unser Rückstand rein rechnerisch etwa drei bis vier Zehntel betragen. Das wäre eine ordentliche Hausnummer, wenn man bedenkt, wie lange unsere Konkurrenten schon am Start sind. Hinzu kommt:"

"Die meisten Strecken sind neu für uns. Robert hat in seiner Karriere schon viele Rennen bestritten, aber halt nicht in Curitiba, Zolder und dergleichen. Donington ist wahrscheinlich der erste Kurs, den er bereits kennt. Dort dürfte er mit der Formel Ford und der Formel 3 unterwegs gewesen sein. Ich hoffe natürlich darauf, dass wir spätestens dort mit dem neuen Turbomotor fahren werden."

"Auf die Resultate können wir uns nicht allzu sehr konzentrieren." Christian Dahl

Frage: "Wie würdest du die Situation deines Teams beschreiben: Konzentriert ihr euch mehr auf den reinen Abstand zur Konkurrenz oder darauf, alle Abläufe im Team bestmöglich einzurichten?"
Dahl: "Man schaut natürlich schon auf die Leistung und die Abstände zur Spitze. Die Position ist nicht so wichtig, denn sobald erst einmal die Geschwindigkeit stimmt, wird man automatisch einige Plätze gutmachen. Diese Saison steht für uns auf jeden Fall ganz im Zeichen davon, die Meisterschaft für Volvo zu evaluieren."

"Es geht darum, sämtliche Strecken kennenzulernen und viele Daten über die Kurse, das Auto, den Motor und das Chassis zu sammeln. Auf die Resultate können wir uns nicht allzu sehr konzentrieren, denn wir setzen nur ein Fahrzeug ein. Hoffentlich gelingt es uns, Volvo davon zu überzeugen, den nächsten Schritt zu machen und mehr Autos an den Start zu bringen."

James Thompson mit Volvo in die WTCC?

Frage: "Was würde die Saison 2011 aus deiner Sicht zu einem erfolgreichen Rennjahr machen?"
Dahl: "Wir müssen gute Arbeit leisten, so wie bisher. Genau dies müssen wir dann entsprechend an Volvo weiterleiten. Darüber hinaus liegt es an Volvo, darüber zu befinden, welche Möglichkeiten sich ihnen in dieser Meisterschaft bieten."

"Wichtig ist natürlich auch die Leistung des Turbomotors." Christian Dahl

"Ich denke da an Werbung, Hospitality und dergleichen. Wichtig ist natürlich auch die Leistung des Turbomotors, denn dieses Aggregat bildet schließlich die Grundlage für eine weitere Teilnahme an dieser Rennserie. Sollte es uns mit dem neuen Motor gelingen, regelmäßig in die Punkteränge vorzustoßen, dann wäre das im Hinblick auf die kommende Saison sicherlich ein gutes Resultat."

Frage: "Du hast es bereits angesprochen: Es wäre von Vorteil, ein weiteres Auto am Start zu haben. In James Thompson habt ihr einen Tourenwagen-Spezialisten im Team. Wäre es möglich für das Team, im weiteren Verlauf dieser Saison einen Rennwagen für ihn bereitzustellen?"
Dahl: "Ja. Auf technischer Seite wäre das absolut kein Problem, denn wir haben sowohl weitere Fahrzeuge als auch die Fahrer, um diesen Weg einzuschlagen."

"Letztendlich hängt das aber vom Budget und der Anzahl der Motoren ab. Wir werden Robert für die Europasaison mit einem neuen Chassis ausstatten. Wichtig ist uns aber zunächst, den neuen Motor einzuführen und parallel dazu nicht den Rennbetrieb in der schwedischen Meisterschaft durcheinander zu bringen. Wir hätten auf jeden Fall die Ressourcen, um mit mehr Autos im Starterfeld vertreten zu sein."

"Wir hätten die Ressourcen, um mit mehr Autos im Starterfeld vertreten zu sein." Christian Dahl

"Wenn Volvo dieser Angelegenheit positiv gegenüber steht, werden wir es vielleicht in Erwägung ziehen. Sollte Volvo sich dazu entschließen, im kommenden Jahr kein WTCC-Programm durchzuführen, wäre es vermutlich schwierig für uns, weitere Autos an die Strecke zu bringen. Es wäre aber sicher keine schlechte Sache, denn James kennt viele Kurse und verfügt über große Erfahrung. Es ist gut, ihn an Bord zu haben."

Frage: "Letzte Frage: Was wäre dein Wunsch für diese Saison?"
Dahl: "Die Unterschrift des Volvo-Geschäftsführers unter den Vertrag für das kommende Jahr zu erhalten. Das ist unser Hauptziel."

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