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Bremsproblem ade: Glickenhaus mit ungewöhnlicher Lösung

Die Probleme auf der Bremse beim Glickenhaus 007 LMH aus Monza sollen bei den 24 Stunden von Le Mans 2021 nicht auftreten, weil man etwas am Auspuff tut

(Motorsport-Total.com) - "Wir hätten das Rennen ohne den Bremsenwechsel gewinnen können." - Diese Erkenntnis macht dem Glickenhaus-Team vor den 24 Stunden von Le Mans Mut. James "Jim" Glickenhaus erklärt gegenüber 'Motorsport-Total.com', dass für die 24 Stunden von Le Mans eine Lösung gefunden wurde. Allerdings an einer Stelle, die mit der Bremse gar nichts zu tun hat.

Ryan Briscoe, Richard Westbrook

Der Glickenhaus 007 LMH hatte in Monza noch mit hohem Bremsverschleiß zu kämpfen Zoom

"Wir haben den Auspuff besser isoliert, um ihn von den hinteren Bremsen besser abzuschirmen. Das erlaubt es uns, weniger Bremsbalance auf der Vorderachse zu fahren, sodass sie länger halten sollten" erklärt er.

Der Glickenhaus #709 (Dumas/Mailleux/Westbrook) musste bei den 6 Stunden von Monza die Box zu einem Bremsenwechsel aufsuchen, kurz nachdem er die Führung vom Toyota #7 (Conway/Kobayashi/Lopez) übernommen hatte. Dieser hatte zuvor einen Reset durchführen müssen.

Doch warum musste der Glickenhaus 007 LMH überhaupt zum Bremsenwechsel an der Vorderachse reinkommen? Schließlich war der Bolide vor der Saison bei Testfahrten in Monza auf Herz und Nieren überprüft worden.


Fotos: Testfahrten 24h Le Mans 2021


Glickenhaus sagt, dass die Situation überraschend aufgetreten sei: "Wir hätten nicht erwartet, dass wir die Bremsen so schnell verschleißen. Das war [bei den Testfahrten] kein Problem. Aber da waren die Temperaturen auch deutlich niedriger, was einen großen Unterschied macht."

Die Lufttemperatur lag im Rennen bei 30 bis 32 Grad, was für italienische Verhältnisse im Juli normal ist. Die Testfahrten des 007 LMH fanden Anfang März statt. Die Temperaturen erreichen zu diesem Zeitpunkt im Jahr auch in Norditalien kaum 20 Grad.

Glickenhaus macht Zulieferer Druck

Zunächst dachte die Scuderia Cameron Glickenhaus darüber nach, die Frischluftzufuhr für die vorderen Bremsen zu erhöhen. Dass das Fahrzeug fertig homologiert ist, sei nicht das Problem.

"Wir können die äußere Aerodynamik nicht verändern, das Schlauchwerk innerhalb des Fahrzeugs aber schon. Es könnte schon mit einer besseren Abdichtung getan sein, dass weniger Luftstrom verlorengeht", so der 71-Jährige. Nun hat man sich doch für eine andere Lösung entschieden.

Allerdings macht er auch Druck auf den bisherigen Bremszulieferer AP Racing: "Wir haben das Gefühl, dass andere Bremszulieferer, insbesondere solche aus der Formel 1, eine bessere Bremse für uns bauen können. Bis nächstes Jahr haben wir das Problem definitiv gelöst. Selbst Toyota scheint Bremsprobleme zu haben. Das Problem ist einfach, dass diese Autos gleichzeitig schnell und schwer sind."

Die gute Nachricht für Glickenhaus ist, dass zwischen den harten Bremspunkten auf dem Circuit de la Sarthe wesentlich längere Geraden liegen als im Autodromo Nazionale di Monza. Die Bremse kann also länger abkühlen. In den kurvigen Passagen gibt es keine zu harten Bremspunkte. In Bahrain wäre die Bremse wieder stärker belastet, dort will Glickenhaus aber ohnehin nicht antreten.

Die verbesserte Form von Glickenhaus war sowohl in Monza als auch bei Le-Mans-Testtag deutlich zu sehen. Kurz vor dem Bremsenwechsel übernahm Romain Dumas sogar kurzeitig die Führung, als der Toyota #7 seinen Reset durchführen musste. Der Franzose wusste übrigens zu diesem Zeitpunkt gar nichts von seinem Glück. Tatsächlich war er sich nicht einmal sicher, vor dem Alpine zu liegen.

"Wir hätten gewonnen, wenn wir die Bremsen nicht hätten wechseln müssen", sagt James Glickenhaus. "Es ist unglaublich, dass wir Toyota so unter Druck setzen konnten. Ich glaube, das hat alle überrascht - die WEC, Toyota und andere Teams eingeschlossen."

Toyota freut sich über neue Konkurrenz

Toyota-Technikchef Pascal Vasselon freut sich über den engen Kampf: "Das sind gute Nachrichten für sie und die Rennserie. Es wäre ja nicht spannend, wenn zwei oder drei Sekunden zwischen uns lägen. Es sollte ein Rennen geben, in dem mehrere Autos eine ähnliche Pace gehen können. Drei unterschiedliche Fahrzeuge innerhalb einer Sekunde sind perfekt."

Olivier Pla, der die Bestzeit markiert hat, sagt: "Wir haben voll angegriffen und nichts zu verlieren. Wir waren von der Balance des Fahrzeugs zu Beginn überrascht. Ich hatte von der ersten Runde an ein gutes Gefühl. Gut, die Le-Mans-Woche so zu starten. Wir haben das Auto den ganzen Tag über immer weiter verbessert, ohne auf die anderen zu schauen. Denn wir haben ständig Zeit gefunden."

Allerdings verzichtete der Toyota #7 am Ende des Tages auf eine Qualifying-Simulation mit frischen Reifen. Es bleibt also spannend.

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