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Mercedes 190 (1982-1993): Der Großvater der C-Klasse

Vor fast 40 Jahren sorgte der Mercedes 190 alias Baureihe 201 für Aufsehen - Bis dato war kein Mercedes kompakter. Wir blicken zurück

(Motorsport-Total.com/Motor1) - Am 8. Dezember 1982 präsentiert Mercedes-Benz die Baureihe W 201. Sie ist Teil der erfolgreichen Historie der C-Klasse - seit 1993 tragen die Fahrzeuge dieses Segments diesen Namen. Heute ist der W 201 ein begehrter Klassiker. Zur Premiere der neuen C-Klasse werfen wir einen Blick zurück, wie alles begann.

Mit dem 190 (den es nie als Kombi geben wird) beginnt ein völlig neues Kapitel in der jüngeren Geschichte der Stuttgarter Marke. Denn die damals als Kompaktklasse bezeichnete Baureihe W 201 erweitert das Produktprogramm um eine vierte Baureihenfamilie neben den Luxuslimousinen der S-Klasse, den Typen der oberen Mittelklasse (die spätere E-Klasse) und den SL-Sportwagen.

Pläne und Entwürfe für einen kleinen Mercedes gibt es seit den 1950er-Jahren, das Projekt W 118/119 gedeiht schon recht weit. Die direkte Vorgeschichte des W 201 beginnt 1973, als Mercedes-Benz ältere Ideen für ein Fahrzeug unterhalb der beiden etablierten Klassen aufgreift. Impulse dazu kommen auch aus Nordamerika. Dort ist das Interesse für einen kompakten Zweitwagen mit dem Komfort- und Sicherheitsstandard eines Mercedes-Personenwagens groß.

Mercedes 190: Designentwurf aus den 1970er-Jahren

Mercedes 190: Designentwurf aus den 1970er-Jahren Zoom

In den frühen 1970er-Jahren erfährt das Projekt eines kompakten Mercedes-Benz dann einen Schub aus einer Richtung, mit der man nicht rechnet: Der unter dem US-Präsidenten Jimmy Carter eingeführte "Clean Air Act", eine Gesetzgebung für die Luftreinhaltung, legt mit den Vorschriften der "Corporate Average Fuel Economy" (CAFE) den Flottenverbrauch der in den USA angebotenen Fahrzeugpalette jedes Herstellers fest. Für das Jahr 1985 beträgt er 27,5 Meilen pro Gallone (8,5 Liter auf 100 Kilometer).

Das beschreibt eine Herausforderung für viele Automarken und auch Mercedes-Benz: Denn die in den USA angebotene Modellpalette, längst einer der bedeutendsten Exportmärkte der Stuttgarter Marke, liegt im oberen Marktsegment und Leistungsspektrum mit einem resultierenden Flottenverbrauch oberhalb der genannten Grenze.

Resultat: Aus einem Exportmarkt heraus entsteht der Druck, eine neue kompaktere und damit verbrauchsgünstigere Modellreihe zu entwickeln, um den Flottenverbrauch zu senken.

Mercedes 190: Designmodell vom November 1977

Mercedes 190: Designmodell vom November 1977 Zoom

Im Januar 1974 legt Entwicklungschef Prof. Dr. Dr. Hans Scherenberg Eckpunkte für einen solchen Mercedes-Benz fest. Er formuliert: "Klar ist hierbei doch, dass es sich um einen typischen Mercedes-Benz handeln muss. Wir können also an der Fahrkultur, der Sicherheit und entsprechenden spezifischen Mercedes-Benz Eigenschaften nicht zu viele Abstriche machen."

Das von ihm unterzeichnete erste Lastenheft zur Baureihe 201 legt bereits am 4. Februar 1974 Folgendes fest: "Mit diesem Produkt ist nicht daran gedacht, in die Märkte der Mittelklasse einzudringen, die beispielweise von Opel und Ford seit Jahren behauptet werden. Vielmehr soll sich der Typ 201 von jenen aufgrund der unter dem Markensymbol vom Kunden erwarteten Eigenschaften bezüglich Qualität, Sicherheit und Fahrkultur bewusst absetzen."

Prof. Dr. Werner Breitschwerdt, ab 1977 Nachfolger von Scherenberg als Entwicklungschef, ändert an diesen Punkten aus Überzeugung nichts. Damit ist ein Auftrag umrissen, der fast der Quadratur des Kreises nahekommt: Die traditionellen Mercedes-Benz Markenwerte wie Komfort, Sicherheit, Langlebigkeit und Zuverlässigkeit, bisher perfekt über alle Generationen in größeren Fahrzeugen umgesetzt, sollen nun auf ein kompaktes Fahrzeug - ohne Einschränkung - übertragen werden. Als umfassende Ingenieursaufgabe ist das eine erhebliche Herausforderung.

Mercedes 190 (1982-1993)

Mercedes 190 (1982-1993) Zoom

Kein Wunder somit: Als im November 1982 die neuen kompakten Fahrzeuge der Baureihe 201 in Sevilla, Spanien, der Weltpresse vorgestellt werden, ist die Erwartungshaltung unter den Journalisten riesig. Und sie wird nicht enttäuscht.

Beim Design gelingt die erste Überraschung. Unter der Leitung von Bruno Sacco entsteht ein Fahrzeug, welches Eigenständigkeit und Familienzugehörigkeit gleichermaßen in sich vereint. Darüber hinaus zeichnet den kompakten Mercedes-Benz ein niedriger cw-Wert von 0,33 und ein modernes schnörkelloses Design aus.

Den Serienanlauf erlebt der W 201 in Sindelfingen, bevor die Produktion auch im Mercedes-Benz Werk Bremen anläuft. Die Produktionsanlagen dort werden für die neue Baureihe erheblich erweitert. Bis heute ist das Werk Bremen das Hauptwerk für die C-Klasse, die mit der 1993 eingeführten Baureihe 202 zur Nachfolgerin des W 201 wird. Von der Baureihe W 201 werden bis August 1993 insgesamt 1.879.630 Fahrzeuge produziert.

Mercedes 190 (1982-1993)

Produktion des Mercedes 190 in Bremen (1984) Zoom

Ihr Debüt feiert die umgangssprachlich auch "190er" oder "Baby-Benz" genannte Baureihe mit zwei Vierzylinder-Ottomotor-Typen: 190 heißt die zunächst 66 kW (90 PS) starke Vergaser-Variante. Der 190 E mit Benzineinspritzung leistet 90 kW (122 PS).

Als "Flüster-Diesel" (nach damaligen Maßstäben) wird ab 1983 der 190 D (53 kW/72 PS) bekannt, der erste Serien-Personenwagen mit schalldämmender Triebwerkskapselung. Neue Leistung für den Selbstzünder bringt ab 1986 - bis Herbst 1987 allerdings ausschließlich für den amerikanischen Markt - die Fünfzylinder-Variante 190 D 2.5 Turbo mit 90 kW/122 PS).

Für den starken Sechszylindertyp 190 E 2.6 (122 kW/166 PS, ebenfalls ab 1986, später 160 PS mit Katalysator) meistern die Ingenieure die technische Herausforderung, den Reihensechszylinder M 103 im Motorraum des W 201 zu installieren.

Mercedes-Benz 190 E 2.3-16 der Baureihe W 201. Weltrekordfahrten in Nardò (Italien) vom 11. bis 21. August 1983

Mercedes-Benz 190 E 2.3-16 der Baureihe W 201. Weltrekordfahrten in Nardò (Italien) vom 11. bis 21. August 1983 Zoom

Mit Vierventiltechnik erzielt der Mercedes 190 E 2.3-16 (136 kW/185 PS) bereits vor seiner Präsentation im Herbst 1983 sportliche Erfolge: Drei Prototypen stellen auf dem Rundkurs im süditalienischen Nardò Langstreckenweltrekorde über 25.000 Kilometer, 25.000 Meilen und 50.000 Kilometer mit Durchschnittsgeschwindigkeiten von nahezu 250 km/h auf.

Auch bei der Eröffnung des neuen Nürburgrings zeigt der 190 E 2.3-16 seine sportliche Leistungsfähigkeit: 20 Rennfahrer weihen am 12. Mai 1984 mit einem Rennen auf diesem Fahrzeug die neue Rundstrecke ein. Sieger ist der damals nur Insidern bekannte brasilianische Rennfahrer Ayrton Senna.

Mercedes 190 (1982-1993)

Mercedes 190 (1982-1993) Zoom

Das Top-Modell der Baureihe ist später der 190 E 2.5-16 Evolution II (173 kW/235 PS) mit seinem gewaltigen Heckflügel. Er stellt auch die Basis der höchst erfolgreichen Rennsport-Tourenwagen dar, die von 1990 an in der DTM an den Start geht.

Die Triumphe der Stuttgarter Marke in der Deutschen Tourenwagen-Meisterschaft der 1980er- und 1990er-Jahre sind eng mit dem W 201 verbunden: Von 1988 bis 1993 werden Rennsport-Tourenwagen auf der Basis dieser Baureihe erfolgreich in der DTM mit Werksunterstützung eingesetzt.

Weitere Einblicke in die Mercedes-Historie:

Mercedes 770 (1930-38): Zwischen Gigant und Größenwahn
Mercedes A-Klasse (1997-2004): Klassiker der Zukunft?

In dieser Zeit holt Mercedes-Benz zwei Markenmeisterschaften (1991 und 1992), und Klaus Ludwig wird auf 190 E 2.5-16 Evolution II im Jahr 1992 DTM-Meister. Dazu kommen vier Vizetitel und drei dritte Platzierungen.

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