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  • 06.02.2022 · 10:42

  • von Roland Hildebrandt

Mazda Xedos 6 (1992-99): Kennen Sie den noch?

Mit dem Xedos 6 zielte Mazda in den 1990er-Jahren auf die deutsche Premium-Konkurrenz - Wir erzählen die Geschichte der Limousine

(Motorsport-Total.com/Motor1) - Man kennt Sie. Und irgendwie auch wieder nicht. Die Rede ist nicht von den eigenen Nachbarn, sondern von Autos, die so unauffällig blieben, dass sie heute nur eingefleischte Fans noch kennen. Solche Modelle müssen nicht zwangsläufig zu Lebzeiten Flops gewesen sein.

Mazda Xedos 6 (1992-1999)

Mazda Xedos 6 (1992-1999) Zoom

Aber sie liefen unter dem Radar des gewöhnlichen Autokäufers. In unregelmäßiger Folge wollen wir ab sofort unter dem Titel "Kennen Sie den noch?" so manchen Old- und Youngtimer aus dem Nebel des Vergessens holen.

Zum Thema "Marken" gibt es viele Bücher, es reicht locker für ein Seminar an der Uni. Wann hat eine neue Marke Erfolg? Die Automobilgeschichte ist voll mit kurzlebigen Namen. Vor gut 100 Jahren kam der damalige GM-Chef Alfred P. Sloan auf die Idee, zusätzliche Marken zu erfinden, um alle Segmente abzudecken. In einem Konzern konnte der Kunde so aufsteigen, im Fall von GM vom billigen Chevrolet bis zum teuren Cadillac.


Fotostrecke: Mazda Xedos 6 (1992-1999)

Doch oft genug geht der Schuss auch nach hinten los. Spätestens dann, wenn die neue Marke unklar positioniert ist und eigentlich eher alten Wein in neuen Schläuchen bietet. Ein Fall ist Eunos. Nur in Japan erhältlich, verkaufte man Autos, die woanders auf der Welt als Mazda liefen, als vermeintlich edlere Kaleschen. Quasi das Audi von Mazda.

Zwischen 1989 und 1996 gab es etwa den Schlafaugen-323 (BG) als Eunos 100, der MX-5 wurde zum Eunos Roadster, der MX-3 zum Eunos Presso/30X. Beim Mazda 626 hingegen gab man sich mehr Mühe und schneiderte eine recht schicke Limousine auf Basis der GE-Baureihe. Das Resultat war der Eunos 500. Er kam 1992, also vor 30 Jahren, als Mazda Xedos 6 auch nach Europa.

Mazda Xedos 6 und Xedos 9 (vorne)

Mazda Xedos 6 und Xedos 9 (vorne) Zoom

Die Stoßrichtung wurde anhand der Eckdaten deutlich: 4,56 Meter lang, schick gezeichnet und ein 2,0-Liter-V6 (der größere Bruder des 1.8 V6 im MX-3) mit 140 PS unter der Haube. So bliesen die Japaner zur Attacke auf Audi, BMW und Mercedes. Jedoch nicht ganz konsequent, denn bereits in der Pressemitteilung wurde auch auf den Mazda 626 hingewiesen:

"Auf den ersten Blick könnte der Xedos 6 mit dem neuen 626 V6 in Verbindung gebracht werden, aber dieser Vergleich ist nur teilweise zutreffend. Der 626 ist ein multi-funktionelles Auto, dessen Stärken in seiner breiten Angebotspalette für Vernunftkäufer liegen. Der Xedos 6 wendet sich an diejenigen, die eine sportive Limousine in eigenständiger Form haben wollen, ohne wenn und aber. Mazda nimmt hier den Staffelstab wieder auf."

Und weiter: "Natürlich weiß Mazda Deutschland sehr genau, daß der Xedos 6 nur spezielle Käufergruppen anspricht. Aber genau das ist so gewollt. Xedos 6 hebt ab zu denjenigen, die anders sind, die sich in ihrem Lebensstil nicht in Schablonen pressen lassen." Klingt das für Sie nicht auch wie: Eigentlich wollen wir ihn gar nicht, aber wir müssen halt.

Mazda Xedos 6 (1992-1999)

Mazda Xedos 6 (1992-1999) Zoom

Mit dem Xedos 6 verfolgte Mazda konsequent die Politik des "aggressionsfreien" Stylings weiter, die mit dem MX-5 begann und mit dem 121 fortgesetzt wurde. Das "Wohlfühlen in angenehmer Umgebung" war eines der wichtigsten Gestaltungsmerkmale. O-Ton: "Der Xedos 6 soll ein Beweis für moderne Mobilität in den 90er Jahren sein, vor allem aber soll er die Souveränität seines Fahrers unterstreichen."

Immerhin: Mit einem glattflächig runden Design wurde ein cw-Wert von 0,29 erzielt. Und Mazda faktenhuberte: "Zahlreiche Details helfen dieses Ergebnis zu erzielen: Bündig eingesetzten Scheiben (sie haben nur noch 3,5 mm Spalt zu überdecken) und neuartige Türdichtungen mindern störende Luftwirbel. Die Spaltmaße zwischen Stoßstange,Türen, Hauben und Karosserie sind 15 bis 30 Prozent schmaler, als bei anderen Mazda-Modellen.

Zu den Kleinigkeiten, die sich zu großen Werten summieren, gehören beispielsweise die Außenspiegel. Sie sind unterschiedlich groß. Der linke ist breiter und zeigt ein querformatiges Bild, während der aus Gründen der Aerodynamik schmale rechte das Geschehen hinter dem Fahrzeug im Hochformat abbildet. Leitkanten seitlich an der Windschutzscheibe führen den Fahrtwind."

Mazda Xedos 6 (1992-1999)

Mazda Xedos 6 (1992-1999) Zoom

Der V6-Motor mit vier Ventilen pro Zylinder war als Kurzhuber ausgelegt (78,0 mm Bohrung/69,6 mm Hub). Anfangs leistete er 144 PS und ein maximales Drehmoment von 172 Newtonmeter , später 140 PS und 170 Nm. Wohlgemerkt: aus sechs Zylindern. Heutzutage holt man die gleiche Leistung aus der Hälftet an Zylindern und Hubraum.

Aerodynamisch begünstigt lag die Höchstgeschwindigkeit des Xedos 6 bei 216 km/h (mit Automatik 203 km/h). Serienmäßig waren unter anderem eine Klimaanlage und Alufelgen. 1994 erfolgte ein Facelift, parallel senkte ein Vierzylinder mit 1,6 Liter Hubraum und 107 PS den Einstiegspreis. Schon 1993 hatte der Xedos 6 mit dem Xedos 9 (Eunos 800 in Japan) auf 929-Basis einen großen Bruder bekommen.

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Insgesamt 72.101 Xedos 6 baute Mazda bis 1999, rund 20.000 Stück wurden in Deutschland verkauft. Immerhin, denn der größte Konkurrent lauerte nicht etwa in Stuttgart oder München, sondern im eigenen Schauraum. Dort stand nämlich der stärkere (!) Mazda 626 mit 2,5-Liter-V6 und 165 PS. Preis 1995: 42.840 DM gegenüber 44.650 Mark beim Xedos 6. (36.990 DM kostete übrigens der "kleine" Xedos 6 mit Vierzylinder.)

Zu guter Letzt lästerte die Presse über den tristen und engen Innenraum mit 323-Ambiente, die miese Übersichtlichkeit und natürlich das fehlende Image. Heutzutage darf der Xedos 6 als Geheimtipp für Youngtimer-Fans mit V6-Neigung gelten.

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