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  • 02.08.2022 · 12:28

  • von Roland Hildebrandt

BMW 324d von 1986 im Fahrbericht: Freude am Lahmen

Zum 40. Geburtstag der zweiten BMW 3er-Reihe alias E30 sind wir nicht M3 oder 325i gefahren: Sondern den Diesel mit 86 PS - Macht er auch Spaß?

(Motorsport-Total.com/Motor1) - Über 2,3 Millionen Exemplare wurden zwischen 1982 und 1994 gebaut. Noch heute ist die zweite Generation der BMW 3er-Reihe mit ihrem zeitlosen Design im Straßenbild präsent. Zum 40. Geburtstag des beliebten Klassikers wollten wir natürlich ein Exemplar fahren. An Vielfalt mangelte es nicht: Viertürer, Kombi, ein richtiges Cabriolet. All das waren Premieren in der Baureihe.

BMW 324d (E30) von 1986 im Fahrbericht

BMW 324d (E30) von 1986 im Fahrbericht Zoom

Gotteslästerung unter der Haube?

Und der Diesel. 1985 war die Baureihe E30 zwar nicht der erste BMW mit Selbstzünder (1983 erschien der 524td), aber eben der erste nagelnde 3er. Also dachte ich mir: Über den M3 oder 325i oder gar den 333i für Südafrika werden alle schreiben. Aber wer hat schon Bock auf einen Saugdiesel mit 86 PS? Ich!

Selbst für BMW Classic klang mein Wunsch ziemlich ungewöhnlich. Aber man hat einen im Fundus und so hieß es: Hier hast Du für zwei Tage einen 324d. Selbst schuld. Meckern gilt nicht.

Schwung mitnehmen und im Fluss bleiben, lautet daher die Devise. Respektive auf dem Beschleunigungsstreifen zwei Gänge hinunterschalten, voll aufs Gas, dem Auto nette Sachen zurufen. Und auf die 152 Newtonmeter maximales Drehmoment bei 2.500 U/min warten. Auch das Thema "324d am Berg" verlangt nach innerer Ruhe und ausreichend Geduld. Wie gut, dass mein fast neuer 324d aus Werksbesitz eine Klimaanlage hat, damaliger Aufpreis 2.825 Mark.

Diesel für Besserverdiener

Damit nicht genug: Vier elektrische Fensterheber, das elektrische Schiebedach, die Zentralverriegelung, die 14-Zoll (!)-Leichtmetallräder und die Servolenkung (sie war später serienmäßig) summierten sich auf zusätzlich fast 6.000 DM. Grundpreis des BMW 324d zum Marktstart: 27.450 Mark. Ende August 1987 waren es schon 30.600 Mark. Damit rangierte der 324d zwischen einem 318i und 320i mit jeweils vier Türen.

Interessenten konnten sich im Prospekt an wahrer Lyrik ergötzen. "Eine beispielhafte Synthese von Fahrkultur, Leistungsvermögen, Ökonomie und Umweltfreundlichkeit." Oder noch besser: "Außerordentliche Fahrdynamik"! Nun, wer wollte, konnte das bei Bedarf mit einem Automatikgetriebe versuchen. 18,5 Sekunden auf 100 km/h.


Fotostrecke: BMW 324d von 1986 im Fahrbericht: Freude am Lahmen

Kuriosum am Rande: Ausgerechnet im auf Sparsamkeit getrimmten 324d fehlt die berühmte BMW-Verbrauchsanzeige im Drehzahlmesser. 6,9 Liter bei konstant 120 km/h und 8,7 Liter im Stadtverkehr notierte BMW zum 324d, die "ams" trat den maximal 161 km/h schnellen Wagen auf 9,2 Liter Testverbrauch.

Fahrspaß, aber anders

Lahm und nicht einmal besonders sparsam. Wo liegt also die Faszination beim 324d? Nun, der E30 als solcher fährt sich immer noch modern und direkt, die Übersichtlichkeit ist großartig.

Zudem passt er einem wie ein Fahrerhandschuh. Nur gut 1,2 Tonnen wiegt er selbst mit dem schweren Diesel unter der Haube. Dieser wiederum wirkt trotz seines Klangs aus heutiger Sicht antiquiert und hält einem den Fortschritt der Dieseltechnik eindrücklich vor Augen.

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Zeitreise: Unterwegs im BMW LS Luxus von 1962
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Aber die damaligen Tester hatten durchaus Recht: Traditionelle BMW-Fans rümpfen die Nase nach einer Fahrt im 324d und sind enttäuscht. Im Vergleich zur damaligen Diesel-Konkurrenz war der 3er aber durchaus gelungen.

Wer heute mit der "gepflegten Lethargie" (O-Ton ams) leben kann, bekommt den 324d relativ günstig. Immerhin 76.056 Exemplare wurden gebaut, hingegen nur rund 29.000 324td. Ganz anders beim großen Bruder E28: Lediglich 4.239 524d (aber auch nur zwei Jahre lang) und 74.602 524td.

Reisen statt rasen, Autowandern statt Autobahn. Es muss ja nicht immer der BMW-Mainstream sein. Ein Meilenstein für die Marke war der 324d in jedem Fall. Nur braucht er für die Meile eben etwas länger.

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