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  • 24.07.2022 · 13:42

  • von Roland Hildebrandt

50 Jahre BMW-Hochhaus: Ein Vierzylinder als Wahrzeichen

1972 stand München mit den Olympischen Spielen im Mittelpunkt - Fast zeitgleich stellte BMW seine neue Konzernzentrale neben den Olympiapark

(Motorsport-Total.com/Motor1) - Konzernzentralen sind häufig gesichtslose Hochhäuser und zweckmäßige Verwaltungsgebäude. Doch es gibt auch Ausnahmen, bei denen das Bauwerk fast so bekannt ist wie das Unternehmen selbst. Etwa der BMW-Vierzylinder, der jetzt 50 Jahre alt wird.

50 Jahre BMW-Hochhaus

50 Jahre BMW-Hochhaus Zoom

Das BMW-Hochhaus entstand zwischen 1970 und 1972 in München in nur 26 Monaten und 3,5 Millionen Arbeitsstunden auf der Baustelle. 500 Bauarbeiter sowie 200 Architekten, Ingenieure und Zeichner waren beteiligt. Über 3.000 erstmalig in Europa im japanischen Aluguss-Verfahren hergestellte Fassadenelemente kamen zum Einsatz.

Pünktlich zu den Olympischen Sommerspielen 1972 wurde das Bauwerk fertig und anders als seine Nachbarn mit dem Zeltdach exakt im vorgegebenen Kostenrahmen.

Oberen Etagen wurden am Boden gefertigt

Bis heute zählt das BMW-Hochhaus mit seiner Hängekonstruktion zu den innovativsten Ingenieursbauten der Nachkriegszeit - denn die vier Zylinder hängen an einer kreuzförmigen Stahlkonstruktion vom Dach.

Dabei wuchs das Gebäude nicht wie allgemein üblich von unten nach oben, sondern die oberen Etagen wurden zeiteffektiv zuerst am Boden gefertigt, dann hydraulisch am massiven "Hochhausschaft" aus Stahlbeton nach oben bewegt und in mehreren Segmenten vervollständigt.

Im August 1972, gegenüber dem von Behnisch & Partner mit Frei Otto gestalteten, weltbekannten Olympiagelände, wurde die Konzernzentrale der BMW Group am Petuelring fertiggestellt. Die BMW-Logos an allen vier Seiten mussten übrigens von der Stadt München genehmigt werden, die Werbung auf einem Gebäude eigentlich untersagt.

Schwanzer gewinnt Architekturwettbewerb und baut die Konzernzentrale

1968 schrieb die BMW AG einen Architekturwettbewerb zur Gestaltung eines neuen Verwaltungsgebäudes aus.


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Um den Vorstand, Aufsichtsrat und die Großaktionäre zu überzeugen, ließ Schwanzer ein 1:1-Modell einer kompletten kleeblattförmigen Etage in den Studios der Bavaria Film GmbH im Grünwalder Ortsteil Geiselgasteig errichten und hatte damit Erfolg: Im Dezember desselben Jahres erteilte ihm die BMW Unternehmensführung den Auftrag zum Bau der neuen Konzernzentrale.

An Schwanzers Kulisse und dem darin abgedrehten Pitchfilm war auch Rolf Zehetbauer beteiligt, der 1973 mit "Cabaret" für die Kategorie Art Direction einen Academy Award erhielt.

Firmenzentrale wird zur gern gesehenen Filmkulisse

Zwei Jahre später kam der Hollywoodfilm "Rollerball" in die Kinos - mit dem BMW-Hochhaus als architektonischer Protagonist. Ob "Suspiria" (1977), "Blutspur" (1979), "Zwei Nasen tanken Super" (1984) oder "Vaterfreuden" (2014): das BMW Hochhaus feierte auf der Leinwand ganz eigene Erfolge.

Die Konzernzentrale der BMW Group und das im Volksmund "Schüssel" genannte BMW Museum sind zwei der markantesten Gebäude Münchens und werden als Ikonen der deutschen Nachkriegsarchitektur geschätzt. 2007 gesellte sich noch die BMW Welt zu dem Ensemble.

Das BMW Museum war von Beginn an integraler Bestandteil der Vision Karl Schwanzers für die Firmenzentrale. Eine Sonderausstellung zu Hochhaus und Museum, die beide seit 1999 unter Denkmalschutz stehen, vermittelt im Foyer des Museums in eindrucksvollen Bildern die Geschichte des Hochhausareals und zeigt Architekturmodelle aus der Zeit der Entstehung. Die Ausstellung ist noch bis zum 3. Oktober 2022 zu sehen. Der Eintritt ist frei.

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In München wird das Olympiajahr 1972 mit den Ausstellungen "Die Olympiastadt München. Rückblick und Ausblick" im Architekturmuseum der TU München, "Visionen und Wirklichkeit. Kunst für die Olympischen Spiele in München 1972" in der Rathausgalerie sowie "Olympia 72 in Bildern - Fotografien aus den Sammlungen der Bayerischen Staatsbibliothek" gewürdigt.

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