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  • 23.07.2022 · 12:50

  • von Roland Hildebrandt

70 Jahre Skoda 1200: Tschechische Moderne

Ponton-Form und Ganzstahl-Karosserie: 1952 bewegte sich der neue Skoda 1200 auf Weltniveau - Heute ist er fast vergessen

(Motorsport-Total.com/Motor1) - Heutzutage werden Automobile aus dem Ostblock meist mit Blick auf die Spätphase beurteilt: Trabant 601? Hoffnungslos veraltet. Skoda? Bis zum Favorit rustikal rostende Heckschleudern. Doch halt! In den ersten Jahrzehnten nach dem Krieg war man intertional noch auf Augenhöhe.

70 Jahre Skoda 1200

70 Jahre Skoda 1200 Zoom

Vor 70 Jahren begann in Mlada Boleslav die Fertigung des Skoda 1200 Sedan mit Ganzstahlkarosserie. Dieser technologische Fortschritt ermöglichte eine effiziente Großserienproduktion.

Zusätzlich erlaubte die Karosserie eine Vergrößerung des Innenraums sowie eine Verbesserung der passiven Sicherheit bei gleichzeitiger Reduzierung des Fahrzeuggewichts. Die Ponton-Karosserie des Sedan war eine der ersten in der Tschechoslowakei, die im Windkanal optimiert wurden.

Erstes Modell mit Ganzstahlkonstruktion

Am 11. Juli 1952 kam es zu einer großen Veränderung in der Fertigungstechnologie. Durch den Umstieg von Holz- auf Metallkarosserien mussten die Schreiner bei Skoda, die für den Bau der Holzgestelle für die Karosserien zuständig waren, auf die Herstellung von Transportkisten für den Fahrzeugexport umsteigen.

Der neue Skoda 1200 Sedan war das erste Modell mit einer Ganzstahlkonstruktion in Ponton-Form mit integrierten Kotflügeln. Das ermöglichte eine effizientere Nutzung des Innenraums und erhöhte die passive Sicherheit. Die glatten, abgerundeten Flächen erleichterten darüber hinaus die Pflege des Fahrzeugs.

Die Entwicklung des neuen Skoda Modells begann bereits 1948, der erste Prototyp entstand ein Jahr später. Schon bald folgten weitere Ausführungen, wie etwa der variable STW (Station Wagon) mit umklappbarer Rückbank. Auch ein Prototyp mit offener Karosserie wurde entwickelt.

Zehn Liter Verbrauch und 105 km/h Spitze

Der Skoda 1200 Sedan war eine Weiterentwicklung des Fahrwerkkonzepts mit Zentralrohrrahmen. Dieser war vorne gegabelt und konnte so den Ottomotor mit OHV-Ventilsteuerung und weiteren innovativen Komponenten wie zum Beispiel nassen Zylinderlaufbuchsen aufnehmen.


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Über ein synchronisiertes Vierganggetriebe wurden die einzeln aufgehängten Hinterräder angetrieben, der Wagen erreichte eine Spitzengeschwindigkeit von 105 km/h bei einem Verbrauch von zehn Litern auf 100 Kilometer.

Zu den wichtigsten Personen im Bereich des Karosseriebaus zählte zu dieser Zeit Josef Velebný (1906-1989). Er arbeitete bereits seit 1925 im Automobilwerk in Mlada Boleslav und leitete ab 1946 die Abteilung Karosseriekonstruktion. In dieser Zeit begann auch die systematische Forschung und Entwicklung auf dem Feld der aerodynamischen Optimierung.

Aerodynamische Optimierung sorgte für zahlreiche Verbesserungen

Auf diese Weise stieg die Höchstgeschwindigkeit der Fahrzeuge bei gleichzeitig sinkendem Kraftstoffverbrauch. Zudem waren die Fahrzeuge leiser und die Karosserie wurde während der Fahrt weniger verschmutzt. Die Forschung stützte sich damals auf Messungen an Holzmodellen im Maßstab 1:5 und 1:10 im Windkanal mit einem Durchmesser von 1,8 Metern.

Über eine solche Anlage verfügte damals nur die Forschungs- und Prüfanstalt für Luftfahrt in Prag-Let?any. Skoda testete zunächst die Modelle Skoda 1101/1102 Tudor, das Hauptaugenmerk lag allerdings auf dem Skoda 1200.

Durch die neue Karosserie profitierte das Fahrzeug von einem niedrigen Leergewicht von nur 1.050 Kilogramm - das entsprach etwa dem Gewicht des älteren, deutlich kleineren Modells Skoda Rapid OHV.

Schalthebel direkt an der Lenksäule angebracht

Der Fünfsitzer Sedan verfügte über einen getrennten Kofferraum mit separat zugänglichem Reserverad und damals obligatorischem Werkzeugsatz. Die vier Türen verdeckten auch die Schweller, damit die Kleidung der Insassen beim Ein- und Aussteigen nicht schmutzig wurde.

Zur Verbesserung der aktiven Sicherheit trug unter anderem der an der Lenksäule angebrachte Schalthebel bei. Der Fahrer musste beim Gangwechsel nur kurz die Hand vom Lenkrad nehmen und profitierte durch den entfallenen Schalthebel im Mitteltunnel gleichzeitig von einer größeren Beinfreiheit.

Die Vorzüge der Ganzstahlkarosserie zeigten sich nicht nur bei der Variante mit Stufenheck, sondern auch bei den leichten Nutzfahrzeugen. Deren Produktion begann im Jahr 1952 im Werk Vrchlabí. Im Werk Kvasiny wurden die Krankenwagen-Versionen gebaut, in denen neben der Besatzung auch zwei Liegen Platz fanden.

Skoda 1200 Sedan wurde fortlaufend modernisiert

Anfang 1953 erweiterte der praktische Kombi Skoda 1200 STW mit einteiliger, seitlich öffnender Hecktür das Angebot. Einige der umklappbaren Sitze waren zugunsten einer steiferen Karosserie nur von der rechten Fahrzeugseite zugänglich. In seiner zweisitzigen Ausführung bot der Kombi eine 1.750 Millimeter lange und 1.380 Millimeter breite Ladefläche, die zwischen den Radhäusern 990 Millimeter breit war.

Der Skoda 1200 Sedan wurde fortlaufend modernisiert. Dank der Anpassungen wurde die Karosseriefestigkeit optimiert und die Innenraumgeräusche wurden reduziert. Zu den Neuerungen zählten auch die Blinker, sie lösten die früheren Winker ab. Anfang 1956 lief die Produktion des modernisierten Modells Skoda 1201 mit leistungsstärkerem Motor an, die Leistung lag bei 33,1 kW (45 PS) bei 4.200 U/min.

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Die Produktion der Baureihe 1200/1201 endete im Herbst 1961 nach 67.071 produzierten Fahrzeugen, davon rund 27.000 mit Stufenheckkarosserie und rund 15.000 Kombis, die verbleibenden Einheiten entfielen auf die Nutzfahrzeug-Versionen.

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