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Berufungsverfahren Nürburgring vs. NLS: Zeichen stehen auf zwei Serien

Endlich Bewegung in der Berufung: NLS und NES werden offenbar beide Termine auf der Nürburgring-Nordschleife bekommen - Zugangsrecht für VLN bleibt bestehen

(Motorsport-Total.com) - Lange Zeit herrschte Stillstand in der Eifel, jetzt kommen die Mühlen der Justiz in Bewegung. Am 23. November fand die Berufungsverhandlung vor dem Oberlandesgericht Koblenz statt. Die Urteilsverkündung wird kurz vor Weihnachten erwartet, doch eine erste Tendenz zeichnet sich ab, wie Motorsport-Total.com erfahren hat.

Titel-Bild zur News: Die VLN wird ihren Kantersieg aus Mainz voraussichtlich nicht halten können

Die VLN wird ihren Kantersieg aus Mainz voraussichtlich nicht halten können Zoom

Derzeit zeichnet sich ab, dass das Urteil des Landgerichts Mainz in Teilen aufgehoben wird - und zwar beim Thema Terminvergabe. Die Nürburgring Endurance Series (NES), die vom AvD sowie Ex-VLN-Geschäftsführer Ralph-Gerald Schlüter und Peter Bonk mit dem Segen des Nürburgrings durchgeführt werden soll, hat ebenso ein Anrecht auf Termine wie die VLN als Veranstalterin der Nürburgring-Langstrecken-Serie (NLS).

Deshalb sollen nun beide Serien im Jahr 2024 fahren können, möglichst mit jeweils sechs Terminen. Das würde bedeuten, dass die Nürburgring 1927 GmbH & Co. KG, die zu 99 Prozent dem russischen Nürburgring-Eigentümer NR Holding unterstellt ist, weitere Termine für Langstreckenrennen blockieren müsste. Sollte dies nicht gelingen, könnte die Zahl der Termine auf vier pro Veranstalter reduziert werden.

Damit würde das Oberlandesgericht Koblenz das Urteil in einem für die VLN empfindlichen Punkt aufheben. Sie müsste Termine an die NES abtreten. AvD-Generalsekretär Lutz Leif Linden hatte das Mainzer Urteil, das noch ein Sieg auf ganzer Linie für die VLN gewesen war, gegenüber Motorsport-Total.com in diesem Punkt bereits als realitätsfremd bezeichnet.

Unberührt bleibt aber voraussichtlich das Zugangsrecht der VLN Sport GmbH & Co. KG zur Rennstrecke und der dazugehörigen Infrastruktur, die im "Nürburgring-Gesetz" von 2013 verankert ist.

Viele Möglichkeiten wurden ausgelotet - darunter offenbar auch die Variante, dass die NLS (im nächsten Jahr vielleicht wieder VLN) wie die Rundstrecken-Challenge-Nürburgring ausschließlich auf der 20,832 Kilometer langen Nordschleife fährt, was natürlich nicht umsetzbar ist.


Fotostrecke: Streit um Langstreckensport am Nürburgring: Die Gemengelage erklärt

Trotz mahnender Worte des Richters, dass es im Interesse beider Parteien sei, sich auf einen Vergleich zu einigen, konnte eine solche Einigung nicht erzielt werden. Das letzte Wort haben nun die Richter des OLG Koblenz, deren erste Tendenz oben beschrieben ist.

Nürburgring muss VLN Zugang gewähren - und allen anderen

Mit der aktuellen Trendentwicklung kann keine Seite wirklich zufrieden sein. Die VLN verliert ihr Alleinstellungsmerkmal als Rennserie auf der Nürburgring-Nordschleife und muss sich in Konkurrenz zur NES stellen. Vorausgesetzt, die NES kommt zustande, woran es immer wieder Zweifel gegeben hat.

Der Nürburgring wird es wohl rechtskräftig schwarz auf weiß haben, dass es sich bei der Nordschleife um eine "essential facility" im Sinne des Kartellrechts handelt, vergleichbar mit der Schieneninfrastruktur oder dem Stromnetz. So hatte es das Landgericht Mainz entschieden.

Das Zugangsrecht, das die VLN nun erstritten hat, gilt für jeden Veranstalter. Die Verhandlungsposition des Nürburgrings, der sich ursprünglich mit der Übernahme der NLS - ob direkt, wie ursprünglich im 51-25-24-Modell angedacht, oder indirekt über die AvD-Serie - eine bessere Verhandlungsposition gegenüber dem ADAC verschaffen wollte, würde damit eher geschwächt als gestärkt.

NLS 2023, Mercedes-AMG GT4

Angesichts des Teilnehmerschwunds wäre eine Spaltung für den Sport katastrophal Zoom

Größter Verlierer wäre jedoch der Sport: Nachdem die NLS in den vergangenen Jahren damit zu kämpfen hatte, 100 Fahrzeuge für die Rennen nach dem 24h-Rennen zusammen zu bekommen, ist eine Spaltung in zwei Serien das Letzte, was der Sport gebrauchen kann.

Alle Teams müssten sich die Frage stellen, in welcher Serie sie antreten wollen - oder ob sie in beiden oder gar keiner antreten wollen. Ob die Motivation groß ist, in zwei Meisterschaften mit jeweils schlimmstenfalls vier Läufen zu starten, ist fraglich.

Beide Serien hätten kaum finanziellen Spielraum, um Teilnehmer zu werben. Auch eine Aufspaltung in eine Profiserie für die schnellsten Autos der NLS und eine zweite, wieder "echte" Breitensportmeisterschaft wäre schwierig, da der Pool an Teams in beiden Fällen zu klein wäre, um die enormen Fixkosten eines Rennens auf der Nordschleife zu decken.

ILN verlangt unverzügliche Ausschreibung

Am schlimmsten trifft es jedoch die Teams, die noch immer keine Planungssicherheit haben, weil niemand weiß, was 2024 auf der Nordschleife passieren wird. Martin Rosorius, Vorsitzender der Teamvereinigung ILN, sagt gegenüber Motorsport-Total.com: "Im anhaltenden Machtkampf der involvierten Parteien bleiben der Sport und seine Akteure ebenso wie die Fans auf der Strecke."

"Dass die Teams Anfang Dezember keinerlei Planungssicherheit für die kommende Saison haben, ist unverantwortlich! Die Auseinandersetzung schädigt den Langstreckensport auf dem Nürburgring, der es ohnehin aufgrund vieler Umstände derzeit nicht leicht hat, massiv!"

"Dass die Teams Anfang Dezember keinerlei Planungssicherheit für die kommende Saison haben, ist unverantwortlich!" Martin Rosorius

Besonders kritisiert er, dass es bislang für keine Serie eine Ausschreibung gibt. Sowohl die VLN als auch der AvD fürchten, dass die jeweils andere Seite aus der eigenen Einschreibung abkupfern könnte.

Rosorius geißelt dieses Abwarten: "Weder die VLN noch die NES haben bislang eine Ausschreibung veröffentlicht oder Einzelheiten hierzu kommuniziert. Wir erwarten, dass dies nun unverzüglich geschieht! Es kann nicht sein, dass man dies unterlässt, weil der Wettbewerber abschreiben könnte. Es muss darum gehen, mit guten Ideen und einem vernünftigen Reglement seine potenziellen Kunden zu überzeugen."

"Unsere Forderungen und Erwartungen haben wir allen mitgeteilt: Konsequente Kundenorientierung, größere Kostensensibilität, mehr Nachhaltigkeit und eine klare Rückbesinnung auf den Endurance- und Breitensport-Charakter."

Es bleibt also eine schwierige Situation für alle Beteiligten, am meisten für die Teams und Fans. Ein Gewinner zeichnet sich aktuell nicht ab. Der Winter wird frostig.

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