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Kolumne: Über die Faszination NASCAR

Die neue NASCAR-Saison 2011 steht vor der Tür: Warum sich 'Motorsport-Total.com'-Redakteur Pete Fink auf faszinierende 38 Rennwochenenden freut

Liebe NASCAR-Fans,

Dale Earnhardt Jun., Jeff Gordon, Matt Kenseth Daytona, Daytona International Speedway

Endlich geht es wieder los: Daytona steht unmittelbar vor der NASCAR-Türe! Zoom

geht es euch auch so? Klar ist die Winterpause der NASCAR mit nicht einmal zwei Monaten vergleichsweise kurz. Aber kaum steht der Februar vor der Tür, denke ich mir jedes Jahr: Gott sei Dank, es geht wieder los! Und das Beste dabei ist: Gleich zum Auftakt kommt Daytona. Es geht sofort Schlag auf Schlag: Erst das Budweiser-Shootout, dann die Gatorade-Duels und als Höhepunkt das "Great American Race", das Daytona 500. Ein echtes Motorsport-Schmankerl, wie man so schön sagt. Da darf der Puls schon ein wenig höher schlagen, das ist nicht verboten.

Als wir bei 'Motorsport-Total.com' vor etwa vier Jahren damit begonnen haben, auch intensiv über die NASCAR zu berichten, sind wir auf jede Menge Unverständnis gestoßen. Die Rede war von "Plastikbombern in Suppenschüsseln" und vom "läppischen Im-Kreis-Herum-Fahren einiger älterer Herren". Bis auf ganz wenige Ausnahmen war das Verständnis für den Motorsportgiganten NASCAR hierzulande gleich null. Das hat sich mittlerweile geändert.

Es ist schön zu beobachten, dass auch in Europa langsam aber sicher verstanden wird, warum die NASCAR in den USA ein derart gewaltiger Publikumsmagnet ist - und auf absehbare Zeit bleiben wird. Auch wenn die NASCAR ihre Probleme haben mag, behaupte ich: Viele andere Serienbetreiber würden sich gerne mit der Frage herumschlagen, warum zum Beispiel nur noch im Schnitt 130.000 anstatt 150.000 Zuschauer an die Strecke kommen.

Die Fans sehen nicht nur eine erstklassig gemachte Motorsport-Show, wobei die von Puristen oft kritisierte Bezeichnung Show für mich überhaupt keinen schalen Beigeschmack besitzt. Wenn ein Jimmie Johnson oder ein Jeff Gordon nach einem Rennen sagt: "Heute haben wir den Leuten eine gute Show geboten", dann verstehe ich dies als ein sehr großes Kompliment. Die Piloten müssen dafür auch knüppelhart arbeiten.

An jedem dritten Tag ein Rennen?

Pete Fink Kolumne

Pete Fink und die NASCAR: Bitte weg mit den alten Vorurteilen Zoom

NASCAR ist ein echter Fulltime-Job. Sie fahren an 38 von 52 Wochenenden eines Jahres und sitzen dabei pro Rennen im Schnitt vier Stunden im Auto. Das Ganze bei Tempi konstant jenseits der 300 Stundenkilometer. Daher wundert es mich überhaupt nicht, wenn diverse Lästermäuler, deren Namen mir gerade entfallen sind, andere Serien gerne mit gut bezahltem Urlaub vergleichen.

Wenn nun einer wie Kyle Busch gleich drei Rennen an einem Wochenende bestreitet und an den wenigen rennfreien Sprint-Cup-Wochenenden auch noch auf irgendeinem Dirt-Track in der Pampa auftaucht, dann darf man wohl getrost den Ausdruck "Süchtiger" in den Mund nehmen. Oder zum Beispiel Bryan Clauson, der früher in der Nationwide-Serie bei Chip Ganassi fuhr und 2010 zum besten Nachwuchsfahrer in den USA wurde.

Clauson berichtet, dass sein aktueller Terminplan in diesem Jahr 111 (!) Renneinsätze vorsieht. Midget-Cars, Sprint-Cars, Silver-Crown und on top einige Starts in der IndyLights-Serie. So etwas bezeichne ich als Rennfahrer. Ein junger Wahnsinniger, den wir nach seinem sponsorenbedingten Scheitern in der NASCAR wahrscheinlich bald bei den IndyCars sehen werden. Was ich ihm übrigens von Herzen gönnen würde.

Ich habe in den letzten Jahren ziemlich intensiv verfolgt, wie Max Papis versucht hat, ein Bein in die NASCAR-Tür zu bekommen. Für einen Europäer ohne einen mächtigen Sponsor im Rücken ist dies bekanntlich alles andere als einfach. Gut, nun kann man getrost behaupten, "Mad Max" sei ja fast ein Amerikaner, weil er schon so lange in den USA lebt. Aber so ist es ganz einfach nicht. Auch seine recht prominenten familiären Verstrickungen - Emerson Fittipaldi ist immerhin sein Schwiegervater - helfen ihm in der NASCAR nicht viel.

Jenseits der Ernährungswissenschaften

Juan Pablo Montoya, Tony Stewart

Wirklich keine Kostverächter: Tony Stewart und Juan Pablo Montoya Zoom

Papis ist mittlerweile 41 Jahre alt und topfit. Ein langer, schlaksiger Kerl, der im Prinzip nur aus Haut, Knochen und Muskulatur besteht. Also genau das Gegenteil vom klassischen NASCAR-Image der Hamburger-Fraktion um Juan Pablo Montoya und Tony Stewart. Die übrigens wahr ist, denn wenn im Ganassi-Hauptquartier eine Autogrammstunde ansteht, dann ist Montoya derjenige, der sich währenddessen mehr als nur einen Burger reinzieht.

Trotzdem: Nach einem 500-Meilen-Rennen steigt Montoya aus dem Auto und hat oft nicht einmal Schweißtropfen auf der Stirn, während der Rennanzug von Modellathlet Papis komplett durchgeschwitzt ist. Klar ist es erlaubt, Witze über den leichten Bauchansatz von Montoya, Stewart und Co. zu reißen, obwohl sie beide über den Winter massiv abgespeckt haben. Günther Steiner, der ehemalige Red-Bull-Teamchef, ist der Meinung, dass die beiden ganz einfach eine Veranlagung zum Zunehmen haben. Vollblutrennfahrer sind sie dennoch, daran gibt es überhaupt keinen Zweifel.

Außerdem finde ich persönlich es durchaus wohltuend, wenn sich einige NASCAR-Stars kalt lächelnd über sämtliche Ernährungsempfehlungen der Wissenschaftler hinweg setzen. Was einen Ron Dennis vermutlich in den Wahnsinn treiben würde, ist einigen NASCAR-Kollegen ganz einfach wurscht. Das hat, wie so vieles in der NASCAR, durchaus einen eigenen Charme. Aber ich schweife ab, zurück zu Max Papis.

Hightech in Charlotte

Red-Bull-Workshop

Hightech-Schmiede: Blick in einen Teil des aktuellen Red-Bull-Shops Zoom

Hierzulande rümpfen viele Leute immer noch die Nase über die vermeintlich vier simplen Linkskurven der NASCAR, die in vermeintlich veralteten Rennfahrzeugen mit einem nicht mehr zeitgemäßen V8-Triebwerk absolviert werden. In Sachen Motoren haben die Spötter natürlich völlig recht, aber das ist den NASCAR-Bossen auch schon aufgefallen. Da wird sich in den kommenden Jahren einiges tun.

Die Autos sind jedoch reine Prototypen und haben mit einem eigentlichen Stockcar nur noch den Namen gemeinsam. Und wer einmal staunend in einer NASCAR-Fabrik von Roger Penske oder Rick Hendrick gestanden ist, der weiß, dass dort nach absoluten Hightech-Standards gebaut wird, die sich im Vergleich zu den Formel-1-Schmieden rund um Silverstone keineswegs verstecken müssen. Vieles ist also nur dummes Gerede.

Bleibt noch das Ovalfahren. Das ist für uns Europäer eine ganz eigene Wissenschaft, für die Amerikaner aber nichts anderes als das Tagesgeschäft. Und genau deshalb tun sich Jungs vom Schlage eines Max Papis so schwer damit. Kunststück, wenn man sich an das Beispiel von Bryan Clauson erinnert, der im Jahr 2011 111 Mal an 365 Tagen ein Ovalrennen fahren wird.

Papis muss es wissen...

Jimmie Johnson, Max Papis

Max Papis und Jimmie Johnson: Der Europäer und der Champion Zoom

Die treffendste Beschreibung, die mir zu diesem Thema im Gedächtnis haften geblieben ist, stammt eben von Max Papis. "Die Europäer meinen immer, nach links lenken sei leicht. Aber die Sache hier ist viel komplizierter", sagt "Mad Max", der es wissen muss. Von der Formel 1 über ChampCars, IndyCars und Sportwagen ist er alles gefahren. Monaco, Monza, das Indy 500 und nun die NASCAR inklusive Daytona.

"Der größte Unterschied ist, dass du so schnell wie mit einem Formel-1-Auto in eine schnelle Kurve hineinfährst, dabei aber nur halb so viel Grip hast. Oder sogar noch weniger. Und das Ganze musst du vier Stunden lang alle sechs bis zehn Sekunden machen. Du hast keine Zeit zum Entspannen." Klar, weil dir gleichzeitig 42 NASCAR-Kollegen mit knapp 850 PS unter der Haube zentimeterdicht auf den Fersen sind.

Leider wird es "Mad Max" wohl nicht mehr in die Topliga schaffen. In dieser Saison fährt der sympathische "Italo-Brasil-Amerikaner" nicht mehr im Sprint-Cup, sondern wieder in der Truck-Serie. Aber seine Hoffnung auf ein Comeback bei den ganz großen Jungs - und da bin ich mir ganz sicher - hat er noch lange nicht aufgegeben. Wir werden es ja sehen.

Geheimtipp Las Vegas und Bristol

Las Vegas

In Las Vegas werden noch normale Hotelpreise genommen Zoom

Übrigens: Wer einmal selbst in die USA reisen will und sich live vor Ort davon überzeugen möchte, was für ein gigantisches Spektakel die NASCAR ist, dem empfehle ich Las Vegas. Nicht weil ich irgendjemanden zum Zocken verleiten will, sondern weil es in Las Vegas ganz einfach noch bezahlbare Unterkünfte gibt. Denn für mich ist das größte Ärgernis, dass jeder Hotelier der Meinung ist: Wenn die NASCAR in der Stadt ist, dann erhöhe ich meine Zimmerpreise um den Faktor zwei oder sogar drei.

Und genau das ist in Las Vegas nicht der Fall und plötzlich wird ein kurzer USA-Trip wieder bezahlbar. Zudem bietet fast jede Hotelburg am Strip für das gesamte Wochenende einen Bustransfer an die Strecke und zurück an, sodass für eine Kurzreise über ein verlängertes Wochenende nicht einmal ein Mietwagen nötig ist. Dazu ist in der Wüste von Nevada das Wetter meistens hervorragend und das Sightseeing in dieser durchgeknallten Stadt ist sowieso vom Feinsten.

Die größte Show des NASCAR-Jahres - einmal abgesehen vom Daytona 500 - findet mitten in der Pampa statt. Ich meine natürlich das NASCAR-Kolosseum von Bristol mit seinen über 160.000 Tribünenplätzen rund um eine nur 800 Meter lange Fahrbahn mit bis zu 34 Grad steilen Kurven. Viele Jahre lang gab es keinerlei Chancen, für das Saturday-Night-Race im August Karten zu bekommen. Das hat sich nun geändert, die US-Wirtschaftskrise macht es möglich. Die Atmosphäre von Bristol ist ganz einfach sensationell und absolut unvergleichlich. Mit einem Camper, der übrigens dringend nötig ist, weil im Umkreis von 50 Meilen alle Hotels ausgebucht sind, beträgt die Fahrzeit ab Charlotte knapp vier Stunden.

Doch nun steht erst einmal das Daytona 500 vor der Tür. Bitte fragt mich nicht nach einem Siegertipp, das macht überhaupt keinen Sinn. Ich persönlich würde mich sehr darüber freuen, wenn Dale Earnhardt Jr. einen raushauen würde, denn dann würde die Saison 2011 einen ganz anderen Groove bekommen. Ein Earnhardt kann plötzlich wieder gewinnen! Das würde in ganz USA für jede Menge Aufmerksamkeit sorgen. Ich freue mich also auf eine tolle NASCAR-Saison 2011 und verabschiede mich natürlich standesgemäß mit den Worten: "Gentlemen, start your engines!"

Euer


Pete Fink

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