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  • 14.10.2008 · 17:21

  • von Pete Fink

Analyse: Warum sind Penske und Ganassi nur Mittelmaß?

So dominant Penske und Ganassi in den anderen Serien sind, in denen sie antreten, so durchschnittlich sind deren Ergebnisse in der NASCAR - warum?

(Motorsport-Total.com) - Ein Blick auf den diesjährigen NASCAR-Chase liefert ein eindeutiges Bild: Hendrick-Chevrolet, Roush-Ford, Gibbs-Toyota und Childress-Chevrolet - jede dieser vier Mannschaften brachte jeweils drei Fahrzeuge in die Playoffs. Der Rest des Feldes hatte das Nachsehen.

Penske NASCAR

Bild mit Symbolcharakter: Die Stimmung im Penske-Team ist nicht besonders gut Zoom

Völlig außen vor blieb dabei die gesamte Dodge-Fraktion, deren stärkstes Mitglied Kasey Kahne und das Evernham-Team war. Von Penske und Ganassi hingegen war zu keinem Zeitpunkt die Rede, dort tummelte man sich weitestgehend im Kampf um Position 20.#w1#

Sicher: Ryan Newman gewann für Roger Penske im Februar das Daytona 500, also das "Great American Race", aber kurz vor Toresschluss der Saison 2008 darf dies getrost als Zufallstreffer gewertet werden. Auch Ex-Champion Kurt Busch holte sich in Loudon einen Saisonerfolg - es war ein Abbruchsieg wegen Regens.

Die Probleme bei Ganassi sind hinreichend bekannt: Kein Geld für das dritte Auto von Dario Franchitti, Juan Pablo Montoya erlebte in zwei Monaten drei Crewchiefs und zu allem Überfluss verkündete Hauptsponsor Texaco/Halvoline zu Saisonende seinen Absprung.

IndyCar Top - NASCAR Flop

Scott Dixon, Helio Castroneves

Ganassi gegen Penske: Scott Dixon schlug 2008 Helio Castroneves Zoom

Ein wahres Fiasko also, was bei den IndyCars 2008 jedoch ganz anders aussieht. Scott Dixon gewann das Indy 500 und den Titel. Helio Castroneves entpuppte sich als dessen härtester Verfolger und auch Teamkollege Ryan Briscoe konnte in seiner ersten Penske-Saison bereits zwei Rennen gewinnen.

So schlecht Penske und Ganassi in der NASCAR abschnitten, so dominant waren die beiden Teams bei den IndyCars. Ein Blick in die NASCAR-Historie verrät, dass eine solche Situation beinahe Tradition hat, denn weder Penske noch Ganassi holten sich bisher einen NASCAR-Titel.

Moment, mag da der eine oder andere Insider einwerfen. Immerhin hat Rusty Wallace 1989 die Meisterschaft geholt, aber damals fuhr Wallace einen Pontiac von Raymond Beadle. Zu Penske wechselte er erst 1991 und in Sachen Meisterschaft standen ihm seitdem zumeist die Herren Childress, Hendrick, Gibbs oder Roush im Weg.

Genauer gesagt gab es seit der Wallace-Meisterschaft 1989 nur zwei Jahre, in denen nicht ein Auto der vier großen NASCAR-Teams den Titel holte: 1992 Alan Kulwicki in seinem eigenen Ford Thunderbird und 1999 Dale Jarrett in einem Yates-Ford.

Nur ganz wenige Erfolge

Juan Pablo Montoya

Juan Pablo Montoya beendete im Juni 2007 eine lange Ganassi-Durststrecke Zoom

Abgesehen von Wallace war es Ryan Newman, der in seiner zweiten Cup-Saison im Jahr 2003 dem Titel wohl am Nächsten kam, als der "Rocket-Man" acht Einzelsiege feiern konnte - in Summe gegen die Konstanz von Matt Kenseth (Roush) jedoch keine Chance hatte. Newman landete am Ende auf Platz sechs.

Einen solchen Ausreißer erlebte auch das Ganassi-Team, als Sterling Marlin in der Saison 2002 lange Zeit das Gesamtklassement anführte, zu Saisonende mit angebrochenem Genick jedoch passen musste. Damals sprang Jamie McMurray in den Marlin-Dodge und gewann in Charlotte prompt sein zweites Cup-Rennen. Das war im Oktober 2002 und erst Juan-Pablo Montoya durchbrach in Sonoma 2007 diese sieglose NASCAR-Zeit für Ganassi.

Ganassis Faible für ehemalige Formelpiloten ist bekannt: Robby Gordon, Casey Mears, Dario Franchitti oder Montoya wurden genauso engagiert wie auf der anderen Seite NASCAR-Haudegen wie Joe Nemechek oder besagter Sterling Marlin. Die Mischung machte es scheinbar eben nicht.

Während bei Ganassi traditionell die Fahrer regelmäßig getauscht wurden, setzte Penske ebenso traditionell auf Konstanz. Von einigen Ausnahmen abgesehen waren es mit Rusty Wallace, Jeremy Mayfield, Ryan Newman und Kurt Busch nur vier Fahrer, die den Löwenanteil der NASCAR-Aktivitäten Penskes in den vergangenen 15 Jahren bewältigten.

100 Prozent Fokus auf die NASCAR

Roger Penske

Roger Penske hat Autos in der NASCAR, bei den IndyCars und in der ALMS Zoom

Wo liegt nun der Unterschied zwischen Penske und Ganassi auf der einen Seite, und andererseits Childress, Hendrick, Gibbs oder Roush? Natürlich ist Ganassi eines der ersten Dodge-Teams seit deren NASCAR-Wiedereinstieg 2001 - Penske wechselte erst zwei Jahre später von Ford zu Dodge. Fakt ist zudem, dass der letzte Dodge-Gesamterfolg aus dem Jahr 1975 stammt. Damals lautete der NASCAR-Champion Richard Petty auf einem Dodge Charger.

Aber keines der großen vier NASCAR-Teams war jemals im Formelsport aktiv und wenn man sich vor Augen führt, dass Penske zusätzlich in der ALMS erfolgreich ist - dort gewann man 2007 und 2008 mit Porsche den LMP2-Titel - und Ganassi in der GrandAm-Serie eines der Top-Teams darstellt, dann kommt mehr Licht ins Dunkel.

Penske-Präsident Tim Cindric erklärte am Rande des IndyCar-Rennens von Detroit zum Beispiel gegenüber 'Motorsport-Total.com', dass er unter der Woche "zu 80 Prozent mit NASCAR-Angelegenheiten" beschäftigt sei. Er und Roger Penske sitzen bei jedem ALMS- und bei jedem IndyCar-Rennen höchstpersönlich am Kommandostand und arbeiten die Strategien der eigenen Autos aus.

Nicht so bei Gibbs, Hendrick, Childress oder Roush. Dort dreht sich das komplette Tagesgeschäft nur um eine einzige Frage: Wie gewinnen wir das nächste Sprint-Cup-Rennen? Das Preisgeld und der Ruhm sind da nur zwei Antriebsfedern, denn darüber hinaus ist es wohl eine völlig anders geartete Hingabe zum StockCar-Sport.

Von Kosten und Synergien

Juan Pablo Montoya Chip Ganassi

Juan Pablo Montoya und Chip Ganassi pflegen eine echte Männerfreundschaft Zoom

Natürlich argumentiert man bei Penske und Ganassi damit, dass man durch das Engagement in drei Top-Ligen Kosten spare und gleichzeitig viele Synergien erarbeite. Doch offenbar hat dieser eher technische Ansatz keine Chance gegen die Leidenschaft - zumindest was die Sparte StockCars betrifft.

Zumindest im Fall Penske mangelt es zudem nicht an den notwendigen Budgets. Würde man die Situation als Zyniker betrachten, dann könnte man zu der Auffassung kommen, dass bei Penske und Ganassi im Bereich NASCAR die Sponsorengelder eingesammelt werden, die dann bei den IndyCars ausgegeben werden.

Ryan Newman hat aus dieser Situation seine eigenen Schlüsse gezogen und wechselt zur Saison 2009 in das neue Team von Tony Stewart. Der Newman-Ersatzmann bei Penske lautet David Stremme - übrigens ein ehemaliger Ganassi-Pilot.

Fahrer wie Ex-Champion Kurt Busch oder auch Juan Pablo Montoya genießen in NASCAR-Kreisen höchsten Respekt. Speziell um den Kolumbianer rankten sich im Verlauf der aktuellen Saison bereits einige Abwanderungsgerüchte in Richtung Gibbs. Es dürfte alleine an der Männerfreundschaft Montoya/Ganassi gelegen haben, dass diese Paarung noch Tatsache ist. Denn wer Montoya kennt, der weiß, dass er nicht auf immer und ewig um Platz 20 kämpfen will.

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