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Abschied von "Waldi": Nachruf auf Ralf Waldmann

Motorsport-Total.com-Redakteur Toni Börner erinnert sich an Motorrad-Held Ralf Waldmann, der im Alter von nur 51 Jahren plötzlich verstorben ist

(Motorsport-Total.com) - Ralf Waldmann hat die deutsche Motorrad-Rennsport-Landschaft geprägt, zu hunderttausenden zog er Fans an die Rennstrecken. Legendär seine Fights gegen Max Biaggi in der Klasse bis 250 Kubikzentimeter. Neben Toni Mang wahrscheinlich der bekannteste und berühmteste deutsche Motorradrennfahrer der "Neuzeit".

Ralf Waldmann

Ralf Waldmann wird schmerzlich vermisst Zoom

"Waldi" war einer meiner ersten Helden im Motorradrennsport. "Für ihn" verdiente ich mir als Sechsjähriger auf dem Zeltplatz in Brünn mein erstes Taschengeld, indem ich am Imbiss "gestohlene" Flyer an Zelte verteilte. Damals saß die "neue D-Mark" noch locker und es gab hier mal 'ne Mark und da mal 'nen Groschen oder sogar mal 'ne Fünf-Mark.

Den letzten Flyer "verkaufte" ich für eine saure Gurke, da die Jungs in dieser Zeltrunde ziemlich abgebrannt waren und ihr Erspartes bereits in Starobrno investiert hatten. Am Sonntagmorgen kaufte ich mir von dem Geld eine Deutschland-Flagge, mein Vater ging noch einmal ins Fahrerlager, um sie unterschreiben zu lassen und anschließend jubelte ich Waldi "im G" auf der Tribüne zu.

Waldmanns Nachbar - "Der Bubenzer" - wie er mit Spitznamen hieß, war übrigens Rasse-Geflügelzüchter. Wie mein Opa. So kam es, dass über eben jenen Weg ein in Jerez 1992 getragenes paar Rennstiefel signiert den Weg in meine Vitrine fanden. Waldmann war nicht nur mein Held, er war der Held meiner ganzen Familie.

Unvergessen auch, wie Waldmann vom kompletten Feld durchgereicht wurde - und dann doch noch gewann, weil er auf die richtigen Reifen gesetzt hatte. Unvergessen seine Fights mit Max Biaggi, unvergessen, wie er 20 Grands Prix gewann und leider immer, immer wieder am WM-Titel scheiterte. Er ist der erfolgreichste Fahrer mit den meisten GP-Siegen, der nie Weltmeister wurde. Aber "Waldi" ist definitiv der "ewige Weltmeister der Herzen", wenn man so einen Titel vergeben will.


Fotostrecke: Reaktionen auf den Tod von Ralf Waldmann

Waldmann zog sich nach seiner Karriere nie zurück. Er ist der Grund, warum Markus Reiterberger überhaupt Rennen fährt, förderte ihn schon zu Zeiten, als "Reiti" noch im Red Bull Rookies Cup fuhr und ging mit dem Obinger dann auch in den "ersten Versuch" im FIM Superstock 1000 Cup.

"Waldi" tauchte immer wieder in den unterschiedlichsten Positionen und Funktionen an Rennstrecken auf, konnte sich von diesem Virus nie wirklich lösen. Mal versuchte er sich im Porsche-Carrera-Cup, mal half er dem Team Freudenberg bei der Jugendförderung, mal schwang er sich in den unterschiedlichsten Renn- und Cup-Klassen noch einmal in den Sattel.

Waldmann liebte "den Osten" und wusste, dass er dort zahlreiche Fans hatte. Deswegen engagierte er sich eben zum einen auch beim Freudenberg-Team aus Bischofswerda, zum anderen aber auch für den Erhalt der MZ-Werke in Zschopau.

Ralf Waldmann war nicht nur auf der Strecke eine Legende, sondern auch abseits von ihr. Er hatte immer eine Geschichte auf Lager und vor allem verpackte er diese nie in irgendwelche Blümchensprachen - er sagte, was er dachte und fühlte. Er brachte es eben auch fertig, die heutigen Stars der MotoGP zu degradieren, als es in Katar im vorigen Jahr regnete und keiner fahren wollte. "Waldi" sagte damals: "Bei den 24 Stunden von Le Mans fahren die auch nachts bei 0 Grad und Regen, das sind richtige Rennfahrer!"

Über Ralf Waldmann, seine Erlebnisse und Geschichten kann man ganze Bücher füllen. Die Anteilnahme am Tod des Ennepetalers in den Sozialen Netzwerken reißt derweil nicht ab - Waldmann war überall bekannt und beliebt und fast jeder, der auch nur ansatzweise etwas mit diesem Motorrad-Rennsport-Umfeld zu tun hat, kann eine Geschichte von, über oder mit Waldi erzählen. Darum: Behalten wir uns diesen Star in Erinnerung, wie er immer war: Eine positiv-verrückte Frohnatur, für den sich das ganze Leben um Motorräder gedreht hat.

Ralf, wir vermissen Dich!

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