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Winglets, Ride-Height-System und Co.: Warum Überholen jetzt so schwierig ist

In der aktuellen MotoGP werden Überholmanöver immer seltener - Routinier Andrea Dovizioso erklärt aus Fahrersicht die Gründe dafür - Man müsste die Regeln ändern

(Motorsport-Total.com) - Beim Grand Prix von Spanien folgte Fabio Quartararo (Yamaha) Francesco Bagnaia (Ducati) die komplette Renndistanz und hatte keine Chance auf ein Überholmanöver. Dahinter steckte Aleix Espargaro (Aprilia) sehr lange hinter Jack Miller (Ducati) und Marc Marquez (Honda) fest. Erst als sich beide duellierten und Fehler passierten, fand Aleix Espargaro einen Weg vorbei.

Francesco Bagnaia, Fabio Quartararo

In Jerez konnte Fabio Quartararo keine Attacke auf Francesco Bagnaia starten Zoom

Und auch zuletzt in Le Mans waren Überholmanöver selten. An der Spitze konnte Enea Bastianini (Gresini-Ducati) Bagnaia im Duell um die Führung attackieren und auch überholen. Aber dahinter meinte Quartararo, der im Pulk fuhr, dass er das ganze Rennen niemanden überholen konnte.

Und auch Marc Marquez kämpfte in Frankreich mit stumpfen Waffen. Johann Zarco (Pramac-Ducati) ließ er sogar kampflos vorbei, um im Duell nicht zu viel Zeit zu verlieren. Aussagen, die man in der Vergangenheit oft von Formel-1-Fahrern gehört hat.

"Um heutzutage überholen zu können, muss man ein sehr aggressives Manöver starten", hält Marc Marquez fest. "Mit den Holeshot-Systemen, mit der Aerodynamik und all diesen Dingen sind Überholmanöver sehr schwierig geworden."

"Okay, mit diesen Systemen sind wir schneller. Aber die Zuschauer realisieren nicht, ob wir eine halbe Sekunde schneller oder langsamer sind. Die Fans wollen Überholmanöver sehen. Wenn der Vordermann keinen Fehler macht, dann sind Überholmanöver praktisch unmöglich."

Johann Zarco, Marc Marquez

Marc Marquez spricht von aggressiven Manövern, um überholen zu können Zoom

Deswegen ist das Qualifying extrem wichtig geworden. In der Startphase wird in der Regel in den ersten Kurven wild gekämpft - oft inklusive Berührungen - damit man in eine gute Position kommt, denn danach entwickelt sich ein statisches Rennen.

Vorderreifen nicht der einzige Faktor

Ein Umstand ist, dass im Pulk der Druck und die Temperatur im Vorderreifen steigt. Das war einer der Gründe, warum Quartararo in Jerez keine Attacke auf Bagnaia reiten konnte. Sollte deshalb Michelin am Vorderreifen arbeiten, um sich dieser Problematik zu widmen?

"Das hilft im Zweikampf nicht, aber das ist schon lange die Charakteristik von Michelin", findet Andrea Dovizioso. Der Italiener fährt seit 2008 in der MotoGP und kann am besten einschätzen, warum Überholmanöver jetzt schwieriger sind als in der Vergangenheit.

Andrea Dovizioso

Routinier Andrea Dovizioso nennt die technische Entwicklung als Hauptgrund Zoom

"Warum wir so wenige Überholmanöver sehen, liegt meiner Meinung nach an der Entwicklung der Motorräder", hat er eine klare Meinung. "Die Ride-Height-Systeme, die Elektronik und all diese Dinge machen Überholmanöver schwierig."

"Es ist aber sehr einfach zu verstehen. Wenn man bremst, dann blockiert bei mehr oder weniger jedem Fahrer das Vorderrad. Wenn man schon am Limit ist, dann ist es unmöglich, zwei Meter später zu bremsen."

Aerodynamik spielt auch eine negative Rolle

"Wenn man im Windschatten fährt, dann muss man sogar etwas früher bremsen, weil die Winglets nicht den Anpressdruck bieten. Das bedeutet, dass man nicht dort bremsen kann, wo man bremst, wenn man alleine fährt. Man muss früher bremsen. Das bedeutet, dass Überholen sehr schwierig ist."

Ducati Winglets

Die Winglets haben im Windschatten auch eine Auswirkung Zoom

"Kommt man besser aus der Kurve heraus und ist schon auf der Geraden daneben, dann kann man jemanden ausbremsen", schildert Dovizioso die Problematik aus Fahrersicht. Seiner Meinung nach sind manche Motorräder mehr, manche weniger betroffen.

Dazu kommt noch: "Die Reifen sind jetzt viel konstanter. Man kann im Rennen den gleichen Speed von Anfang bis zum Ende fahren. Das sorgt nicht für Überholmanöver. Das liegt an der neuen Karkasse [des Hinterreifens]."

"Außerdem ist die Elektronik besser geworden und man hat mehr Anpressdruck. Das alles hilft dem Fahrer, sehr präzise zu fahren. Und das ist der Grund, warum der Abstand vom Ersten bis zum Letzten so gering ist, weil es viel schwieriger geworden ist, Fehler zu machen."

All diese Faktoren spielen eine Rolle, warum Überholmanöver riskant und immer seltener geworden sind. "Die Evolution der Technik ist eben so", findet Dovizioso. "Wenn man etwas ändern will, dann muss man die Regeln ändern. Motorsport war schon immer so."

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