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Wer letzte Nacht am schlechtesten geschlafen hat: Pol Espargaro

Pol Espargaro setzt sich zu stark unter Druck und macht Fehler: Bei seinem finalen Missgeschick reißt er ausgerechnet Markenkollege Miguel Oliveira ins Verderben

Pol Espargaro

Pol Espargaro konnte sein Potenzial nicht in ein gutes Ergebnis umwandeln Zoom

Liebe Motorradfreunde,

nach dem gestrigen Renntag musste sicher nicht nur ich erst einmal kräftig durchatmen und wertschätzen, wie viel Glück die Beteiligten an diesem Sonntag hatten. Bereits im Moto2-Rennen war es alles andere als selbstverständlich, dass die Unfallopfer mit einem blauen Auge davonkamen. Später beim MotoGP-Rennen wurden die Schutzengel auf ihre wohl härteste Probe der letzten Jahre gestellt.

Aber die Beinahe-Katastrophe beim Grand Prix von Österreich soll an dieser Stelle nicht das Thema sein. Stattdessen geht es um denjenigen, der letzte Nacht im übertriebenen Sinne schlecht geschlafen hat. Meine Wahl fällt auf KTM-Werkspilot Pol Espargaro.

Mit der Wut von Tschechien nach Österreich

Das gesamte Wochenende über mischte der Mann aus Granollers an der Spitze mit. Die Wut und Enttäuschung von Brünn hatte er mit zum KTM-Heimspiel gebracht. Beim Trainingsauftakt am Freitag wirkte der sonst so lockere Spanier sehr ernst.

Pol Espargaro

Pol Espargaro wirkte beim Auftakt in Österreich ernster als sonst Zoom

Doch diese Wut wirkte sich offensichtlich positiv auf Espargaros Leistungen aus. Sowohl auf eine Runde als auch bei den Longruns war Pol Espargaro mit seiner KTM RC16 vorne zu finden. Klar, dass die Erwartungen vor dem Rennen hoch waren. Und somit der Druck auf Espargaro.

Warum sich Pol Espargaro so sehr über den Abbruch ärgerte

Vor dem Abbruch führte er das Rennen an und schimpfte wie verrückt, als nach der Zarco/Morbidelli-Kollision die roten Flaggen geschwenkt wurden, während seine restlichen Kollegen auf Grund der verstörenden Szenen in Kurve 3 teilweise sehr benommen wirkten.

Pol Espargaro

Beim Neustart musste Pol Espargaro mit einem weichen Hinterreifen fahren Zoom

Nach dem Rennen wurde klar, warum sich die Nummer 44 so stark ärgerte. Pol Espargaro hatte keinen neuen Medium-Hinterreifen mehr übrig und musste beim Neustart mit einem weichen Reifen fahren. Damit war bereits vor dem zweiten Start klar, dass der Sieg futsch ist.

Reihenweise Fahrfehler nach dem Neustart

Anstatt sichere Punkte einzufahren, reagierte Pol Espargaro hitzig und machte reihenweise Fehler. Er kam von der Linie ab, verbremste sich und verlor dadurch Positionen. Schlussendlich sollte ein Fahrfehler in Kurve 4 zum Ausfall führen, denn wie bereits in Brünn kehrte der Spanier nach einem Verbremser ohne zu gucken wieder auf die Ideallinie zurück, auf der sich unglücklicherweise KTM-Markenkollege Miguel Oliveira befand.


Fotos: MotoGP in Spielberg 1


Die beiden bestplatzierten KTMs waren damit aus dem Rennen. Pol Espargaro bezeichnete den Zwischenfall als Rennunfall, doch das sehe ich anders. Wenn man so deutlich die Ideallinie verlässt, wie es hier der Fall war, dann muss man sich auch vergewissern, dass sich kein anderer Fahrer auf dieser Linie befindet, wenn man auf diese zurückkehrt.

Pol Espargaro sollte seine Fahrweise überdenken

Bereits in Brünn kam es zu einem ähnlichen Vorfall, als Pol Espargaro mit Johann Zarco aneinandergeriet. Obwohl Zarco derjenige war, der offiziell als Schuldiger dastand, äußerten sich auch einige Experten kritisch zu Espargaros Fahrweise. Lehren hat er daraus wohl nicht gezogen.

Miguel Oliveira, Pol Espargaro

KTM-Crash: Miguel Oliveira ärgerte sich über Pol Espargaros Fahrweise Zoom

Ich erkenne einige Parallelen, wie es zu Espargaros Fahrfehlern kam. Bereits vor einer Woche in Tschechien geriet Espargaro immer stärker unter Druck. Beim Rennen in Brünn hatte Espargaro erkannt, dass Teamkollege Brad Binder beim Kampf um den Sieg eine ernste Gefahr ist. Unter Druck machte er Fehler. Und auch dieses Mal fehlte ihm die Gelassenheit, zu akzeptieren, dass mit dem weichen Reifen kein Spitzenergebnis möglich ist.

Es scheint, als ob der 29-jährige Spanier in brenzligen Situationen zu schnell die Kontrolle verliert. Ganz anders als Spielberg-Sieger Andrea Dovizioso, der in jeder Phase des Rennens Herr der Lage war. So gewinnt man Rennen und Meisterschaften.

MotoGP-Rookie Brad Binder zeigt, wie es geht

Meiner Meinung nach hatte Pol Espargaro großes Glück, dass sein Manöver am Sonntagabend auf Grund der Diskussionen um Johann Zarco unterging. Doch KTM-intern musste sich der Spanier sicher einiges anhören. Zurecht, wie ich finde.

Wie es besser geht zeigte erneut Brad Binder. In seinem erst vierten Rennen drehte der Südafrikaner wirklich schlechte Voraussetzungen in einen vierten Platz und 13 wichtige Punkte um. In der Fahrerwertung liegt Binder jetzt auf Position vier, während Pol Espargaro nur auf Position 13 auftaucht.

Brad Binder

Bester KTM-Pilot: Brad Binder ist nach vier Rennen WM-Vierter Zoom

Was den Druck auf den Spanier weiter erhöht. Am kommenden Wochenende erhält die jahrelange KTM-Speerspitze eine neue Chance, um in Spielberg ein Spitzenergebnis zu erzielen. Verdient hätte er es als Lohn für die vielen Jahre harte Entwicklungsarbeit. Mit einem kühlen Kopf sollte das aber besser klappen.

Sportliche Grüße,

Sebastian Fränzschky

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P.S.: Auf unserer Schwesterseite Motorsport.com schreibt mein Kollege Gerald Dirnbeck über den Fahrer, der nach dem Spielberg-Rennen am besten geschlafen hat. Heute dreht sich alles um Andrea Dovizioso. Hier geht es zur Kolumne.

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