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Wer letzte Nacht am schlechtesten geschlafen hat: Freddie Spencer

Die Kritik an der Strafauslegung der Rennkommissare wird wieder lauter - Vielleicht braucht es einen jüngeren Kommissar als Ex-Weltmeister Freddie Spencer

Titel-Bild zur News: Freddie Spencer

Freddie Spencer (re.) ist seit 2019 Vorsitzender der Rennkommissare Zoom

Liebe MotoGP-Fans,

die zahlreichen enthusiastischen Fans in Jerez haben viel Action geboten bekommen. Zwei Rennen, zwei Startunfälle, zwei rote Flaggen und insgesamt vier Rennstarts. Zum Glück ist alles relativ glimpflich ausgegangen.

Miguel Oliveira ist bisher der Pechvogel der Saison. Abgeräumt von Marc Marquez in Portimao und nun die nächste blöde Situation. Eine ausgekugelte Schulter ist sehr schmerzhaft. Man kann ihm nur alles Gute wünschen, damit er in Le Mans wieder fahren kann und dann mehr Glück hat.

Nach dem Startunfall im Sprint wurden die Fahrer gefragt, ob es ein normaler Rennunfall war, oder am intensiven Sprintformat lag. Der Großteil der Fahrer schob es auf den Sprint. Interessanterweise sahen die meisten Fahrer den Unfall im Grand Prix als normalen Rennunfall an.

Für die Rennkommissare Freddie Spencer, Andres Somolinos und Tamara Matko war die Sache klar. Mit Franco Morbidelli (Sprint) und Fabio Quartararo (Grand Prix) fanden sie einen Schuldigen und verhängten jeweils eine Long-Lap-Strafe.

Kann man so sehen, muss man aber nicht so sehen. Yamaha legte gegen die Morbidelli-Strafe einen Einspruch ein, der abgewiesen wurde. Die Strafe gegen Quartararo konnte dagegen nicht angefochten werden.


Fotostrecke: Der Startcrash im Sprintrennen von Jerez Bild für Bild

Obwohl sie während der Unterbrechung ausgesprochen wurde, kam sie "als das Rennen lief". Deswegen sind in so einem Fall keine Einsprüche möglich. Yamaha war mit beiden Strafen nicht einverstanden.

Vergabe von Strafen "eine Lotterie"

Die Kritik an den Rennkommissaren wurde in Jerez wieder lauter. Alex Marquez bezeichnete ihre Entscheidungen "als Lotterie". Es ist schon lange fragwürdig, wie die Rennkommissare zu ihren Urteilen kommen.

Meiner Ansicht nach kann man für die beiden Startunfälle eine Strafe aussprechen, man kann sie aber auch als normale Rennunfälle betrachten, wie sie in der hektischen Startphase einfach passieren können.

Aber die Strafe gegen Francesco Bagnaia war im Rennen für mich nicht nachvollziehbar. Jack Miller ist in der Pedrosa-Kurve etwas zu weit nach außen gekommen. Bagnaia nutzte die Lücke und es kam zu einer leichten, harmlosen Berührung.

Fabio Quartararo

Unschöne Szenen im Kiesbett beim Start des Grand Prix Zoom

Und dafür gibt es eine Strafe? Bagnaia musste die Position wieder abgeben. Kurz darauf bremste sich Miller in der Lorenzo-Kurve an Jorge Martin vorbei. Martin musste im letzten Moment aufmachen, um eine Kollision zu verhindern. Er fiel auch noch hinter Aleix Espargaro zurück.

Dafür gab es keine Strafe, obwohl Millers Manöver deutlich aggressiver war als jenes von Bagnaia. Es hat den Anschein, dass die Rennkommissäre immer nur dann eine Strafe aussprechen, wenn es eine Berührung gibt.

Wobei auch diese Auslegung seltsam ist. Erinnern wir uns an den Sprint in Portimao. Luca Marini versuchte in einer Linkskurve Enea Bastianini zu überholen. Marini stürzte und sein Motorrad räumte dann Bastianini ab, der sich eine Fraktur in der Schulter zuzog.

Dafür gab es keine Strafe, weil Marini nicht direkt persönlich Bastianini berührt hat. Zumindest ist das unsere Interpretation, denn die Rennkommissare geben keine Erklärungen ab, wie sie Situationen einschätzen.

Bräuchte es einen jüngeren Rennkommissar?

Freddie Spencer ist seit 2019 der Vorsitzende der Rennkommissare. Seither hat der zweimalige 500er-Weltmeister kein einziges Mal mit Medienvertretern gesprochen. Es gab bisher auch keine Gesprächsrunden mit den Fahrern.

Nicht erst seit der schwammig formulierten Strafe gegen Marc Marquez ist die Kritik an den Rennkommissaren groß. In Jerez wurde sie wieder lauter. Nun wurde angekündigt, dass sich Spencer und Co. in Le Mans mit den Fahrern unterhalten werden.

Ich bin gespannt, was da herauskommen wird. Die Arbeit der Rennkommissare ist sicherlich nicht einfach, denn jede Rennsituation ist anders. Es braucht viel Erfahrung und Gespür, um Situationen bewerten zu können.

Freddie Spencer

Freddie Spencer wurde 1983 und 1985 500er-Weltmeister Zoom

Wir haben es von außen natürlich oft leicht, Kritik anzumelden. Trotzdem finde ich, dass es gut ist, wenn sich die Rennkommissare mit den Fahrern und den Teams zusammensetzen und einen geeigneten Strafenkatalog erarbeiten.

Denn die Fahrer sind nicht kategorisch gegen Strafen. Sie fordern nur konstante Entscheidungen, damit auf der Strecke auch ganz klar geregelt ist, was erlaubt ist und was nicht. Denn die Bagnaia-Strafe war wirklich lächerlich.

Spencer war ein toller Rennfahrer und großer Champion, keine Frage! Aber vielleicht bräuchte es einen jüngeren Rennkommissar, der die aktuellen MotoGP-Maschinen gefahren ist. Ein Andrea Dovizioso oder ein Bradley Smith würden mir da einfallen, die beide sehr überlegte Personen sind.

Ihr,


Gerald Dirnbeck

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