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Wer letzte Nacht am besten geschlafen hat

Nicht Rins oder Rossi haben nach dem MotoGP-Rennen in Austin am besten geschlafen, sondern Jack Miller, denn er will den Platz im Ducati-Werksteam haben

Jack Miller

Zum ersten Mal nach seinem Sieg in Assen 2016 fuhr Jack Miller auf das Podest Zoom

Liebe MotoGP-Fans,

der Jubel war nach dem Grand Prix der USA bei allen drei Fahrern auf dem Podest riesengroß. Alex Rins hat die große Chance nach dem Marquez-Crash ergriffen und den großen Valentino Rossi - sein Idol der Kindheit! - kaltschnäuzig angegriffen und sauber überholt. Der erste MotoGP-Sieg ist in jeder Karriere ein großer Meilenstein. Aber auch Rossi freute sich trotz der knappen Niederlage, denn im Vorjahr hatte er nur einen einzigen zweiten Platz. Jetzt sind es nach drei Rennen schon deren zwei!

Im Schatten des großen Duells um den Sieg raste Jack Miller als Dritter auf das Podium. Auch wenn er einen australischen Pass besitzt und den Großteil des Jahres in Europa verbringt, könnte er glatt als Texaner durchgehen (der Cowboy-Hut stand ihm gut!). Mit seinem herzerfrischenden Charakter haben ihn viele US-Fans in ihre Herzen geschlossen. "Jackass" kommt dem Klischee eines Rennfahrers aus den Südstaaten, der sich nicht um viel schert, sondern auf der Strecke die passenden Antworten gibt und "Big Balls" hat, ziemlich nahe.

Für Jack Miller geht es um die Zukunft

Deswegen wähle ich heute Miller für unsere Montagskolumne, denn er hat ganz sicher (nach einer Partynacht?) sehr gut geschlafen. Ja, Sie lesen richtig! In dieser Kolumne dreht sich ab sofort alles darum, wer die beste Nacht nach einem Rennen gehabt hat. Jahrelang haben wir an dieser Stelle darüber geschrieben, wer am schlechtesten geschlafen hat. Keine Sorge, diese Kolumne gibt es immer noch. Sie ist auf unser Schwesterportal Motorsport.com umgezogen.

Jack Miller, Alex Rins

Zu Rennbeginn war Miller sogar vor dem späteren Sieger Alex Rins Zoom

Warum wähle ich Miller und nicht Rins oder Rossi für diese Kolumne? Rins und Suzuki werden uns in Zukunft noch viel Freude bereiten. Ich bin mir sicher, dass dieser Sieg erst der Anfang von einer großen Erfolgsgeschichte ist. Und Rossi? Rennen wie gestern bereiten dem 40-Jährigen Spaß. Deshalb tut er sich den ganzen MotoGP-Stress mit den vielen Reisen, den Trainings und den lästigen Fragen der Journalisten überhaupt noch an.

Während Rins und Rossi fest im Sattel sitzen, geht es für Miller um die Zukunft. Der 24-Jährige ist zwar schon sein fünftes Jahr in der Königsklasse, aber zum ersten Mal überhaupt hat er wirklich konkurrenzfähiges Material zur Verfügung. Als Honda ihn 2015 direkt von der Moto3 in die MotoGP geholt hat, war der Aufschrei groß. Man setzte Miller damals auf die technisch unterlegene Open-Honda, damit er lernen kann. 2016 und 2017 hatte er dann Vorjahresmotorräder im Marc-VDS-Team zur Verfügung.

Sternstunden waren trotzdem möglich. Sein sensationeller Sieg im verregneten Assen 2016 ist unvergessen. Aber das war bei speziellen Verhältnissen nur ein einmaliger "Ausrutscher" nach oben. Sein dritter Platz gestern in Austin war Millers bestes Ergebnis seit damals. Da seine Leistungen sehr schwankend waren, verlängerte Honda nach drei Jahren den Vertrag nicht. Dafür gab ihm Pramac eine Chance. 2018 fuhr Miller im Kundenteam allerdings eine Ducati Desmosedici von 2017. Potenzial hat er aufblitzen lassen, aber so richtig überzeugend war seine Saison nicht.

Miller ist mit der GP19 besser unterwegs als Petrucci

Nun sitzt Miller zum ersten Mal auf einem aktuellen Motorrad. Und die Ducati GP19 ist neben der Honda RC213V vermutlich das beste Bike im Feld. Andrea Dovizioso ist die klare Speerspitze der italienischen Marke, doch wer wird 2020 dessen Teamkollege sein? Danilo Petrucci hat nur einen Einjahresvertrag und muss beweisen, dass er sich diesen Platz auch länger verdient. Ducati erwartet zwar nicht, dass "Petrux" um den WM-Titel kämpft, aber ein Rennen sollte er in diesem Jahr schon gewinnen.

Danilo Petrucci

Wird Danilo Petrucci seinen Platz im Werksteam 2020 an Miller verlieren? Zoom

Überzeugt Petrucci nicht, dann wird sich Ducati eine Alternative überlegen. Schon im Winter wurde darüber diskutiert, ob man nicht lieber Alvaro Bautista verpflichten hätte sollen. Angesichts seiner Siegesserie in der Superbike-WM ist der Spanier momentan relativ glücklich, dort wo er ist. Dafür bringt sich Miller immer mehr in eine Position, Petrucci im nächsten Jahr im Werksteam zu beerben. Leistungen wie gestern in Austin untermauern diese Tendenz natürlich. Petrucci wird sich auch in den kommenden Monaten dem Vergleich mit Miller stellen müssen.

In der WM hat Petrucci nach drei Rennen einen Punkt mehr auf dem Konto als Miller. Doch die Frage ist, ob der Italiener nach drei sechsten Plätzen noch Steigerungspotenzial hat, um wirklich regelmäßig um Podestplätze kämpfen zu können. Miller kam nun in Argentinien und in Austin vor Petrucci ins Ziel. Außerdem ist Millers Qualifying-Bilanz mit den Startpositionen vier, fünf und vier besser als jene von Petrucci (sieben, zehn, acht). Das Pendel schlägt momentan eindeutig in Richtung des Australiers.

"Mein Ziel ist es, einen Platz in einem Werksteam zu bekommen", sagt Miller klipp und klar. "Am liebsten wäre mir das bei Ducati." Chancen dafür gibt es. Dafür muss er seine Leistungen konstant halten. Das war in den vergangenen Jahren oft ein Problem für Miller. Im Sommer hatte er schon oft ein Tief, schlechte Ergebnisse, Stürze und Verletzungen. Kann Miller das diesmal verhindern, dann könnte er 2020 im Ducati-Werksteam in die Fußstapfen seiner Landsleute Troy Bayliss und Casey Stoner treten.

Ihr,


Gerald Dirnbeck

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