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MotoGP-Kolumne: Warum es richtig war, die Rennen in Mugello zu starten

Der tragische Unfall von Jason Dupasquier hat verdeutlicht, wie gefährlich Motorradrennen sind - Verkettung unglücklicher Umstände

Francesco Bagnaia

Nach einer Trauerminute wurde das MotoGP-Rennen plangemäß gestartet Zoom

Liebe MotoGP-Fans,

das Mugello-Wochenende hat uns leider wieder vor Augen geführt, wie gefährlich und grausam der Sport ist, den wir alle so sehr lieben. Der Unfall im Moto3-Qualifying war schlichtweg Pech und eine Verkettung unglücklicher Umstände.

Die Sicherheit im Motorrad-Rennsport hat sich in den vergangenen Jahren deutlich weiterentwickelt. Gott sei Dank erleben wir solche Bilder nicht mehr so häufig wie noch vor wenigen Jahrzehnten. Wenn es passiert, ist es natürlich extrem tragisch.

Wir wissen alle, dass es am gefährlichsten ist, wenn ein gestürzter Fahrer von einem nachfolgenden Kollegen überfahren wird. Dieses Risiko ist kaum zu verhindern. Ich denke, dass auch jedem klar sein muss, dass es nicht eine Frage ist, ob so etwas wieder passieren wird, sondern wann.

Jason Dupasquier

Die Schweigeminute war ein sehr emotionaler Moment Zoom

Mit Jason Dupasquier hat es in Mugello ein 19-jähriges Talent erwischt. Aus sportlicher Sicht war er auf dem Aufstieg. Nachdem der Schweizer in seiner Debütsaison keinen WM-Punkt ergattert hat, mischte er in den ersten fünf Rennen in der Spitzengruppe mit.

Man kann seiner Familie, seinen Freunden und dem PrüstelGP-Team nur aufrichtiges Beileid aussprechen. Sie müssen mit den schwärzesten Stunden im Motorsport zurechtkommen. Die Schweigeminute vor dem MotoGP-Start war ein sehr, sehr emotionaler Moment.

Waren die gelben Flaggen gut zu erkennen?

Nach einem so tragischen Unfall stellen sich natürlich immer Fragen. Wie eingangs erwähnt ist so eine unglückliche Situation kaum zu verhindern. Die Schuldfrage stellt sich nicht. Die beteiligten Personen waren schlichtweg zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort. Schicksal.

Am Ausgang von Arrabbiata 2 gibt es eine leichte Senke. Es geht nicht stark bergab, aber doch so viel, dass der am Boden liegende Fahrer für nachkommende Fahrer praktisch nicht zu sehen war. Die ersten Fahrer kamen ohne Vorwarnung an diese Stelle.

Gelbe Flagge

(Symbolbild) Gelbe Flaggen waren erst sehr spät zu erkennen Zoom

In den Onboard-Aufnahmen ist mir dennoch eine Sache aufgefallen. Selbst rund eine halbe Minute nach dem Unfall gab es vor Arrabbiata 1 keine gelben Flaggen. Die erste doppelt geschwenkte gelbe Flagge, die zu erkennen war, wurde am Ausgang von Arrabbiata 2 geschwenkt.

Allerdings befand sich dieser Streckenposten nach der Kurve rechts auf der Innenseite. Anhand der Onboard-Videos ist das meiner Ansicht nach eine ungünstige Position, weil sie sich nicht in Blickrichtung des Fahrers befindet und unglücklicherweise auf Höhe des Unfalls war.

Aus meiner Position heraus kann ich das natürlich nicht beurteilen, aber ich könnte mir vorstellen, dass die Fahrer diese Flagge kaum gesehen oder zu spät wahrgenommen haben. Man muss bedenken, dass sich alle auf einer Qualifyingrunde befunden haben.

Auf der Außenseite der Kurve gab es keine Lichtpanele, die womöglich gut zu erkennen gewesen wären. Vielleicht kann man daraus lernen und in Zukunft sehr viele Lichtpanele rund um eine Strecke installieren. Das könnte generell gesehen Fahrer vor einer Unfallstelle besser vorwarnen.

Absagen oder nicht: Zwei Standpunkte

Aber kommen wir zur Eingangsfrage. War es richtig, das Rennprogramm fortzusetzen? Einige MotoGP-Fahrer haben das nach dem Grand Prix kritisiert, andere fanden es in Ordnung, dass man weitergefahren ist.

Red Bull Rookies-Cup

Am Samstag fand noch das erste Rennen des Red Bull Rookies-Cup statt Zoom

Meiner Meinung nach kann man darüber diskutieren, ob es unbedingt notwendig war, die Qualifyings am Samstag fortzusetzen. Man hätte auch die Trainingszeiten für die Startaufstellungen MotoGP und Moto2 heranziehen können.

Dann hätten sich die Fahrer und Teams am Nachmittag in Ruhe zusammensetzen und die Geschehnisse verarbeiten können. Einige Fahrer meinten, dass der Samstag emotional schwieriger war als der Sonntag.

Außerdem fand am Samstag das erste Rennen des Red Bull Rookies-Cup statt. Dort sind die Teilnehmer jünger als Dupasquier. Vermutlich haben alle zum ersten Mal solche Szenen hautnah miterlebt. Deswegen bin ich der Meinung, dass man dieses Rennen durchaus hätte absagen können.

Streckensicherheit war gegeben

Bereits am Samstag zeichnete sich ab, wie kritisch die Situation von Dupasquier war. Als am Ende des Moto3-Rennens die Nachricht von seinem Tod kam, war das natürlich ein Schock. Die ganz große Überraschung war es leider nicht.

Prinzipiell gesehen hatte der Unfall nichts mit der Streckensicherheit zu tun. Deswegen hat nichts dagegen gesprochen, dass die Rennleitung das Programm fortgesetzt hat. Letztendlich obliegt es jedem einzelnen Fahrer, ob er hinausfährt oder nicht.

Miguel Oliveira, Fabio Quartararo, Joan Mir

Auf dem Podium wurde die Schweizer Flagge für Dupasquier gezeigt Zoom

Jack Miller hat es so formuliert: "Niemandem wurde eine Waffe an den Kopf gehalten und wurde gezwungen zu fahren." Ryusei Yamanaka und Tom Lüthi haben auf die Rennen verzichtet. Der Rest ist gefahren. Jeder ist sich des Risikos bewusst, aber die Welt dreht sich weiter.

Am kommenden Wochenende findet bereits der nächste Grand Prix in Barcelona statt. Dort ist die Erinnerung an Luis Salom immer präsent. Drücken wir die Daumen, dass es ein Rennen ohne Zwischenfälle wird. Wir wissen aber alle, dass Motorsport gefährlich bleibt.

Ihr,


Gerald Dirnbeck

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