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MotoGP in Spielberg im Regen: Gibt es ein zweites Silverstone?

Die Wettervorhersage für das erste Österreich-Wochenende im MotoGP-Kalender 2020 ist schlecht - Einige Piloten sorgen sich, andere sind entspannt

(Motorsport-Total.com) - Bei Trockenheit ist der Red-Bull-Ring in Spielberg die schnellste Strecke im MotoGP-Kalender. Streckenrekordhalter Marc Marquez brachte es auf seiner Pole-Runde zum Grand Prix von Österreich 2019 auf eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 187,226 km/h. Damit führt Spielberg die Liste der schnellsten MotoGP-Strecken vor Buriram und Phillip Island an, die allerdings beide in diesem Jahr aufgrund von Corona ohnehin aus dem Kalender gestrichen wurden.

Regen am Red-Bull-Ring in Spielberg

Regen am Red-Bull-Ring in Spielberg: Für einige MotoGP-Piloten Grund zur Sorge Zoom

Auf dem Red-Bull-Ring gastiert die Motorrad-WM sowohl an diesem Wochenende (Grand Prix von Österreich) als auch am folgenden Wochenende (Grand Prix der Steiermark). Für das aktuelle Wochenende allerdings ist die Wettervorhersage alles andere als gut. Schon am Donnerstag regnete es in Spielberg in Strömen. Dies könnte sich Freitag, Samstag und Sonntag fortsetzen.

In Silverstone wurde in der Saison 2018 das MotoGP-Rennen komplett abgesagt. Damals war die Kombination aus starkem Regen und der Beschaffenheit des Asphalts der Grund. Was geht den MotoGP-Piloten durch den Kopf, wenn sie daran denken, den Red-Bull-Ring in Spielberg im nassen Zustand befahren zu müssen?

Rossi und Dovizioso hoffen auf Trockenheit

"Aufgrund der Höhenunterschiede kann das Wasser hier an einigen Stellen auf der Strecke stehenbleiben. Das kann dann ziemlich gefährlich werden", sagt Fabio Quartararo. "Die Rennleitung wird das sicherlich überprüfen und die für uns beste Entscheidung treffen", ist der aktuelle WM-Spitzenreiter überzeugt. Altmeister Valentino Rossi meint dazu: "Wir werden sehen, ob es sicher genug ist. Ich hoffe auf jeden Fall auf ein trockenes Rennen."

Valentino Rossi

Valentino Rossi (Foto: Buriram 2019) hofft, dass sich der Regen in Grenzen hält Zoom

Auf Trockenheit hofft neben Rossi auch Andrea Dovizioso. "Wir sind hier noch nie wirklich im Regen gefahren. Ich könne mir aber vorstellen, dass es schwierig wird", meint der Spielberg-Sieger der Jahre 2017 und 2019 und geht ins Detail: "Es gibt hier einige harte Bremszonen. Wenn da das Vorderrad blockiert, wird es gefährlich. Das gilt vor allem, wenn nach ein paar Trainings schon einiges an Gummi auf der Strecke liegt. Das ist dann im Regen ganz schlecht."

"Daher könnte es sein, dass es morgen okay ist, aber wir müssen abwarten. Ich hoffe jedenfalls auf Trockenheit", unterstreicht Dovizioso. Ducati-Markenkollege Johann Zarco aus dem Avintia-Team meint: "Wir können hier fahren, wenn es nass ist. Nur, wenn es richtig stark regnet, können wir das nicht. Sollte es vor einer Session, wie etwa einem Training, stark regnen, dann gehe ich davon aus, dass es eine Verzögerung gibt, bis der Regen nachgelassen hat."

Ausgerechnet Miller und Crutchlow äußern sich kritisch

Zwei, die sich ausgesprochen kritisch äußern, sind Jack Miller und Cal Crutchlow. Ausgerechnet diese beiden sind eigentlich als unerschrockene Piloten bekannt. Beim Gedanken an einen verregneten Red-Bull-Ring wird ihnen aber anders. "Diese Strecke ist an sich schon alles andere als die sicherste im Kalender. Wenn es dann auch noch nass ist, ist das alles andere als ideal", sagt Miller und vergleicht Spielberg mit Suzuka.

"Die Bremszone in Kurve 3 erinnert an die letzte Kurve in Suzuka und an das Problem, das es dort gab und das schließlich dazu führte, dass dort nicht mehr gefahren wird. Man bremst geradewegs auf eine Mauer zu. Wenn einem da das Vorderrad wegrutscht, geht es direkt in die Mauer", gibt Miller zu bedenken.

MotoGP-Bikes unter Regenplanen in Silverstone 2018

In Silverstone 2018 fand das MotoGP-Rennen überhaupt nicht statt Zoom

Crutchlow vergleicht das Fahren bei Nässe auf dem Red-Bull-Ring mit "Fahren auf Eis" und meint: "Wir alle sind ziemlich besorgt. Am Dienstagnachmittag hat es stundenlang geregnet. Danach stand das Wasser auf der Strecke bis zum Knöchel. So tief war es, weil es hier so viele Unebenheiten gibt."

"Ich bin jemand, der im Regen richtig gute Ergebnisse eingefahren hat", erinnert Crutchlow an nasse Qualifyings und Rennen auf anderen Strecken. Der Red-Bull-Ring aber ist ihm bei solchen Bedingungen nicht geheuer. "Ich halte diese Strecke bei Regen nicht für besonders sicher", unterstreicht der Brite.

Als seiner Meinung nach besonders bei Regen besonders kritisch bezeichnet Crutchlow in seiner Aufzählung "Kurve 1, Kurve 3, Kurve 4, Kurve 9 und die letzte Kurve". Die Anregung des LCR-Honda-Piloten für Red Bull als Besitzer der Rennstrecke in Spielberg lautet: "Sie sollten jede einzelne Mauer deutlich zurückversetzen. Es ist ja nicht so, dass es ihnen hier an Geld fehlen würde."

Bradl, Vinales und Rins sind entspannt

Andere sehen es nicht so kritisch wie Miller und Crutchlow. "Ich mache mir keine allzu großen Sorgen", sagt Stefan Bradl, der im Honda-Werksteam ein zweites Mal für den verletzten Marc Marquez einspringt. "Grundsätzlich glaube ich nicht, dass es eine Strecke ist, bei der wir hinsichtlich der Sicherheit allzu besorgt sein müssten. Es ist in jeglicher Hinsicht eine sehr gute Strecke", meint Bradl.

Maverick Vinales denkt ganz eigensinnig: "Klar, die Barrieren stehen an einigen Stellen recht nah an der Strecke. Ich aber hatte voriges Jahr bei regnerischen Bedingungen immer ein gutes Gefühl auf dem Bike. Es wäre interessant zu sehen, wie das in Österreich ist."

Ähnlich sieht es auch Alex Rins. "Ich mache mir keine Sorgen, denn ich komme bei Regen immer gut zurecht", sagt der Suzuki-Pilot, merkt aber an: "Sorgen machen würde ich mir nur, wenn zu viel Wasser auf der Strecke steht. Denn dann wird es gefährlich."

Regen am Red-Bull-Ring in Spielberg

Wie sich die weiteren Tage in Österreich entwickeln, bleibt abzuwarten Zoom

"Um so etwas einzuschätzen haben wir aber Loris Capirossi und Franco Uncini", verweist Rins auf die Sicherheitskommission und vertraut ihr diesbezüglich. Genau das tut auch Bradl, der sagt: "Meiner Meinung nach sind die Auslaufzonen groß genug. Das Problem ist eher, dass die Auslaufzonen größtenteils asphaltiert sind. Das werden wir in der Sicherheitskommission sicherlich besprechen."

Miller schließt diesbezüglich nicht aus, dass das Rennen vom Termin Sonntag notfalls verschoben wird: "Wenn es stark regnet wie heute, dann garantiere ich, dass wir nicht fahren können. Vielleicht wird ja verschoben, wer weiß? Glücklicherweise sind wir ja insgesamt zwei Wochen lang hier. Zeit hätten wir also genug."

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