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Mehr Druck im Werksteam? Wie sich Fabio Quartararo mental vorbereitet

Wie Fabio Quartararo die schwierige Saison 2020 hinter sich lassen will - Arbeit mit Psychologen bisher positiv, auf einen Riding-Coach verzichtet er bewusst

(Motorsport-Total.com) - Nach zwei Jahren im Yamaha-Satellitenteam Petronas geht Fabio Quartararo in der MotoGP-Saison 2021 für das Werksteam an den Start. 17 Mal haben Yamaha-Fahrer die Weltmeisterschaft gewonnen und es ist klar, wie das Ziel lautet. Doch erhöht das auch den Druck auf den 21-Jährigen, der erst vor seiner dritten Saison in der Königsklasse steht?

Fabio Quartararo

Im Yamaha-Werksteam lautet das erklärte Ziel Weltmeistertitel Zoom

"Im Werksteam hat man einerseits mehr Druck, aber andererseits mehr Unterstützung", meint Quartararo. "Bei den Tests kann man das Motorrad etwas mehr für sich entwickeln. Bei Petronas hatte ich alles zur Verfügung, aber ich konnte nur bestätigen, ob etwas funktioniert oder nicht."

"Im Werksteam kann man etwas modifizieren, damit es besser funktioniert. Ich habe in den vergangenen Jahren viel darüber gelernt, wie man mit Druck umgeht. Mein persönliches Ziel lautet, um die Weltmeisterschaft zu kämpfen."

In jedem Spitzensport spielt auch die mentale Seite, die Psychologie eine wichtige Rolle. 2019 schlug Quartararo ein wie eine Bombe und eroberte sieben Podestplätze. Es schien alles mühelos und einfach von der Hand zu laufen.

Im Vorjahr waren siebte Plätze schwer zu akzeptieren

2020 begann er mit zwei Siegen in Jerez, doch dann geriet sein fabelhafter Aufstieg an die Weltspitze ins Stocken. "Das vergangene Jahr war schwierig", blickt der Franzose zurück. "Wir hatten Probleme mit dem Motorrad, aber es lag auch an mir. 2019 lief perfekt."

"2020 hat auch perfekt begonnen, aber dann gab es Höhen und Tiefen. Wenn man um Podestplätze und Siege kämpft und dann nur noch um Platz zehn, dann will man mehr. Man hat großen Hunger und macht es dann noch schlechter."

Fabio Quartararo

Trotz dreier Siege war 2020 unter dem Strich eine Enttäuschung Zoom

"Ich habe außer der CEV nie um Meisterschaften gekämpft. In Misano hatte ich zwei merkwürdige Rennen, aber anschließend habe ich in Barcelona gewonnen. Ich habe nicht viel Druck gespürt, aber dann haben wir gesehen, dass das Potenzial des Motorrads abnahm."

"Mir wurde klar, dass mir die WM aus den Fingern gleitet. Deshalb habe ich noch mehr attackiert, wodurch es noch schwieriger wurde. In Valencia bin ich zweimal gestürzt. Jetzt bin ich aber nicht frustriert, weil ich viel gelernt habe."

"Natürlich war ich im Vorjahr frustriert, weil ich eine große Chance verpasst habe. Aber ich habe viel für dieses Jahr und die Zukunft gelernt. Im Vorjahr konnte ich es nicht akzeptieren, wenn ich Siebter oder Achter war. Für die WM braucht man das aber, wenn es nicht besser geht. Man braucht Punkte, Punkte und noch mehr Punkte."

Arbeit mit Psychologen bisher positiv

Bereits im vergangenen Herbst hatte Quartararo angekündigt, sich über den Winter mit einem Psychologen zu beschäftigen und zu lernen, in kritischen Situationen besser kühlen Kopf zu bewahren. Ruhe und Fokus sind als Herangehensweise auch sein Ziel für dieses Jahr.

"Es geht darum, ruhig zu bleiben, wenn man infrage gestellt wird. Man muss vergessen, was die Leute sagen und fokussiert bleiben. Dabei hilft mir der Psychologe, damit ich meine Zeit nicht damit vergeude auf Dinge zu hören, die nicht wichtig sind."

Fabio Quartararo, Massimo Meregalli, Lin Jarvis

Von links nach rechts: Massimo Meregalli, Fabio Quartararo und Lin Jarvis Zoom

"Momentan kann ich noch nicht sagen, ob mir der Psychologe irgendetwas gebracht hat. Ich glaube, das werde ich erst im Laufe der Saison erkennen. Für den Moment kann ich sagen, dass ich mich gut fühle", nickt Quartararo.

"Ich denke nur daran, dass ich mental und körperlich für das erste Rennen bereit bin." Eine Infektion mit dem Coronavirus hat seine Vorbereitung etwas gebremst, aber mittlerweile fühlt sich Quartararo auch wieder körperlich fit.

Im Gegensatz zu vielen anderen Fahrern verzichtet er auf einen Riding-Coach. Die Gründe dafür liegen für ihn auf der Hand: "Ich brauche das nicht und will meine Gruppe so klein wie möglich halten. Mit der ganzen Telemetrie weiß man genau, wo man verliert."

"Ich möchte auch niemanden haben, dem ich nicht voll vertraue. Sollte ich jemanden finden, bei dem ich das Gefühl habe, dass er mir wirklich helfen kann, dann werde ich mir einen Riding-Coach holen. Momentan habe ich aber niemanden. Ich will auch nicht irgendjemanden nehmen, nur um sagen zu können, dass ich einen Riding-Coach habe."

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