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Fabio Quartararo triumphiert: "Besser als die beiden Siege in Jerez"

Sein dritter MotoGP-Sieg bringt Fabio Quartararo zum Weinen: Warum ihm der Triumph in Barcelona so viel bedeutet und wie er das Rennen analysiert

(Motorsport-Total.com) - Als Fabio Quartararo das höchste Treppchen auf dem MotoGP-Podium in Barcelona bestieg, ließ er seinen Tränen freien Lauf. Es war unverkennbar, wie viel dem Franzosen aus dem Petronas-Yamaha-Team dieser Sieg beim Grand Prix von Katalonien bedeutete. Schließlich blickt er auf eine längere Durststrecke zurück.

Fabio Quartararo

Fabio Quartararo verdrückte auf dem Podest die eine oder andere Träne Zoom

Denn seit dem Doppelsieg in Jerez zu Saisonbeginn hatte er es nicht mehr aufs Podest geschafft. Beim letzten Rennen in Misano 2 schrammte er als Vierter knapp vorbei, nachdem er wegen einer Track-Limits-Strafe den dritten Platz verloren hatte.

In Barcelona kehrte er nun auf die Siegerstraße zurück. "Es war der beste Moment in meinem Leben, wirklich. Besser als die beiden Siege in Jerez", sagt Quartararo und erklärt: "Es ist ja so: Wenn man sich in einer guten Verfassung befindet und gewinnt, dann erwartet man das. Man weiß, dass man es gut machen wird."

Quartararo: Von Millers Fehler profitiert

"Aber dann hast du fünf Rennen, in denen es nicht so gut läuft. Danach zu gewinnen, nicht nur auf dem Podium zu stehen, sondern direkt zu gewinnen, ist einfach unglaublich. Damit sind viele Emotionen verbunden. Ich habe an meine Familie gedacht. Kurz vor dem Rennen habe ich noch mit meinem Bruder gesprochen."

Das gab ihm für das Rennen offenbar den nötigen Rückhalt: "Ich war heute voller Selbstvertrauen und fühlte mich großartig. Es ist toll, wieder vorn dabei zu sein." Dabei musste der Petronas-Pilot am Start zunächst zurückstecken und fiel auf Platz vier zurück. Dort hing er kurzzeitig hinter Ducati-Konkurrent Jack Miller fest.


Fotos: MotoGP in Barcelona, Rennen


Die Ducatis sind aufgrund ihres Topspeed-Vorteils erfahrungsgemäß schwer zu überholen. "Ich war etwas besorgt", gibt Quartararo zu. "Aber letzten Endes hat Jack einen kleinen Fehler gemacht und da wusste ich, dass ich vorbeigehen musste. Es war der beste Moment dafür. Ich hatte Bedenken, dass er mich auf der Geraden zurück überholt."

Von hoher Pace zu Rennbeginn überrascht

Doch der Gegenangriff blieb aus. Stattdessen machte Quartararo seinerseits Jagd auf die Yamaha-Markenkollegen Franco Morbidelli und Valentino Rossi, die vor ihm lagen. Der Franzose analysiert: "Es war schwierig, denn Franco und Vale haben ein hohes Tempo angeschlagen. Ich hatte ein etwas niedrigere Pace erwartet, denn wir mussten damit rechnen, dass der Reifen stark abbaut."

Angesichts der kühlen Temperaturen - der Asphalt hatte nur 20 Grad - fuhren am Hinterrad alle die weichste Mischung. Im neunten Umlauf stellte Quartararo damit die schnellste Rennrunde auf: 1:40.142 Minuten. "Als ich das sah, dachte ich mir schon, dass das Ende des Rennens schwierig werden würde", blickt er zurück.

"Zur Halbzeit fuhr ich 1:41er-Zeiten und spürte jede Runde, wie der Reifen mehr nachließ. Franco konnte ich auf Distanz halten, aber dann sah ich auf der Boxentafel, dass Mir nur noch zwei Sekunden weg war. Auf der letzten Runde habe ich alles herausgeholt, was möglich war. Mein Maximum war eine 1:43.2."

Eine Runde mehr und Mir hätte gewonnen

Er fuhr also drei Sekunden langsamer als in der Anfangsphase des Rennens. "Mein Hinterreifen war komplett zerstört. Ich denke, noch zwei Runden mehr und ich wäre bei den Zeiten der Moto3-Jungs angekommen", scherzt der 21-Jährige.

Für den Sieg reichte es dennoch. Letztlich überquerte Quartararo die Ziellinie mit einer knappen Sekunde Vorsprung auf Suzuki-Pilot Joan Mir. "Noch eine Runde mehr und ich wäre mit Sicherheit Zweiter geworden", ist der Rennsieger überzeugt und wundert sich über das erneut starke Finish der beiden Suzuki-Fahrer. Denn neben Mir komplettierte dessen Teamkollege Alex Rins das Podium als Drittplatzierter.

Fabio Quartararo, Joan Mir

Die Suzuki-Piloten konnte sich Quartararo am Ende knapp vom Leib halten Zoom

"Ehrlich gesagt ist es schwer zu verstehen, denn diese beiden waren zum Schluss viel schneller als ich. Insofern war es wichtig für uns, die erste Hälfte des Rennens bestmöglich zu absolvieren", resümiert Quartararo, der mit seinem Sieg die WM-Führung übernahm. Er hat nun acht Punkte Vorsprung auf Mir, der neuer Zweiter ist.

WM-Leader sieht Misano 1 als den Tiefpunkt

Die Marschroute für die nächsten sechs Rennen ist klar: "Wir werden natürlich weiter versuchen, um Siege zu kämpfen. Ich denke, wir befinden uns momentan in einer guten Position. Ich werde alles geben. Mein Team, meine Familie wissen, wie hart ich arbeite, um hier zu sein. Bis Portimao werde ich 100 Prozent geben, das ist sicher."

Angesprochen auf den bisherigen Saisonverlauf und seinen persönlichen Tiefpunkt, liegt Quartararo vor allem ein Rennen schwer im Magen. "Misano 1! Wir wussten, dass die Ducatis dort oft Probleme hatten, und wollten daher stark abschneiden. Aber ich bin gestürzt. Das war einer der schlechtesten Momente in diesem Jahr", sagt er und schiebt nach: "Aber auch Österreich und Brünn waren schwierig."

In diesen drei Rennen konnte sich der Petronas-Pilot zusammengerechnet nur 20 Punkte sichern. "Es gab also schon genug Momente, in den wir zu kämpfen hatten. Aber wir haben umso härter gearbeitet, um wieder vorne anzukommen."

Marquez-Aussagen haben keine Rolle gespielt

Spielten dabei auch die jüngsten Aussagen von Marc Marquez eine Rolle? Der verletzte Honda-Pilot bekundete vor dem Rennwochenende in Barcelona öffentlich, von Quartararo in dieser MotoGP-Saison mehr erwartet zu haben. Dieser verrät: "Ich habe mit Marc am Donnerstag gesprochen, als er an der Strecke war."


Fotos: Marc Marquez besucht Barcelona-Fahrerlager


"Aber nein, selbst wenn er diese Aussagen nicht gemacht hätte, hätte ich mich heute genauso angestrengt. Und außerdem stimmt es ja, ich habe auch von mir selbst mehr erwartet. Insofern denke ich, dass er recht hat", sagt Quartararo selbstkritisch und verbucht die Misserfolge als wichtige Lernerfahrung.

Nun reist der Franzose mit gestärkter Brust nach Le Mans zu seinem Heim-Grand-Prix. Dort könnten ihm, wenn alles nach Plan läuft, 5.000 Fans vor Ort zujubeln. Eine besondere Erfahrung, gerade als WM-Leader: "Ja, auf jeden Fall. Aber es ist immer etwas Besonderes, die WM anzuführen, egal unter welchen Bedingungen oder auf welcher Strecke. Es tut gut, wieder gewonnen zu haben."

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