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Dovizioso, Petrucci und Miller grübeln: Warum war Zarco in Brünn so schnell?

Abgesehen von Johann Zarco stecken alle anderen Ducati-Fahrer in Brünn in Problemen - Die Suche nach den Gründen dafür stellt sie vor Rätsel

(Motorsport-Total.com) - Beim Grand Prix von Tschechien fuhr Johann Zarco mit der Ducati GP19 des Kundenteams Avintia als Dritter auf das Podest. Schon im Qualifying hatte der Franzose mit der Pole-Position für Aufsehen gesorgt. Seine Leistung führte bei den restlichen Ducati-Fahrern zu Fragezeichen.

Andrea Dovizioso

Andrea Dovizioso und Jack Miller stand der Frust ins Gesicht geschrieben Zoom

Pramac-Pilot Jack Miller kam in Brünn als Neunter ins Ziel, Andrea Dovizioso wurde Elfter und Danilo Petrucci Zwölfter. "Ich reise hier ziemlich frustriert ab", sagt Miller. "Im Vorjahr standen 'Dovi' und ich hier auf dem Podium."

Von Startplatz 14 hatte "Jackass" schon keine gute Ausgangsposition. "Ich hatte einen guten Start und war nach der ersten Runde Elfter." Dann gab es einen Zwischenfall mit Takaaki Nakagami. "Dadurch war ich wieder nur 16."

Aber warum war Zarco um so viel schneller? "Schwierig zu sagen", zuckt Miller mit den Schultern. "Wir müssen dieses Wochenende analysieren. Aber natürlich gibt uns das zu denken." Miller, Petrucci und Dovizioso fahren die GP20, die aber nur unwesentlich anders als die GP19 sein soll.

Danilo Petrucci hat keine Traktion

"Ich hatte von Beginn an keine Traktion", seufzt Petrucci. "Es war schwierig, das Motorrad umzulenken. Wir müssen noch verstehen, warum Johann so schnell war. Bei ihm dreht der Hinterreifen nicht durch."

"Ich verstehe es nicht. Ich habe versucht, seinen Fahrstil zu kopieren. Manchmal hat es funktioniert, manchmal nicht. Seit Freitag ist er die Rundenzeit immer nur im Windschatten gefahren", spricht "Petrux" Zarco an. "Im Rennen war er dann aber sehr konstant."

Danilo Petrucci

Danilo Petrucci versuchte erfolglos den Stil von Zarco zu kopieren Zoom

"Er macht aber nichts groß anders. Ich hatte 2016 die Daten von Casey Stoner, und diese waren ganz anders. Aber jetzt sind die Daten aller Ducati-Fahrer mehr oder weniger gleich. Ich hatte keine Traktion. Wenn du mit der Ducati keine Traktion hast, dann lenkt und bremst das Bike nicht."

"Ich glaube, niemand hat Johann so schnell erwartet. Zumindest haben wir Daten von einem schnellen Fahrer", versucht Petrucci einen positiven Aspekt zu sehen. Eine große Rolle spielt die neue Konstruktion des Hinterreifens. Dovizioso erklärte bereits, dass er keine Lösung parat hat.

Andrea Dovizioso mit dem Motorrad am Limit

"Ich habe eine Idee, aber wir müssen das Rennen studieren", meint der Vizeweltmeister. "Das war jetzt das zweite Rennen, in dem ein anderer Ducati-Fahrer ein anderes Set-up hatte und anders gefahren ist. Damit ist er ein sehr gutes Rennen gefahren. Das kann uns helfen."

"Der Hinterreifen macht Druck auf den Vorderreifen, er funktioniert auch ganz anders. Es ist nicht einfach, alles dafür zu ändern. Ich dachte, wenn ich meinen Stil etwas verändere, könnte ich meine Situation verbessern, aber das ist nicht der Fall."

"Ich brauche mehr Unterstützung vom Set-up", sagt Dovizioso. "Ich bin kein Fahrer, der Ausreden sucht, aber in meinen Daten sieht man, dass mein Vorderrad immer blockiert. Ich bin am Limit und verliere in jeder Bremsphase eine Zehntelsekunde - und das in jeder Bremsphase."

So lässt sich sein Zeitrückstand erklären. "So wie ich das Motorrad fahre, bin ich auf der Bremse stark. Wenn ich mich mit Pecco in Jerez vergleiche und in Brünn mit Zarco, dann verliere ich am meisten in der Bremsphase."

"Das ist nicht akzeptabel. Das Set-up ist am Limit, um hart bremsen zu können. Es geht nicht nur um das Gefühl, sondern ich bin mit dem Motorrad am Limit und es funktioniert nicht", hält Dovizioso fest. Bisher wurde keine Lösung gefunden.

Andrea Dovizioso

Was in den vergangenen Jahren funktioniert hat, funktioniert jetzt nicht Zoom

"Wir müssen eine andere Richtung einschlagen. Wir haben das gemacht, was in den vergangenen beiden Jahren funktioniert hat. Aber das funktioniert jetzt nicht mehr. Die Situation ist momentan noch nicht klar. Deshalb bin ich so langsam."

Erschwerend kam in Brünn hinzu, dass alle mit dem Reifenverschleiß zu kämpfen hatten. "Wenn du dann noch in der Bremsphase und in der Kurvenmitte langsam bist, dann wirst du Elfter", sagt Dovizioso klipp und klar.

Es gibt aber auch positive Nachrichten für die beiden Rennwochenenden in Österreich. Der neue Hinterreifen von Michelin kommt in Spielberg nicht zum Einsatz. Stattdessen verwendet dort Michelin wie in den vergangenen Jahren einen Reifen mit einer speziellen hitzeresistenten Konstruktion.

In der Weltmeisterschaft ist Dovizioso punktgleich mit Franco Morbidelli auf Platz drei. Der Rückstand auf Fabio Quartararo beträgt 28 WM-Punkte.