powered by Motorsport.com

Defektes Device und schlechter Reifen bremsen Aprilia am Sachsenring ein

Maverick Vinales hat mit Aprilia zum ersten Mal das Podest in Reichweite, doch dann streikt die Technik - Aleix Espargaro hadert mit seinem Vorderreifen und wird Vierter

(Motorsport-Total.com) - Lange sah es für Aprilia so aus, als würden beide Fahrer beim Grand Prix von Deutschland auf dem Sachsenring ein Top-4-Ergebnis einfahren können. Aleix Espargaro lag als Dritter auf Podestkurs, Teamkollege Maverick Vinales fuhr als Vierter direkt dahinter, doch dann bremste ihn ein technisches Problem aus.

Aleix Espargaro, Maverick Vinales

Im Rennen lagen Aleix Espargaro und Maverick Vinales lange dicht an dicht Zoom

Denn 13 Runden vor Rennende streikte das Ride Height Device am Hinterrad, mit dem sich das Heck während der Fahrt absenken lässt. Das Motorrad kam nicht mehr in seine normale Position zurück, sondern blieb "tiefergelegt", sodass Vinales aufgeben musste.

"Eigentlich bin ich sehr glücklich, denn habe ich das Fahren wirklich genossen. Ich hatte einen guten Start und konnte pushen. Meine Pace war stark und ich wusste, dass die letzten zehn Runden meine besten sein würden, denn ich konnte die Reifen in einem guten Performance-Fenster halten", beschreibt er sein Rennen.

Rear Height Device bei Vinales bleibt stecken

"Aber dann ging das Rear Height Device kaputt. Ab da war es schwierig, das Motorrad auf der Strecke zu halten. Es war permanent abgesenkt und ließ sich nicht mehr lösen. Ich habe mehrere Male versucht, aber ohne Erfolg. In Kurve 8 wäre ich deshalb fast gestürzt. Es wurde zu gefährlich, damit weiterzufahren."

Das Problem sei von jetzt auf gleich gekommen. Er habe erst einen platten Reifen vermutet, verrät Vinales. "Aber als ich mich vergewissern wollte, sah der Reifen perfekt aus. Da wusste ich, dass es sich um ein Problem mit dem Ride Height Device handeln musste."

"Aber ich nehme das Positive aus diesem Wochenende mit", hakt er den Ausfall ab. "Zwar spüre ich, dass ich mit dem Motorrad das Maximum noch nicht erreicht habe. Aber wir kommen näher. Wir müssen das Qualifying verbessern, denn sobald ich etwas weiter vorne starte, werde ich mit den Topjungs mithalten können."

Zunächst war vermutet worden, dass Vinales' Device streikte, weil er die automatische Version nutzt. Doch der Spanier stellte klar, dass er das System manuell steuert - genauso wie sein Aprilia-Teamkollege Espargaro, der verrät: "Das automatische System funktioniert super gut, aber es ist intelligenter als ich."

"Es greift zu früh ein. Für die Ingenieure ist es perfekt, für mich als Fahrer aber nicht. Deshalb steuere ich das System lieber manuell", erklärt Espargaro. Ein Fan dieser Vorrichtungen für das Hinterrad ist er aber nicht: "Ich würde sie morgen alle verbieten, auch wenn das System an meinem Bike sehr gut funktioniert."

"Aber wenn ich diese Entscheidung treffen könnte, würde ich ihre Verwendung schon ab Assen verbieten. Wir brauchen sie nicht. Ja, das Motorrad beschleunigt damit mehr, aber wenn es alle ausbauen, macht es auch keinen Unterschied", so der Spanier.

Device in der Kritik: Aprilia befürwortet Verbot

"Ich glaube, wir würden dann mehr Überholmanöver haben, weil es vielleicht mehr Wheelies gibt und mehr Fehler beim Beschleunigen passieren, und wir können uns möglicherweise mehr auf andere Dinge konzentrieren. Ich glaube, dass das System von Aprilia eines der besten ist, aber ich brauche es nicht wirklich."

Auch Aprilia-Rennchef Massimo Rivola sprach sich nach der Panne bei Vinales für ein Verbot aus. Zumal er nicht der einzige Fahrer war, den ein defektes Ride Height Device zur Aufgabe zwang. Auch LCR-Pilot Alex Marquez musste seine Honda deshalb abstellen. Die Diskussion um das System wird also weitergehen.

Für Espargaro endete das Rennen auf dem Sachsenring knapp am Podest vorbei. Drei Runden vor Schluss verlor er Platz drei nach einem Fehler an Ducati-Konkurrent Jack Miller. Doch Espargaro ist sicher, dass er unter normalen Umständen um Platz zwei hätte kämpfen können - wäre da nicht der Vorderreifen gewesen.

"Als ich in der Startaufstellung den Vorderreifen wechselte und in die Einführungsrunde ging, begann ich, starke Vibrationen an der Front zu spüren. Ich war sehr verärgert, weil ich keine Zeit mehr hatte, zu stoppen und den Reifen zu wechseln", so Espargaro.


Fotos: MotoGP: Grand Prix von Deutschland (Sachsenring), Rennen


"Das Problem ist schon am Freitag bei mehr als sieben Fahrern aufgetreten. Auch bei Mir im Qualifying. Meine Reifen waren zuvor immer perfekt, aber im Rennen war es unfassbar: jede Menge Vibrationen, viel Chattering", ärgert er sich und kündigt an, dass Michelin das Problem genau analysieren werde.

"Aber für mich wird das nichts ändern. Das Rennen ist gelaufen. Aber es besteht kein Zweifel daran, dass der Reifen nicht in Ordnung war. Ich habe während des Wochenendes vier, fünf verschiedene harte Vorderreifen verwendet." Alle seien okay gewesen.

Vorderreifen schränkt Espargaro vom Beginn ein

"Ich ging mit einem gebrauchten Reifen, der 16 Runden drauf hatte, in die Startaufstellung. Das Motorrad fühlte sich in Ordnung an, und dann, sobald ich den neuen Reifen aufzog, kam ich in Kurve eins an und es begann zu vibrieren. Es gibt also keinen Zweifel."

Wäre es da nicht besser gewesen, den neuen Vorderreifen in der Box zu montieren, um das Problem früher zu erkennen? "Wir wechseln die Reifen immer in der Startaufstellung", sagt Espargaro, "aber selbst wenn ich mit dem neuen Reifen aus der Box gekommen wäre ..., wir hätten keinen weiteren Reifen gehabt, um zu wechseln."

Im Rennen habe er das Problem die ersten sechs, sieben Runden noch mit dem Hinterreifen kompensieren können. "Aber dann war es unmöglich. Mein bester Sektor an diesem Wochenende war Sektor 3, der schnelle Teil der Strecke, und der war für mich unmöglich zu fahren. Es ging die ganze Zeit darum, einen Crash zu vermeiden."

Umso überraschter war der Aprilia-Pilot, dass er sich so lange auf Podestkurs halten konnte. "Weil ich sehr, sehr langsam war", gibt er zu. "Aber selbst so fuhr ich um das Podium. In einigen Phasen des Rennens dachte ich, ich müsste aufhören. Aber letztendlich ist es ein vierter Platz geworden." Schadensbegrenzung also.

Aleix Espargaro

Gegen Jack Miller musste sich Espargaro am Ende doch geschlagen geben Zoom

Den besagten Fehler, der Miller die Gelegenheit gab, an ihm vorbeizugehen, nimmt Espargaro auf seine Kappe: "Der Fehler auf der Bremse ist mein Fehler, nicht der des Vorderreifens, denn ich hatte dieses Reifenproblem schon in der Startaufstellung und ich fuhr diese Kurve 28 Mal sauber, bevor ich den Fehler machte."

"Aber es war sehr schwierig zu managen, sehr schwierig. Ich habe die ganze Zeit versucht, die Linien zu schließen, gerade anzubremsen und dann zu beschleunigen. Den guten Kurvenspeed der Aprilia konnte ich nicht nutzen. Ich war super langsam."

Mit Moto2-Pace immerhin noch als Vierter im Ziel

"In manchen Runden fuhr ich 1:23 Minuten, das ist nur eine Sekunde schneller als Augusto (Fernandez in der Moto2; Anm. d. R.). Ich bin also aufrichtig glücklich über Platz vier, denn das sind eine Menge Punkte für die Meisterschaft, aber wir hatten das Potenzial, um den zweiten Platz zu kämpfen", so Espargaro.

Auch Vinales will beim nächsten Rennen wieder das Podest anvisieren. "Jedes Wochenende sind wir näher dran. Dieses Wochenende war sehr wichtig, denn vor einem Jahr war ich hier an einem Tiefpunkt", erinnert er an den letzten Platz mit Yamaha 20121. "Und jetzt war es für mich das bisher beste Rennen der Saison."

"In einem Jahr kann sich so viel ändern", zeigt sich der Spanier erleichtert. "All diese Rennen waren wie ein super Training, um mich noch stärker zu machen. Ich kann leichter überholen. Ich bin besser in den ersten Runden. Ich habe einfach das Gefühl, dass all diese Schritte mich zu einem besseren Fahrer machen werden."

MotoGP Umfrage

Neueste Kommentare

Folgen Sie uns!

Motorsport-Total Business Club

Anzeige

Folge uns auf Facebook

Werde jetzt Teil der großen Community von Motorsport-Total.com auf Facebook, diskutiere mit tausenden Fans über den Motorsport und bleibe auf dem Laufenden!