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Bagnaia reißt Martin aus dem Rennen: "Hatte Angst um mein Leben"

Worstcase für Ducati in Katar: Francesco Bagnaia kollidiert beim Überholversuch mit Jorge Martin, beide stürzen - Doch das ist nicht die einzige Sorge der Markenkollegen

(Motorsport-Total.com) - Nach seiner zweiten Katar-Pole in Folge hatte Jorge Martin gehofft, den guten Startplatz beim MotoGP-Saisonauftakt 2022 wie schon im Vorjahr wieder in einen Podestplatz ummünzen zu können. Doch ein verkorkster Start und eine Kollision mit Ducati-Markenkollege Francesco Bagnaia machten diese Hoffnung zunichte.

Jorge Martin

Jorge Martin landete nach der Kollision mit seiner Ducati unsanft im Kiesbett Zoom

Gleich am Start musste Martin die beiden Repsol-Hondas sowie den späteren Rennsieger Enea Bastianini (Gresini-Ducati) ziehen lassen, geriet aus dem Tritt und fiel bis auf Platz sieben zurück. "Ich bin leider nicht gut gestartet", räumt er ein.

"Ich wäre fast mit Enea kollidiert und musste das Gas zudrehen. Viele Fahrer überholten mich. Von da an lief alles falsch", grübelt der Polesetter. Verwunderlich war, dass nicht nur er, sondern auch die beiden Ducati-Werkspiloten schlecht vom Fleck kamen. Dabei waren die Starts immer die große Stärke der Roten.

Ducati-Piloten verwundert über Startprobleme

"In den Trainings hatte ich gute Übungsstarts. Ich weiß auch nicht, woran es heute lag. Vielleicht habe ich die Kupplung etwas zu früh losgelassen", sucht Martin nach Erklärungen. "Aber am Startprocedere selbst hat sich nichts geändert", betont er.

Auch Bagnaia hält fest: "Es ist seltsam, denn alle neuen Ducatis sind schlecht gestartet." Der Italiener ging von Startplatz neun ins Rennen und fiel ebenfalls weit zurück. "Wir haben so viele Positionen verloren. Ich war nach drei Kurven Sechzehnter."

"Ich versuchte, Positionen gutzumachen, aber wir waren heute überhaupt nicht bereit, um den Sieg zu kämpfen. Das war Wunschdenken", gibt Ducatis Titelhoffnung zu. Immerhin gelang es Bagnaia, sich im weiteren Rennverlauf bis auf Rang neun vorzukämpfen. Dort angekommen traf er vor sich auf Markenkollege Martin.

Wie es zur Kollision der Markenkollegen kam

Der Pramac-Pilot war Achter, als ihn Bagnaia zu Beginn von Runde zwölf attackierte und aus dem Rennen riss. Der Italiener versuchte Martin in der ersten Kurve auszubremsen, rutschte dabei jedoch übers Vorderrad weg. Beide kollidierten und stürzten.

"Ich hatte das erste Mal wirklich Angst um mein Leben", gibt Martin zu, "denn ich flog wirklich schnell durch das Kiesbett und befand mich genau zwischen beiden Motorrädern. Ich glaube, ich versuchte, Peccos Motorrad mit der Hand abzuwehren."

Deshalb klagte der Spanier nach dem Rennen über Schmerzen. Ein erster Check im Medical Centre an der Rennstrecke ergab zwar keine Verletzungen. Doch Martin sagt: "Wir werden das morgen in Barcelona checken lassen. Ich hoffe, es ist nichts gebrochen."

Martin: "P7 oder P8 wäre Maximum gewesen"

Auf die Kollision angesprochen, erklärt Bagnaia: "Ich war am Kurveneingang etwas zu spät, aber ich habe nicht wirklich hart gebremst. Deshalb war es ein bisschen seltsam, dass das Vorderrad blockierte. Ich kann mich nur bei Ducati, Pramac und Jorge entschuldigen." Böses Blut gibt es zwischen den beiden also nicht.

"Ich bin vor allem wütend, weil wir heute nicht konkurrenzfähig waren", sagt Martin. "Ich erwartete, um das Podest und vielleicht sogar den Sieg kämpfen zu können. Aber die Pace war nicht da und wir hatten Probleme. Das müssen wir verstehen."


Fotos: MotoGP: Grand Prix von Katar (Doha), Rennen


Auch den sonst üblichen Topspeed-Vorteil auf der Geraden habe er nicht ausspielen können. Selbst die Aprilia konnte ich nicht überholen - oder die Suzukis. Das war immer unsere Stärke, doch die scheint jetzt weg zu sein. Ich denke, heute wäre Platz sieben oder acht für mich das Maximum gewesen", gesteht Martin.

Bagnaia will sich mehr auf sich konzentrieren

Und auch Bagnaia gibt sich zerknirscht, vor allem angesichts der Sieges von Enea Bastianini. "Das Vorjahresmotorrad hat heute hier gewonnen. Es war schon vergangenes Jahr sehr konkurrenzfähig. Enea musste seit den Tests quasi nur Benzin nachfüllen und losfahren. Wir haben uns zu sehr auf die Entwicklung konzentriert."

Darunter litt laut Bagnaia auch die Rennvorbereitung in Katar: "Bis zum dritten Freien Training haben wir zu viel an anderen Dingen gearbeitet. Erst im vierten Freien Training konnte ich mein Gefühl für das Motorrad wiederfinden", erklärt er.

"Trotzdem spürte ich vor dem Rennen, dass wir nicht bereit waren. Die Elektronik und das Setting waren nicht gut genug für die Strecke und das Griplevel." Gemessen daran sei die Pace "nicht so schlecht" gewesen, "aber ich verlor zu viel in der Beschleunigung."

"Das Wichtigste ist jetzt, nichts mehr am Motorrad zu ändern", mahnt Bagnaia mit Blick auf die nächsten Grands Prix. "Ich muss mich mehr auf mich selbst und meinen Fahrstil konzentrieren, um wieder das Gefühl vom vergangenen Jahr zu bekommen. Das wird der Schlüssel sein, um wieder ganz vorne mitzufahren."

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