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MotoGP-Rennen Katar: Enea Bastianini beschert Gresini emotionalen Sieg

Enea Bastianini feiert beim Saisonauftakt in Katar seinen ersten MotoGP-Sieg - Brad Binder und Pol Espargaro in den Top 3 - Fabio Quartararo nur auf Platz neun

(Motorsport-Total.com) - Emotionaler Sieg für das Team des verstorbenen Fausto Gresini: Enea Bastianini (Gresini-Ducati) gewinnt den Grand Prix von Katar und feiert seinen ersten MotoGP-Sieg vor Brad Binder (KTM) und Pol Espargaro (Honda), der das Rennen lange anführte. Weltmeister Fabio Quartararo (Yamaha) wird Neunter (Ergebnis).

Enea Bastianini, Brad Binder

Enea Bastianini sicherte sich im ersten Rennen der Saison 2022 den ersten Sieg Zoom

Das Rennen über 22 Runden startete um 18 Uhr Ortszeit unter Flutlicht, damit aber immer noch zwei Stunden früher als zuvor. Jorge Martin (Pramac-Ducati) führte die Startaufstellung an. Bastianini und Marc Marquez (Honda) komplettierten Reihe eins.

Dahinter nahmen Jack Miller (Ducati), Aleix Espargaro (Aprilia) und Pol Espargaro Aufstellung. Weltmeister Fabio Quartararo (Yamaha) ging von Startplatz elf ins Rennen. Bei den Reifen entschieden sich die ersten beiden Reihen für den Soft-Reifen vorne und hinten, nur Bastianini und Aleix Espargaro wählten hinten medium.

Honda-Doppelspitze nach dem Start

Den besten Start erwischte das Honda-Werksduo, das das Feld in die erste Kurve führte. Auch Binder machte Positionen gut und reihte sich als Dritter ein. Schlecht lief es für Ducati: Martin und Miller fielen ans Ende der Top 10, Francesco Bagnaia sogar auf Platz 14.

Der Stand nach Runde eins: Pol Espargaro, Marc Marquez, Binder, Joan Mir (Suzuki), Bastianini, Aleix Espargaro, Martin, Quartararo, Miller und Alex Rins (Suzuki). Zu Beginn der zweiten Runde startete Marquez eine Attacke auf seinen Teamkollegen, musste aber zurückstecken. Absetzen konnte sich in dieser frühen Phase niemand.

Die Rennpace lag bei hohen 1:54er-Zeiten. Große Unterschiede konnte niemand machen. Nach fünf Runden lagen immer noch acht Fahrer innerhalb von zwei Sekunden, mit Rins am Ende der Gruppe. Dahinter kämpfte Quartararo um den Anschluss. Bagnaia hatte sich immerhin bis auf Platz zehn vorgekämpft.

Marc Marquez verliert früh Positionen

Mit Beginn der sechsten Runde übernahm Binder Platz zwei von Marquez, der sich in Kurve 1 verbremst hatte. Das verschaffte Pol Espargaro an der Spitze etwas Luft. Kurz darauf legte sich auch Bastianini Marquez zurecht, der somit nur noch Vierter war.

Weiter hinten im Feld kam es zum ersten Sturz des Rennens: Marco Bezzecchis VR46-Ducati strandete im Kiesbett der Zielkurve. Auch bei Markenkollege Miller schien es Probleme zu geben. Der Australier fiel weit zurück und steuerte die Box an.

Die Spitzengruppe zog sich etwas auseinander: Pol Espargaro hielt die Führung vor Binder, Bastianini und Marquez. Zu Aleix Espargaro riss eine kleine Lücke. Ihm folgte Mir. Dessen Suzuki-Teamkollege Rins lag schon mehr als eine Sekunde zurück.

Ducati-Horror: Bagnaia schießt Martin ab

Nach zehn Runden dezimierte sich das Feld weiter: Alex Marquez (LCR-Honda) musste infolge eines Sturzes aufgeben. Wenig später crashte auch Miguel Oliveira (KTM). Bagnaia und Martin schieden aus, nachdem Ersterer beim Überholversuch die Kontrolle übers Vorderrad verloren und den Markenkollegen mitgerissen hatte.

An der Spitze begann Pol Espargaro sich freizufahren. Der Vorsprung des Honda-Piloten wuchs ein mehr als eine Sekunde an. Dahinter duellierten sich Bastianini und Binder um Platz zwei. Marquez hielt als Vierter den Anschluss, startete aber noch keinen Angriff.

Einmal vorbei an Binder, nutzte Bastanini die freie Strecke und drückte den Vorsprung von Pol Espargaro wieder. Binder musste abreißen lassen, während Marquez zunehmend Druck von Aleix Espargaro bekam. Er hatte aufschließen können und bremste sich schließlich an Marquez vorbei, um Platz vier zu übernehmen.

Bastianini und Gresini beweinen Sieg

Ähnlich wie Bastianini schien Aleix Espargaro vom Medium-Hinterreifen zu profitieren, der in der Schlussphase mehr Performance zuließ als der weiche Reifen der Konkurrenz. So gelang es Bastianini mit Anbruch der viertletzten Runde erstmals in Führung zu gehen.

Pol Espargaro verbremste sich daraufhin in Kurve 1 und fiel hinter Binder auf Platz drei zurück, sodass Bastianinis Vorsprung schlagartig bei mehr als einer Sekunde lag. Zwar kam Binder zum Schluss noch einmal bedrohlich nahe, für eine Attacke reichte es aber nicht mehr, sodass Bastianini triumphierte.

In der Box des Italieners, der für das Team des 2021 an Corona verstorbenen Fausto Gresini fährt, flossen Tränen, ebenso wie bei Bastianini selbst. Für ihn ist es der erste Sieg in der Königsklasse, nachdem er in seiner Rookie-Saison zweimal Dritter geworden war.

Katar-Sieger findet emotionale Worte

"Das ist ein unglaubliches Gefühl!", schwärmte Bastianini nach der Zieldurchfahrt und erklärte: "Ich habe von Beginn an gepusht, wollte aber auch den Reifen schonen. Als ich sah, wie Pol attackiert und Binder überholt, musste ich dranbleiben. Da dachte ich schon, dass ich das Rennen gewinnen könnte."

"Es ist mir gelungen, Pol in der ersten Kurve zu überholen und es hat geklappt. Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll. Ich möchte Fausto diesen Sieg widmen. Für das Team ist das fantastisch. Wir haben alle geweint. Ich möchte einfach nur allen Danke sagen."


Fotos: MotoGP: Grand Prix von Katar (Doha), Rennen


Auch Binder hatte Grund zu jubeln. Als Zweiter erreichte er mit KTM in Katar erstmals das Podest: "Heute war ein großartiger Tag. Ehrlich gesagt war das ganze Wochenende richtig gut. Ich hatte viel Vertrauen ins Bike, und zwar vom Start bis ins Ziel. Vielen Dank an KTM für den großen Schritt im Vergleich zum Vorjahr."

"Honda hat jetzt zwei starke Fahrer"

Pol Espargaro rettete zwar Platz drei vor Bruder Aleix ins Ziel und feierte sein zweites Podium mit Honda. Dennoch haderte der Spanier: "Ich brauche einfach noch ein bisschen mehr Erfahrung mit diesem Motorrad. Es war ja das erste Rennen damit. Gegen Ende des Rennens sind Dinge passiert, die ich nicht erwartet hatte."

"Ich hatte es überhaupt nicht geplant, das Rennen von vorne zu kontrollieren. Die Strategie war eigentlich, abzuwarten und am Schluss anzugreifen. Aber die Rundenzeiten gingen mir leicht von der Hand. Da habe ich es wohl ein bisschen übertrieben und die Reifen überfahren. Es war aber ein tolles Gefühl", hielt Espargaro fest.

Marc Marquez

Kurz nach dem Start lagen noch beide Honda-Piloten vorn Zoom

"Honda hat jetzt zwei starke Fahrer, nicht nur einen. Es ist das erste Mal seit vielen Jahren, dass man das bei Honda sagen kann. Und das macht mich natürlich sehr stolz." Das teaminterne Duell entschied er in Katar für sich. Marquez wurde Fünfter.

Suzuki verpasst das Podium deutlich

Etwas mehr versprochen hatte sich auch das Suzuki-Duo Mir und Rins, die auf den Plätzen sechs und sieben einliefen. Johann Zarco (Pramac-Ducati) fing dank seiner Ducati-Power Quartararo noch auf der Ziellinie ab und wurde Achter. Nur sieben Tausendstel trennten die beiden. Takaaki Nakagami (LCR-Honda) komplettierte die Top 10.

Franco Morbidelli (Yamaha) beendete das erste Rennen der Saison als Elfter, gefolgt von Maverick Vinales (Aprilia), Luca Marini (VR46) und Andrea Dovizioso (RNF-Yamaha). Den letzten Punkterang sicherte sich als 15. Rookie Remy Gardner (Tech-3-KTM).

Seine Rookie-Kollegen Darryn Binder (RNF-Yamaha), Fabio Di Giannantonio (Gresini-Ducati) und Raul Fernandez (Tech-3-KTM) belegten in ihrem ersten MotoGP-Rennen die letzten drei Plätze, da insgesamt nur 18 Fahrer die Zielflagge sahen.

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