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MotoGP-Erfahrung: Wie Tom Lüthi dem Intact-Team geholfen hat

Vor allem bei der Elektronik konnte Tom Lüthi seine MotoGP-Erfahrung einbringen - Vorteil bei der Motorbremse wurde von den anderen Teams mittlerweile egalisiert

(Motorsport-Total.com) - Die einzige MotoGP-Saison von Tom Lüthi gestaltete sich aus sportlicher Sicht schwierig. Der Schweizer konnte 2018 mit der Marc-VDS-Honda keinen einzigen WM-Punkt sammeln. Auf der anderen Seite war es eine lehrreiche Erfahrung, denn Lüthi konnte technisch viele Dinge ausprobieren. Bei seiner Rückkehr in die Moto2-Klasse gestaltete sich das als nützlich, denn vor allem im Bereich der neuen Einheitselektronik von Magneti Marelli konnte Lüthi dem IntactGP-Team helfen.

Thomas Lüthi

Nach zwölf Moto2-Rennen hält Tom Lüthi den dritten Platz in der Weltmeisterschaft Zoom

"Er weiß wie eine elektronische Motorbremse funktionieren muss, Launch-Control und so weiter. Und genau so war es auch", blickt Intact-Teamchef Jürgen Lingg im Gespräch mit 'Motorsport-Total.com' auf die Wintertests zurück. "Die Moto2-Fahrer haben bisher keine elektronische Motorbremse gehabt und keine weiteren Helfer. Für sie war am Anfang alles besser, aber dass es noch viel besser geht, wenn man es richtig einstellt, das wussten sie nicht."

Lüthis Erfahrung war ein Mitgrund dafür, warum IntactGP so stark in die Saison 2019 gestartet ist. "Er hat uns wahnsinnig viel geholfen und es schnell auf den Punkt gebracht. So und so muss das funktionieren. Manche Sachen hat er aber erwartet, die in der Moto2 einfach nicht gehen. Er hat auch erst lernen müssen, das zu akzeptieren, weil es nicht so viele Einstellmöglichkeiten gibt und dass die Reifen anders sind. Aber trotz allem hat sich das gut eingespielt. Letztendlich hat davon auch Marcel profitiert."

Vorteil bei der Motorbremse nicht mehr vorhanden

Beim Saisonauftakt in Katar standen Lüthi und Marcel Schrötter als Zweiter und Dritter auf dem Podest. In Austin folgte dann der erste Doppelsieg der Teamgeschichte. Seit in Jerez der größere Hinterreifen von Dunlop eingeführt wurde, riss die Erfolgsserie etwas ab. Lüthi stand seither noch zweimal auf dem Podest und Schrötter einmal. Nach zwölf Rennen ist Lüthi immer noch WM-Dritter. Das optimale Set-up wurde für den neuen Reifen nicht bei allen Rennen gefunden.

Jürgen Lingg

In Austin durfte Jürgen Lingg einen Doppelsieg durch Lüthi und Schrötter feiern Zoom

Außerdem ist ein Vorteil bei der Elektronik, den sich das Team bei den Wintertests erarbeitet hatte, verschwunden: "Mittlerweile haben alle die richtige Motorbremse, was bei uns am Anfang ein Vorteil war. So etwas kann man nicht verbergen", seufzt Lingg. Alle Teams haben die richtigen Einstellungen gefunden. "Im Moment ist es so, dass wieder alle alles ausreizen." Große Unterschiede gibt es bei der Elektronik zwischen den Teams nicht mehr.

Lingg wünscht sich mehr Freiheiten bei der Elektronik

Trotz der großen technischen Änderungen über den Winter mit den neuen Triumph-Motoren und der Einheitselektronik, die eine abgespeckte Version der MotoGP-Variante ist, hat sich die Moto2 rasch wieder zu einer engen Klasse entwickelt. Der Grund dafür sind die vielen einheitlichen Komponenten. "Bei den Chassis fahren die meisten mit Kalex. Speed Up funktioniert gut und KTM hat in Spielberg gewonnen", verweist Lingg auf den Chassis-Wettbewerb. "Es ist alles nahe beisammen."

Moto2 Start in Jerez

Die Abstände zwischen den Moto2-Teams sind wieder extrem eng Zoom

"Durch das zusätzliche Drehmoment des Motors sind die Motorräder gut zu fahren und verzeihen auch mal einen Fehler. Und die Elektronik hilft natürlich auch mit. Ich denke, wenn die Elektronik mehr geöffnet wird und wir ein größeres Arbeitsfenster haben, dann könnte etwas passieren. Aber im Moment ist es doch ziemlich eingeschränkt. Wir hätten geeignete Leute dafür, die danach lechzen, mehr machen zu können. Wir haben auch nachgefragt, ob man etwas öffnen kann, denn mittlerweile ist jeder mit der Elektronik vertraut."

Die Regelhüter haben mit der Einheitselektronik eine kostengünstige und einfache Möglichkeit, in Zukunft mehr Parameter freizugeben. Für die erste Saison wollte man es für die Teams nicht zu kompliziert und zu kostenintensiv machen, denn praktisch alle mussten neue Elektronikingenieure einstellen. Ob schon für das nächste Jahr weitere Einstellmöglichkeiten und Funktionen freigegeben werden, ist derzeit noch nicht entschieden. "Jetzt schauen wir mal, was kommt. Ich denke schon, dass sie weiter geöffnet wird", hofft Lingg für die Zukunft.

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