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Feature: Spannende Hintergrundinfos zu den Moto2-Motoren

Wir werfen einen Blick hinter die Kulissen des Unternehmens, das seit der Saison 2012 die etwa 200 ständig rotierenden Moto2-Motoren wartet

(Motorsport-Total.com) - In der mittleren Kategorie der Motorrad-Weltmeisterschaft wird seit der Saison 2010 mit Viertaktern gefahren. Honda liefert seit der Debütsaison der Moto2 die Motoren. Gewartet werden die CBR600-Motoren seit 2012 von ExternPro. Das Unternehmen ist im Motorland Aragon (Spanien) ansässig und kümmert sich dort um die etwa 200 Motoren, die ständig zirkulieren. Die Laufleistung, die mit den Motoren zurückgelegt wurde entspricht mehr als zwei Millionen Kilometer.

Mattia Pasini

Die Streuung der Moto2-Motoren ist extrem gering und liegt bei etwa einem Prozent Zoom

Nach drei Rennen geben die Teams die Motoren wieder an ExternPro zurück. Sieben Vollzeitkräfte kümmern sich um die Aggregate. Die Motoren erhalten nach drei Rennwochenenden neue Kolben, Kurbelwellen und Pleuel. Die Motoren sind nummeriert und an vier Stellen versiegelt. Damit wird sichergestellt, dass die Teams nichts an den Innereien der Motoren verändern.

Die Motoren unterscheiden sich geringfügig von den Serienmotoren aus der CBR600RR. Es kommen HRC-Kitteile zum Einsatz. Unter anderem wurden die Zylinderköpfe, die Nockenwellen, die Ventilfedern, das Steuergerät, die Lichtmaschine und die Übersetzung des ersten Ganges modifiziert. Kolben, Kurbelwellen, Pleuel und die Grundkonstruktion des Getriebes entsprechen der Serie.

Maximale Zuverlässigkeit und Chancengleichheit

Moto2 Start

Die Moto2-Piloten quetschen die 600er-Viertakter komplett aus Zoom

Die Moto2-Piloten wechseln pro Grand-Prix-Wochenende etwa 90.000 Mal den Gang. In Summe sind das 1,6 Millionen Schaltvorgänge pro Jahr. Die ECU hat einen Drehzahlbegrenzer, der bei 15.900 Umdrehungen einsetzt. Einige Fahrer überschreiten dieses Limit aber regelmäßig beim Herunterschalten.

Technikdirektor Trevor Morris ist einer der sieben Festangestellten bei ExternPro. Seit 1980 ist er im Grand-Prix-Sport tätig. Er arbeitete lange Zeit bei Honda und tüftelte an der legendären NSR500. Und auch bei Hondas spektakulärem MotoGP-Hightech-Projekt, der RC211V, war Morris involviert.

Bei ExternPro geht es im direkten Vergleich weniger exotisch zu. "Unser Motto ist: Keine Fehler machen", betont Morris. "Wir übertreiben es vermutlich ein bisschen mit den Vorbereitungen, doch der Gedanke ist, die maximale Zuverlässigkeit und die höchstmögliche Chancengleichheit zu gewährleisten."

Motoren werden regelmäßig überdreht

Triumph Moto2

Ab der Saison 2019 wird in der Moto2 mit Triumph-Motoren gefahren Zoom

In der Geschichte der Moto2 kam es bisher zu nur fünf Motorschäden. Drei dieser Ausfälle wurden durch ein Problem mit dem Kurbelwellenlager verursacht. Dieses Problem konnte aber nachhaltig gelöst werden, indem die Konstruktion im Detail verbessert wurde.

Das Überdrehen der Motoren beim Herunterschalten bringt die Moto2-Motoren an ihre Grenzen. Morris sorgt sich aber nicht um die Zuverlässigkeit. "Bei einigen Fahrern steigt die Drehzahl beim Herunterschalten auf über 17.000 Umdrehungen pro Minute an", kommentiert er.

"Wenn wir erkennen, dass ein Fahrer beim Herunterschalten zu hohe Drehzahlen verursacht, dann besuche ich das Team, um ihnen mitzuteilen, dass hinsichtlich der Zuverlässigkeit kein Grund zur Sorge besteht, der Motor aber in seinem dritten Renneinsatz ein bisschen Leistung verliert, wenn der Fahrer den Motor weiterhin überdreht", berichtet Morris.

"Dank des Moto2-Systems erhalten wir nach jeder Session alle Daten der Maschinen. So können wir sicherstellen, dass niemand etwas macht, das er nicht machen sollte. Unsere Software erkennt automatisch Unregelmäßigkeiten, wie zu hohe Drehzahlen oder hohe Wassertemperaturen", erklärt der Experte.

Streuung unter einem Prozent

Moto2 Start

Chancengleichheit: Bei einem Test streuten die Motoren nur um 1,2 PS Zoom

Laut der Vereinbarung mit der Dorna müssen alle Motoren innerhalb von drei Prozent Streuung liegen. Dank der sehr präzisen Arbeit unterscheiden sich die Motoren in der Praxis nur im etwa ein Prozent. "Wir testeten 60 Motoren und alle lagen innerhalb von 1,2 PS. Diese Unterschiede sind auf Hondas Produktions-Qualität zurückzuführen und nicht auf die Arbeit von ExternPro", bemerkt Morris.

Die Teams können sich an den Rennwochenenden auf andere Arbeiten konzentrieren. Selbst das Einfahren wird von ExternPro übernommen. "Wir lassen sie auf dem Prüfstand zwei Stunden lang einlaufen. Die Fahrer können vom ersten Moment an Vollgas geben. Sie müssen nicht wertvolle Trainingszeit verschwenden, um Motoren einzufahren. Nachdem wir jeden Motor eingefahren haben, notieren wir seine Leistung, überprüfen die Kompression und nehmen eine Ölprobe, um sicherzustellen, dass alles ohne Probleme vonstatten ging", schildert Morris.

In der Saison 2018 wird in der Moto2 zum letzten Mal mit den bekannten Honda-CBR600RR-Motoren gefahren. Ab der kommenden Saison liefert Triumph die Aggregate für die Moto2. Die Teams und Chassis-Hersteller müssen sich auf Motoren mit deutlich mehr Drehmoment einstellen. Und auch die Spitzenleistung wird ansteigen. Zudem debütiert eine deutlich komplexere Elektronik, die den Teams zusätzliche Abstimmungsmöglichkeiten bietet.

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