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Long Beach: Premierensieg für Sato

Takuma Sato holt sich beim dritten Start für das Team von A.J. Foyt seinen ersten Sieg und macht sich damit zum ersten japanischen Sieger eines IndyCar-Rennens

(Motorsport-Total.com) - Premierensieg für Takuma Sato! Der Japaner in Diensten von A.J. Foyt Enterprises erwies sich beim Toyota Grand Prix of Long Beach als der beste "Streetfighter" im IndyCar-Feld. Nach einer überzeugenden Vorstellung holte sich Sato bei seinem 52. Start in der höchsten US-Formelrennserie und seinem erst dritten Einsatz für das Team von IndyCar-Legende A.J. Foyt seinen ersten Sieg.

Takuma Sato

Takuma Sato (Foyt-Honda) holte sich in Long Beach seinen ersten IndyCar-Sieg Zoom

Der erlösende Triumph für Sato war alles andere als ein Zufallstreffer, sondern das Ergebnis einer überzeugenden Vorstellung auf dem traditionsreichen Stadtkurs an der Pazifikküste. Bereits im morgendlichen Warmup hatte Sato die Bestzeit markiert. Im Rennen über 80 Runden bestätigte er von Startplatz vier kommend den starken Eindruck und sicherte sich mit fünf Sekunden Vorsprung auf Graham Rahal (Rahal-Honda) den Sieg beim dritten Lauf der noch jungen IndyCar-Saison 2013.

"Das ist einfach fantastisch. Ich kann keine Worte finden", stammelte Sato in der Victory Lane. "Das Auto, die Strategie und die Boxenstopps waren perfekt. Eigentlich war es ein einfacher Sieg, weil endlich einmal alles zusammengepasst hat", so der Japaner, der erst im Winter von Rahal zu Foyt gewechselt hat. Für das Foyt-Team war es der erste IndyCar-Sieg seit über zehn Jahren. Zuletzt hatte Airton Dare im Juli 2002 auf dem Kansas Speedway für die texanische Mannschaft triumphiert.

Der 78-jährige Teambesitzer A.J. Foyt war beim erlösenden ersten Sieg seiner Neuverpflichtung Sato allerdings nicht selbst vor Ort, da er sich Mitte dieser Woche einer Hüftoperation unterziehen musste. "Ich wünschte er wäre hier, aber ich werde ihn sofort zu Hause anrufen", versicherte Sato, noch bevor er auf die oberste Stufe des in Long Beach tatsächlich vorhandenen Siegerpodests kletterte.

Graham Rahal und Justin Wilson auf dem Podium

Justin Wilson, Takuma Sato, Graham Rahal

Das Podium in Long Beach mit drei glücklichen IndyCar-Piloten Zoom

Der Zweitplatzierte Graham Rahal, der im Winter das Cockpit des Rahal-Honda mit der Startnummer 15 von Sato übernommen hat, war trotz seines wieder einmal knapp verpassten zweiten IndyCar-Sieges zufrieden. "Wir haben endlich so performt, wie es sein soll. Ich lag in jeder Trainingseinheit in den Top 5, weshalb Startposition elf etwas enttäuschend war. Das Rennen selbst lief dann phänomenal, wir standen ganz dicht vor dem Sieg. Dennoch: Es ist toll, endlich wieder einmal auf dem Podium zu stehen." Zuletzt feierte der Sohn von Bobby Rahal im Juni 2012 auf dem Texas Motor Speedway eine Top-3-Platzierung. Damals war der Frust über den noch knapper verpassten Sieg allerdings deutlich größer.

Der Mann, der den Sieg im Texas-Rennen 2012 abstaubte, kam am Sonntag hinter Sato und Rahal auf Platz drei ins Ziel: Justin Wilson im Coyne-Honda - und das, obwohl er nur von Startplatz 24 ins Rennen gegangen war. "Ein bisschen Glück, die Umstände und die Strategie haben heute den Ausschlag gegeben. Wir hatten einen Extra-Satz nagelneuer Reifen übrig, der uns das Überholen erleichterte", so der Brite zufrieden.

Polesetter Dario Franchitti (Ganassi-Honda) lief nach einem unglücklich getimten ersten Boxenstopp auf Platz vier ein und sorgte somit für einen Honda-Vierfachsieg beim Toyota Grand Prix of Long Beach. "Man weiß hier nie, was passiert. Im ersten Stint lief es gut, doch dann verlor ich ein bisschen den Anschluss. So oder so ist es nach zwei Ausfällen ein gutes Ergebnis für mich und das Team", fasste der Schotte nach seinem in St. Petersburg und Birmingham hingelegten katastrophalen Start in die Saison zusammen.

Aufholjagd von Scott Dixon und Helio Castroneves

Beim Start hatte Franchitti seine erste Saison-Pole zunächst in die Führung umgemünzt. Hinter dem vierfachen IndyCar-Champion bog der ebenfalls aus Reihe eins gestartete Titelverteidiger Ryan Hunter-Reay (Andretti-Chevrolet) als Zweiter in die tückische erste Ecke. Dahinter reihten sich Sato, Vorjahressieger Will Power (Penske-Chevrolet) und St-Pete-Sieger James Hinchcliffe (Andretti-Chevrolet) ein. Das gesamte Feld fädelte sich ohne größere Zwischenfälle durch die ersten Kurvenpassen des traditionsreichen Stadtkurses, doch noch im Verlauf der ersten Runde krachte es. Die Hauptdarsteller: Scott Dixon (Ganassi-Honda) und Tristan Vautier (Schmidt-Honda).

Für Dixon setzte sich der Frust des Qualifyings (Start von ganz hinten nach Streichung seiner Rundenzeit) zunächst auch im Rennen fort. Beim Anbremsen von Kurve 6 geriet er mit dem Boliden von Rookie Vautier aneinander und beschädigte den Frontflügel seines Ganassi-Honda. Unter Grün musste der Neuseeländer an die Box und verlor eine Runde. Dank günstig fallender Gelbphasen sollte nach 80 Runden immerhin noch Platz elf herausspringen.

Beim Restart nach der Dixon/Vautier-Kollision wurde es gleich wieder eng. Tabellenführer Helio Castroneves (Penske-Chevrolet) beschädigte sich in der Fountain-Section (Turn 2) den Frontflügel, als er im Getümmel ins Heck von Mike Conway (Rahal-Honda) fuhr. Auch der Brasilianer musste daraufhin unter Grün die Box ansteuern und fiel ans Ende des Feldes zurück. Doch genau wie Dixon sollte auch der Penske-Pilot von den Gelbphasen und der richtigen Reifenstrategie profitieren: Mit Platz zehn verteidigte Castroneves seine Tabellenführung.


Fotos: IndyCars in Long Beach


Die zweite Gelbphase im Rennen (Runde 31) kam just in dem Moment, als Spitzenreiter Franchitti zum ersten Routinestopp an der Box stand. Ursache für die Unterbrechung war eine Kollision zwischen Charlie Kimball und Alex Tagliani. Der Fahrer des Ganassi-B-Teams verpasste im Zweikampf seinen Bremspunkt für Kurve 8. Der auf der Außenbahn liegende Herta-Pilot Tagliani hatte keine Chance und wurde mit in die Reifenstapel gerissen.

Nachdem im Zuge der zweiten Caution auch der Rest der Spitzengruppe an der Box war, lautete die Reihenfolge beim Restart Sato vor Power, Franchitti, Conway und Rahal. Mit den harten Blacks von Firestone taten sich aber vor allem Power und Hunter-Reay schwer. Der Australier verlor bei den folgenden Restarts jeweils mehrere Positionen und spielte im Kampf um den Sieg keine Rolle.

Dreimal Frust im Andretti-Lager

Ryan Hunter-Reay

Barber-Sieger Ryan Hunter-Reay wollte es zu gut machen und übertrieb es Zoom

Doch Power war nicht der einzige Favorit, der bei der 39. Ausgabe des Traditionsrennens vor den Toren von Los Angeles leer ausging. Während Sato an der Spitze das Tempo machte, bekleckerte sich James Hinchcliffe - Sieger des Saisonauftaktrennens in den Straßen von St. Petersburg - beim zweiten Stadtrennen der noch jungen IndyCar-Saison 2013 nicht mit Ruhm. Beim Restart nach der Kimball/Tagliani-Caution verpasste Hinchcliffe mitten im Pulk seinen Bremspunkt für Kurve 1 - und zwar deutlich.

Das unschuldige Opfer des Kanadiers war ausgerechnet sein eigener Andretti-Teamkollege Ernesto Viso. Während der Venezolaner nach seinem unvermeidbaren Einschlag in die Mauer mit verbogener Hinterradaufhängung viel Zeit an der Box zubrachte und mit letztlich 27 Runden Rückstand auf Sieger Sato auf Platz 22 einlief, war das Rennen für Übeltäter Hinchcliffe an Ort und Stelle gelaufen.

Doch damit nicht genug des Frusts im Andretti-Lager. Nur wenige Umläufe später fand sich auch die Speerspitze des Teams - der amtierende IndyCar-Champion Ryan Hunter-Reay - neben der Strecke wieder. An derselben Stelle, die zuvor Kimball und Tagliani zum Verhängnis wurde, verpasste auch Hunter-Reay seinen Bremspunkt. Im Falle des Andretti-Piloten war es nicht einmal ein direkter Zweikampf, sondern die Überrundung von Ana Beatriz (Coyne-Honda; 14.). "Ich war einfach verzweifelt, weil ich merkte, dass wir heute nichts ausrichten konnten", gestand der Champion im Hinblick auf seine Probleme mit den Firestone-Blacks und ärgerte sich: "Ich wollte einen schlechten Tag ein bisschen besser machen, doch ich schaffte es, ihn noch schlechter enden zu lassen."

Tony Kanaan um Top-5-Platzierung gebracht

Tony Kanaan

Frust bei Tony Kanaan: In der vorletzten Runde von Oriol Servia umgedreht Zoom

Die Spitze - angeführt von Sato - nutzte die durch den Abflug von Hunter-Reay ausgerufene Gelbphase in Runde 50 zum letzten Routinestopp. Bei Rookie Tristan Vautier, der sich nach seiner Kollision mit Scott Dixon in Runde eins beherzt durchs Feld gefahren hatte, klappte der letzte Stopp jedoch nicht wie gewünscht. Sein Mechaniker winkte ihn heraus, übersah dabei aber den direkt vor Vautier zum Service einbiegenden Penske-Chevy von Will Power. Das Ergebnis: Power wurde nach 80 Runden nur als 16. und damit eine Position vor Vautier abgewinkt. Für den Australier, Sieger in den Jahren 2008 und 2012, war es das erste Mal in seiner Karriere, dass er ein Long-Beach-Rennen außerhalb der Top 10 beendete.

Von alldem unbeeindruckt verteidigte Sato auch beim letzten Restart die Führung. Inzwischen hatte die komplette Spitzengruppe mit Ausnahme von KV-Pilot Tony Kanaan (Platz fünf) die weichen Reds aufgezogen. Sato bog vor Rahal, Franchitti und Wilson in die erste Ecke und ließ sich auch vom Abflug des überrundeten Charlie Kimball (Ganassi-Honda; 21.) nicht aus der Fassung bringen. Wilson schnappte Franchitti in den Schlussrunden noch den letzten Podestplatz weg.

Eingangs der vorletzten Runde wollte Oriol Servia (Dreyer/Reinbold-Chevrolet) noch an Kanaan vorbeiziehen, doch die Nummer ging nach hinten los. In Kurve 1 kam es zur Kollision. Für Kanaan stand anstelle einer Top-5-Platzierung unterm Strich nur Rang 20 zu Buche. Übeltäter Servia kam hinter J.R. Hildebrand (Panther-Chevrolet) als Sechster über die Linie, wurde nach dem Rennen vorübergehend mit einer 30-Sekunden-Zeitstrafe für "vermeidbaren Kontakt" belegt, im offiziellen Ergebnis aber doch als Sechster gewertet, nachdem die Zeitstrafe aufgehoben wurde.

Simona de Silvestro in den Top 10

Marco Andretti kam als einziger Vertreter des Teams von Michael Andretti in die Top 10. Doch problemlos verlief auch das Rennen für den Sohnemann des Teambesitzers nicht. Nach einer frühen Kollision hatte Andretti genau wie Dixon und Castroneves einen neuen Frontflügel ausfassen müssen. In der zweiten Rennhälfte kam es dann noch zu einer Berührung mit Simon Pagenaud. Der Franzose versuchte auf der Gegengeraden einen Angriff von Andretti zu parieren, fing sich dabei aber eine Beschädigung an der hinteren rechten Radverkleidung ein und musste den Andretti-Chevy mit der Startnummer 25 eine halbe Runde später schließlich doch passieren lassen. Im Ziel lautete die Reihenfolge somit Marco Andretti auf Platz sieben, Simon Pagenaud auf Platz acht.

Simona de Silvestro

De Silvestro liegt nach drei Saisonläufen auf Platz acht der Gesamtwertung Zoom

Simona de Silvestro brachte ihren KV-Chevrolet von Startplatz 20 kommend auf Rang neun vor Tabellenführer Helio Castroneves ins Ziel. Auch dessen Penske-Teamkollege A.J. Allmendinger, der nach dem Rennen im Barber Motorsports Park zum zweiten Mal in diesem Jahr den dritten Dallara-Chevy des Teams fuhr, musste früh im Rennen unter Grün für einen neuen Frontflügel an die Box. Grund war ein Auffahren auf den Panther-Chevy von J.R. Hildebrand. Somit wurde auch der Kalifornier weit zurück geworfen. Anders als Castroneves tat sich Allmendinger aber am gesamten Wochenende schwer und fiel mit technischen Problemen schließlich ganz aus.

Auch Mike Conway (Rahal-Honda) hatte bei seinem IndyCar-Comeback kein Glück. Der Brite wurde von Elektronikproblemen geplagt und sah die Zielflagge ebenfalls nicht. Der dreifache Long-Beach-Sieger Sebastien Bourdais (Dragon-Chevrolet) kam im turbulenten Rennverlauf einmal kurz vom rechten Weg ab und lief auf Platz 15 ein. Dragon-Teamkollege Sebastian Saavedra hatte mit einem missglückten Überholversuch an Simona de Silvestro in Kurve 9 der dritten Runde mit anschließendem Einschlag in die Mauer die erste Gelbphase hervorgerufen und wurde als erster Ausfall des Rennens notiert.

Der vierte von 19 IndyCar-Saisonläufen steigt am 5. Mai auf dem Stadtkurs von Sao Paulo. Lokalmatador Helio Castroneves reist mit einem knappen Vorsprung von sechs Punkten auf Long-Beach-Sieger Takuma Sato nach Brasilien. Simona de Silvestro liegt in der Gesamtwertung auf Rang acht und damit vor illustren Namen wie Will Power, James Hinchcliffe oder Dario Franchitti.

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