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Jörg Müller: War er Deutschlands größte Hoffnung auf IndyCar-Erfolg?

Jörg Müller hat seine großen Erfolge in GT-Boliden und Tourenwagen gefeiert, dabei hätte er auch den Weg in Richtung IndyCar-Serie einschlagen können ...

(Motorsport-Total.com) - Als ein aufstrebendes Talent im Dunstkreis der Formel 1 die Chance, in der IndyCar-Serie zu fahren, ausschlug, schwand damit eine der besten Aussichten eines deutschen Fahrers, im US-Formelsport Fuß zu fassen. Doch heute bereut Jörg Müller seine Entscheidung für eine Karriere in herstellerbasierten Sport- und Tourenwagenserien nicht.

Jörg Müller

Jörg Müller hätte auch IndyCar fahren können Zoom

Es ist eine eigenartige, historische Anomalie, dass von den vielen internationalen Superstars, die dem IndyCar-Rennsport ihren Stempel aufgedrückt haben, deutsche Fahrer einen vernachlässigbaren Eindruck hinterlassen haben.

IndyCar: Kein deutscher Fahrer hinterlässt Eindruck

Sieht man einmal von Dominic Dobsons drittem Platz in Michigan 1994 ab, so ist Timo Glock der einzige Fahrer, der über die deutsche Motorsportleiter aufgestiegen ist und einen Podiumsplatz errungen hat - und das gegen ein relativ dünnes Champ-Car-Feld in Montreal 2005. Und Glock verbrachte nur eine Saison in den USA, bevor er nach Europa zurückkehrte.

Timo Glock

Timo Glock fuhr 2005 in der Champ-Car-Serie Zoom

Die deutschen Sportwagen-Asse Andre Lotterer und Lucas Luhr beschränkten sich auf einmalige Einsätze, während Michael Krumm nur zwei Rennen in 2001 bei Dale Coyne Racing überstand, bevor ihm das Geld ausging. Christian Danner und Arnd Meier, die einzigen Fahrer, die man als Stammfahrer bezeichnen könnte, waren in den 1990er-Jahren weitgehend vergessen.

Doch die Diskussion hätte auch ganz anders verlaufen können, wenn Sportwagen- und Formel-Ass Jörg Müller den Sprung in die IndyCar-Serie statt in die ALMS geschafft hätte.

Nachdem er 1996 auf dem Weg zum Titel in der Internationalen Formel 3000 in Pau seine einzigartige Triple-Crown auf Stadtkursen vervollständigt hatte, testete Müller für Bettenhausen in Sebring in einem Shootout, an dem auch die zukünftigen Le-Mans-Legenden Tom Kristensen und Allan McNish - beide ebenfalls auf F3000-Ebene etabliert - sowie der wenig bekannte Kanadier Patrick Carpentier teilnahmen.

Jörg Müller über seinen Test in Homestead

Zur Überraschung vieler war es der letztgenannte Toyota-Atlantic-Champion, der sich durchsetzte, während Müller, der mit dem Gefühl für die Bremsen unzufrieden war, aber keine Änderungen am Set-up vornehmen durfte, in der Mauer landete.

Aber Müller sagt, dieser hatte Test keinen Einfluss auf seine Entscheidung, 1998 nicht mit einem ungenannten Team zu fahren - nachdem er 1997 als Formel-1-Testfahrer für Arrows unterwegs war - nachdem er zu einem Test auf dem Homestead-Oval erschien und dort wenig beeindruckt hatte.

"Sie legten mir etwas weichen Schaumstoff auf die Seite meines Sitzes und sagten: 'Kannst du so fahren?'", sagt Müller, der immer noch regelmäßig an NLS-Rennen auf der Nordschleife teilnimmt und an diesem Wochenende in zwei Autos für Walkenhorst Motorsport bei den 24h Nürburgring startet.


Indianapolis 500 / Indy 500 Highlights

Am vergangenen Sonntag ging die 105. Ausgabe des legendären Indianapolis 500 über die Bühne

"Ich dachte: 'Ich fahre keine 400 km/h auf einem Oval. Jedes bisschen ist so wichtig, da riskiert man nicht sein Leben mit etwas weichem Schaumstoff an der Seite.' Ich saß wie ein Ziegelstein in diesem Auto! Also rief ich [Manager] Dr. [Helmut] Marko an und sagte: 'Ich komme nach Hause, das mache ich nicht.'"

BMW statt Mercedes

Stattdessen wechselte er 1998 zu Porsche und wurde Zweiter bei den 24h von Le Mans in diesem Jahr. Nachdem er bereits 1995 und 1996 Supertourenwagen für BMW gefahren war, kehrte Müller 1999 zur Münchner Marke zurück. Er gewann in Sebring an der Seite von Kristensen und JJ Lehto und verpasste nur den Sieg in Le Mans, weil ein kurioser Defekt in Führung liegend einen Unfall von Lehto verursachte.

Müller lehnte auch ein Angebot ab, 2001 für Bettenhausen zu fahren. In jenem Jahr sollte Landsmann Marcel Tiemann ebenfalls mit Zakspeed an den Start gehen, da der Deal des Formel-3-Siegers von Monaco 1996 vor Saisonbeginn platzte. Müller gewann stattdessen den ALMS-GT-Titel für BMW.

Als er 2002 nach Europa zurückkehrte, wurde er zu einer festen Größe im Super-2000-Tourenwagenprogramm von BMW (er wurde Vizemeister in der Tourenwagen-Europameisterschaft 2002 und in der Tourenwagen-Weltmeisterschaft 2006) und anschließend in den GT-Programmen der Marke, unter anderem als leitender Entwicklungsfahrer für den auslaufenden M6 GT3.

Müller: Umfeld war nicht professionell genug

Müller behauptet, er bereue es nicht, dass er nicht versucht hat, in der IndyCar-Serie zu starten.

Jörg Müller

BMW engagierte Jörg Müller unter anderem für die ALMS Zoom

"Ich bin in Amerika ein paar Jahre lang in der American-Le-Mans-Series gefahren und ich mochte das Land wirklich. Aber die Chancen, die ich [in der IndyCar-Serie] bekam, waren aus meiner Sicht nicht professionell genug, um dorthin zu gehen", sagt er.

"Ich wollte nie das Feld auffüllen. Ich wollte Rennen gewinnen und mit anderen Fahrern kämpfen. Es muss irgendwie professionell sein, und meine Erfahrungen dort waren nicht so gut."

Es ist nicht das einzige 'Was wäre wenn' in Müllers Karriere. Er entschied sich 1997 für einen Testplatz bei Arrows anstatt bei McLaren, weil er korrekterweise vermutete, dass es unwahrscheinlich war, einen Stammplatz bei einem Team zu bekommen, das Mika Häkkinen und David Coulthard langfristig unter Vertrag hatte.

Jörg Müller hatte "eine gute Zeit bei Arrows"

"Es stand im Vertrag mit Arrows, dass ich im Jahr darauf einen Fahrersitz bekomme", sagt Müller. "Aber da sieht man, wie viel ein Vertrag in der Formel 1 wert ist..."

Jörg Müller

Jörg Müller war mehrfach Testfahrer in der Formel 1 Zoom

Aber wäre er bei McLaren eingestiegen, hätte er dann vielleicht in einem Mercedes CLK GT-R gesessen, der 1997 und 1998 die FIA-GT-Serie gewann, statt im Porsche, der oft das Nachsehen hatte? Hätte es zu einer langfristigen Karriere bei den Silberpfeilen geführt, statt zu BMW zurückzukehren?

"Das sind zu viele 'Wenns'", sagt Müller. "Wenn du mir die Lottozahlen für morgen sagen kannst, würde ich heute Lotto spielen!"

"Ich hatte eine gute Zeit bei Arrows, ich war Teamkollege von Damon Hill und ich habe viel mit Bridgestone getestet. Ich war dabei, als Damon mit den Reifen, die ich getestet habe, fast das Rennen in Ungarn gewonnen hätte. Das sind also eine Menge guter Sachen, denke ich."

"Es gibt überhaupt kein Bedauern. Ich habe es jedes Mal genossen, wenn ich in einem Rennwagen saß. Ich bin nie ein Formel-1-Rennen gefahren, aber ich habe eine fantastische Karriere hinter mir."

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