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Dreifachsieg: Ganassi triumphiert im Pocono-Poker

Das Comeback-Rennen von Pocono wird zu einer wahren Benzinschlacht, in dem das Ganassi-Trio Scott Dixon, Charlie Kimball und Dario Franchitti siegt

(Motorsport-Total.com) - Was für ein Triumph für Chip Ganassi! Scott Dixon, Charlie Kimball und Dario Franchitti sorgten beim Pocono IndyCar 400 für einen Dreifachsieg, weil die Honda-Piloten der Chevy-Konkurrenz in Sachen Benzin-Management überlegen waren. Kaum zu glauben, aber wahr: Es war zudem der erste Saisonsieg für das IndyCar-Schwergewicht und der erste Ganassi-Dreifacherfolg überhaupt. "Ein toller Tag", lautete das knappes Fazit von Teambesitzer Chip Ganassi, der erst wenige Stunden vor Rennbeginn in Pocono erschien, nachdem er zuvor das NASCAR-Wochenende von Daytona besucht hatte.

Scott Dixon

Scott Dixon führte den Ganassi-Triumph von Pocono an Zoom

Nach den bislang so schlechten Vorstellungen seiner Piloten ging die Ganassi-Mannschaft ohne große Erwartungen in die 160 Runden von Pocono. "Ich habe Chip heute morgen gesagt, dass ich nicht an einen Sieg glaube", berichtete Gewinner Dixon, der zuletzt vor fast einem Jahr in Mid-Ohio in der Victory Lane stand. "Aber dann wurde es ein fantastischer Tag und ich bin sehr glücklich, wieder zurück zu sein." Der Grund für den 30. IndyCar-Sieg seiner langen Karriere war klar: "Honda hat einen Super-Motor, wenn es um das Thema Benzin sparen geht."

So sah es auch Kimball, der mit seinem zweiten Platz sein bisheriges Top-Resultat (Toronto 2012) egalisieren konnte: "Wir haben uns das gesamte Wochenende nur auf das Rennsetup konzentriert. Das Auto wurde im Rennverlauf immer besser und am Ende hatten wir auch noch eine perfekte Fuel-Milage." Für den vierfachen IndyCar-Champion Franchitti (3.) war Pocono das erste Podium der Saison 2013: "Mensch, das ist eine echte Befriedigung nach all unseren Problemen", atmete der Schotte auf. Und zum Thema Honda gab er zu Protokoll: "Der Verbrauch ist super, aber es fehlt uns noch an Power."

Der große Verlierer war der dominierende Marco Andretti (Andretti-Chevrolet), der 88 Runden in Front lag, am Ende mit stumpfen Waffen im Spritspar-Modus aber nur als Zehnter ins Ziel kam. "Ich kann meine Enttäuschung nur ganz schwer in Worte fassen", schilderte der 26-Jährige, der das gesamte Wochenende der mit Abstand schnellste IndyCar-Pilot war. Seine bittere Bilanz der Schlussphase: "Ich saß im Auto und musste zusehen, wie mir der Sieg aus den Händen glitt." Passend: Weniger Meter hinter der Ziellinie ging dem Pechvogel des Wochenendes der Sprit aus.

Zwei starke Andrettis früh aus dem Rennen

James Hinchcliffe

James Hinchcliffe und sein Aus in Kurve 1 von Runde 1 Zoom

Das Comeback-Rennen von Pocono begann gleich mit einem Paukenschlag: James Hinchcliffe (24.), seines Zeichens ein dreifacher Saisonsieger, verlor in Kurve 1 auf der Außenbahn das Heck seines giftgrünen Andretti-Chevrolets. Hinchcliffe lag zu diesem Zeitpunkt auf Rang drei, krachte rücklings in die Streckenbegrenzung, konnte sein Wrack aber leicht humpelnd aus eigener Kraft verlassen. Damit war einer der starken Andretti-Chevrolets früh aus dem Rennen genommen worden.

Beim Restart hatte Polesitter Marco Andretti alles unter Kontrolle, während dahinter Tony Kanaan (KV-Chevrolet) den zweitplatzierten Ryan Hunter-Reay (Andretti-Chevrolet) schnupfte. Die Reihenfolge dahinter: Will Power (Penske-Chevrolet), Takuma Sato (Foyt-Honda) und Helio Castroneves (Penske-Chevrolet), der die führende Sechser-Gruppe komplettierte. Mit einigem Respektabstand folgten Tristan Vautier (Schmidt-Honda), Kimball, Simon Pagenaud (Schmidt-Honda) und Simona de Slivestro im zweiten KV-Chevrolet.


Fotos: IndyCars in Pocono


Nach 30 Runden eröffnete Leader Andretti die Runde der ersten Green-Flag-Stopps, im Rahmen derer Rookie Vautier (19.) mit einem Dreher in der Boxengasse für Turbulenzen sorgte. Zudem würgte der Franzose sein Auto ab und verlor dabei zwei Runden. Die neue Reihung hinter Andretti: Hunter-Reay, Sato, Kanaan, Power und Castroneves. Die Plätze waren in der Folge zementiert, bis eine Hinterbänklergruppe um Graham Rahal (Rahal-Honda; 18.), Ernesto Viso (Andretti-Chevrolet; 21.) und das Dale-Coyne-Doppel Justin Wilson (7.) und Pippa Mann (15.) zur Überrundung anstand. Dabei nutzte Routinier Kanaan den Verkehr und zog an Sato vorbei.

Nach 61 Runden begann die zweite Runde der Green-Flag-Stopps, als es an den Boxen erneut turbulent wurde: Sato bog viel zu schnell in die Boxengasse ein und krachte in das Heck von Hunter-Reay (20.), der wiederum die Boxenmauer traf und sich dabei die Vorderradaufhängung verbog. "Mein Fehler", gab Sato (22.) sofort zu. Zwei starke IndyCars waren aus dem Rennen, die durch diesen ungewöhnlichen Vorfall auch in der Gesamtwertung einen heftigen Rückschlag hinnehmen mussten.

Andretti dominiert, Ganassi auf dem Vormarsch

Marco Andretti

Marco Andretti hatte in den Pocono-Tagen (fast) alles im Griff Zoom

Und auch in der Reihenfolge gab es Umschichtungen: Plötzlich lag Kanaan vor Andretti und Castroneves. Pagenaud hatte Rang vier vor Power und dem sich immer besser in Szene setzenden Ganassi-Trio Dixon, Kimball und Franchitti übernommen. Dies führte in der zweiten Gelbphase natürlich zu der Frage, wie sich der bis dato so dominierende Andretti verkaufen würde, der plötzlich den Indy-500-Sieger vor der Nase hatte. Die Antwort kam sofort beim Restart in Runde 72: Andretti zog noch vor Kurve 1 an Kanaan vorbei und übernahm wieder die Führung.

Die Runde der dritten Green-Flag-Stopps würfelte ab Runde 96 die Reihenfolge erneut durcheinander und gab ein erstes Indiz für den folgenden Sprit-Poker: Dixon blieb vier Umläufe länger auf der Strecke als Leader Andretti, der zudem einen suboptimalen Stopp erwischte. Plötzlich lag ein Ganassi-Honda in Front vor Kanaan, Power und Andretti, der Pagenaud auf dessen Out-Lap schnupfte. IndyCar-Tabellenführer Castroneves lauerte als Sechster vor Franchitti. Kimball, Ed Carpenter (Carpenter-Chevrolet; 9.) und Wilson komplettierten die Top 10.

Doch Dixon konnte sich nicht lange auf Rang eins halten: In Runden 107 griff Kanaan (13.) an, verbog sich beim Überholmanöver jedoch seinen Frontflügel. Bitter für den KV-Piloten, der in Runde 111 zu einem Extra-Stopp an die Box musste und damit zeitweise aus der Führungsrunde flog. Auch Power und Andretti zogen an Dixon vorbei, während sich Kanaan per Bordfunk bei seinem Team für seinen Fehler entschuldigte. Eine Runde später stellte Andretti die Kräfteverhältnisse von Pocono wieder klar: Der dominierende Lokalmatador zog unter dem Jubel der IndyCar-Fans am Penske-Piloten vorbei und übernahm erneut die Führung.

Dann begann der große Spritpoker von Pocono: Das Benzinfenster betrug rund 30 Runden, was bedeutete, dass die Piloten in etwa bis Runde 130 auf der Strecke bleiben mussten. Es bildete sich ein Zehner-Zug, bei dem es fast den Anschein hatte, dass keiner der Piloten die Führung übernehmen wollte: Power und Dixon zogen an Andretti vorbei, neuer Vierter war Kimball vor Pagenaud, Castroneves, Carpenter, Franchitti, Josef Newgarden (Fisher-Honda; 5.) und Wilson - die Top 10 von Pocono lagen binnen fünf Sekunden!

Ganassi kommt spät zum Tanken

Tony Kanaan

Tony Kanaan und Takuma Sato leisteten sich jeweils einen groben Fehler Zoom

Dann kam die Vorentscheidung: Wieder war es Andretti, der in Runde 127 als Erster zum Tanken abbiegen musste, während das Ganassi-Trio bis zu den Runden 131 und 132 warten konnte. Damit war das Renngeschehen endgültig gekippt: Plötzlich lagen mit Dixon, Kimball und Franchitti gleich drei Ganassi-Hondas vorne, mit Pagenaud folgte ein viertes Team mit Japan-Power. Power und Andretti befanden sich nur noch auf den Positionen fünf und sechs, die spritsparenden Honda-Motoren hatten tatsächlich die Oberhand gewonnen!

Oder doch nicht? "Das einzige, was wir jetzt nicht sehen wollen, ist eine Gelbe Flagge", unkte Teambesitzer Chip Ganassi eingangs der Schlussphase im vollen Bewusstsein, dass die Chevy-Piloten, allen voran Pechvogel Andretti, mit stumpfen Waffen kämpften. Doch das Feld tat dem Ganassi-Team den Gefallen: Die Schlussphase von Pocono blieb ohne weitere Gelbe Flagge, was Ganassi den Dreifachtriumph mit Dixon, Kimball und Franchitti bescherte.

Bester Chevy-Pilot war Will Power als Vierter, der danach von einem "guten Ovalergebnis" sprach. Youngster Josef Newgarden holte einen starken fünften Platz für das kleine Team von Sarah Fisher, während Pagenaud in der Schlussphase noch von P4 auf P6 durchgereicht wurde. Hinter Justin Wilson (7.) holte Helio Castroneves Rang acht und baute durch das Pech von Hunter-Reay seine Gesamtführung deutlich von neun auf nunmehr 23 Punkte aus.

"Man muss die positive Seite betrachten", bilanzierte der nicht ganz zufriedene"Spiderman". "Wir haben im Titelkampf viele Punkte gewonnen." Die Frage, ob Castroneves mit seinen mittlerweile 38 Jahren tatsächlich seinen ersten IndyCar gewinnen kann, setzt sich bereits am kommenden Wochenende fort. Dann folgt in Toronto nach Detroit das zweite IndyCar-Doppelrennen der Saison 2013.

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