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Dramatisches IndyCar-Finale 2020: Sieg für Newgarden - Titel für Dixon

Während Josef Newgarden in St. Petersburg das IndyCar-Saisonfinale 2020 gewinnt, bringt Scott Dixon seinen sechsten Titel gerade so nach Hause

(Motorsport-Total.com) - Scott Dixon (Ganassi-Honda) hat beim dramatischen IndyCar-Saisonfinale 2020 den Zweikampf um den Titel gegen Josef Newgarden (Penske-Chevrolet) knapp für sich entschieden.

Josef Newgarden, Scott Dixon

Sieg für Newgarden beim Finale, aber P3 reicht Dixon zum sechsten Titel Zoom

Während Newgarden auf dem Stadtkurs in St. Petersburg (Florida) mit lange Zeit nicht für möglich gehaltenem Sieg sein Möglichstes getan hat, genügte Dixon Platz drei zum Titelgewinn (Fotos: IndyCar-Finale 2020 in St. Petersburg)

Für Dixon ist es nach 2003, 2008, 2013, 2015 und 2018 der sechste IndyCar-Titel seiner Karriere. Mit diesem fehlt dem 40-jährigen Neuseeländer jetzt nur noch ein einziger Titel auf den Rekordhalter, den siebenmaligen IndyCar-Champion A.J. Foyt. Für das Team von Chip Ganassi ist es derweil bereits der 13. IndyCar-Titel.


Fotostrecke: Scott Dixon: Die Meilensteine seiner IndyCar-Karriere

"Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll. Vielen Dank an alle, die das möglich gemacht haben", so die Worte von Dixon, dessen erster Gratulant der im Titelkampf unterlegene Newgarden war (Ergebnis: IndyCar-Finale 2020 in St. Petersburg)

Newgarden: 101 Punkte aufgeholt und doch verloren

Newgarden, der den Sieg beim letzten Saisonrennen allen voran dank eines sagenhaften Restarts in der Schlussphase eingefahren hat, schaut im Titelkampf trotz vier Saisonsiegen (genauso viele wie Dixon) in die Röhre. Die erfolgreiche Verteidigung seines Titels von 2019 hat der Penske-Pilot um 16 Punkte verpasst.

Josef Newgarden

Josef Newgarden hat den Titel nach starker Aufholjagd um 16 Punkte verpasst Zoom

Dennoch war es eine starke Schlussphase der Saison für Newgarden. Denn noch Ende August - nach dem ersten der beiden Rennen in St. Louis - hatte sein Rückstand auf Dixon sage und schreibe 117 Punkte betragen. Von diesen 117 Punkten hat er bei sechs Rennen deren 101 abgefeilt. Aber zu Newgardens drittem Titel in vier Jahren fehlen letzten Endes doch 16 Zähler.

"Ich weiß nicht, was ich hätte anders machen sollen. Am Ende haben ein paar Punkte gefehlt, aber im nächsten Jahr werden wir zurückschlagen", so Newgardens erste Worte nach der Niederlage im Titelkampf trotz Rennsieg.

Will Power gewinnt Start, aber hat früh Probleme

Will Power (Penske-Chevrolet) startete beim Finale der IndyCar-Saison 2020 zum 62. Mal in seiner Karriere von der Pole-Position, während die Titelkandidaten Josef Newgarden und Scott Dixon nach schwacher Qualifying-Performance vom Samstag nur von P8 und P11 ins Rennen gingen.


IndyCar-Finale 2020: St. Petersburg

Die Highlights vom Finale der IndyCar-Serie 2020, dem Firestone Grand Prix von St. Petersburg!! Weitere Formelsport-Videos

Power kam nach perfektem Stand als Spitzenreiter aus der ersten der 100 Rennrunden zurück. In der fünften Runde aber verlor er durch ein Getriebeproblem ausgangs Kurve 10 die Führung an Alexander Rossi (Andretti-Honda). Mehr noch: Wenige Meter später, in Kurve 1 der nächsten Runde, musste Power aus dem gleichen Grund auch Rossis Andretti-Teamkollegen Colton Herta und James Hinchcliffe passieren lassen, bevor er sich an vierter Stelle wieder einreihte.

Powers Getriebeproblem hatte Bestand und machte sich vor allem beim Herunterschalten bemerkbar. Allerdings konnten zunächst weder Newgarden noch Dixon profitieren. Die beiden Titelkandidaten verharrten in der Anfangsphase auf exakt den Positionen, für die sich qualifiziert hatten. Zu diesem Zeitpunkt hatte Dixon virtuell 27 Punkte Vorsprung auf Newgarden. Eine Hand am Meisterpokal hatte er aber noch lange nicht ...

Crash von Power sorgt für erste von sechs Gelbphasen

In Runde 28 und Runde 29 kamen Newgarden und Dixon zum ersten Boxenstopp. Während Newgarden einen frischen Satz der rot markierten weichen Reifen (Reds) aufziehen ließ, ließ Dixon von weichen auf die unmarkierten harten Reifen (Blacks) umrüsten. An der Reihenfolge untereinander änderte sich aber nichts. Newgarden lag auch nach dem Stopp weiterhin vor Dixon.

Den längsten ersten Stint fuhr Spitzenreiter Rossi. Er kam erst in Runde 36 zum ersten Boxenstopp, bei dem er mit frischen Reds bestückt wurde. Nahezu zeitgleich war das Rennen für den von der Pole-Position gestarteten Will Power gelaufen. Ein Mauerkontakt in Kurve 3 beschädigte die linke Vorderradaufhängung so sehr, dass der Australier aufgeben musste und seiner Wut freien Lauf ließ.

Beim ersten Restart führte Rossi das Feld an. Newgarden nahm als Fünfter wieder Renntempo auf, Dixon als Neunter. In der ersten Anbremszone ging Newgarden vorbei an Jack Harvey (Shank-Honda) und verbesserte sich damit auf die vierte Position. Nur wenige Meter später sorgte ein Crash von Santino Ferrucci (Coyne-Honda) sofort wieder für Gelb. Weil sich Rinus VeeKay (Carpenter-Chevrolet) zum Boxenstopp entschied, gewann auch Dixon eine Position und rückte auf die achte Stelle vor.

Beim zweiten Restart ging in der Spitzengruppe alles gut, aber im Hinterfeld krachte es erneut. VeeKay und IndyCar-Debütant Scott McLaughlin (Penske-Chevrolet) kollidierten in Kurve 1, nachdem der dreimalige Supercars-Champion seinen Bremspunkt verpasst und Marco Andretti (Herta/Andretti-Honda) erwischt hatte.

Trost für die beiden in Kurve 1 Gestrandeten: VeeKay war der Gewinn des Rookie-Titels 2020 schon mit dem Start des Rennens sicher. McLaughlin wurde am Freitag für die volle IndyCar-Saison 2021 im vierten Penske-Chevrolet bestätigt. In der Supercars-Serie geht die Zusammenarbeit zwischen Penske und Dick Johnson Racing nach sechs Jahren und drei Titeln zu Ende. Die drei Titel (2018, 2019 und 2020) fuhr allesamt McLaughlin ein.

Alexander Rossi bestimmt Geschehen über weite Strecken

Während Rossi auch beim dritten Restart nichts anbrennen ließ, hatte Dixon im Mittelfeld alle Hände voll zu tun. Nach einigen Beinahe-Berührungen gelang es ihm, Graham Rahal (Rahal-Honda) und auch Jack Harvey zu überholen. Damit fuhr Dixon an sechster Stelle - zwei Positionen hinter Newgarden. Zwischen den beiden Titelanwärtern fuhr Patricio O'Ward (McLaren-Chevrolet).

Eingangs der zweiten Rennhälfte leistete sich der an zweiter Stelle liegende Herta einen Verbremser in Kurve 4. Während er im Notausgang wendete, kamen Hinchcliffe und auch Newgarden vorbei. Damit fuhr Newgarden an dritter Stelle und von dieser Position aus steuerte er in Runde 65 zum zweiten Routinestopp die Box an.

Für den letzten Stint des Rennens wurde der #1 Penske-Chevrolet mit den harten Reifen bestückt. Dixon legte seinen zweiten Stopp nur eine Runde später ein - auch bei ihm fiel die Wahl auf die Blacks von Firestone.

Dreifach-Andretti-Chaos: Rossi, Andretti, Hinchcliffe crashen

Ganz vorn verlor derweil Alexander Rossi kurz nach dem zweiten Boxenstopp nach zuvor langer Führung nicht nur die Chance auf seinen ersten Saisonsieg. Denn mit einem Crash ausgangs Kurve 3 - derselben Stelle, an der auch Will Power abgeflogen war - setzte Rossi seinem Rennen und seiner Saison spektakulär ein frühzeitiges Ende.

Die Führung erbte Colton Herta vor James Hinchcliffe. Damit hatte Andretti Autosport zwar immer noch zwei Piloten ganz vorn, aber eben keine drei mehr. Beim Restart gelang es Herta mit Mühe und Not, Hinchcliffe hinter sich zu halten. Doch wenige Sekunden später wuchs Teambesitzer Michael Andretti gleich eine ganz Reihe grauer Haare mehr.

In Kurve 4 wurde Marco Andretti bei Berührung mit Takuma Sato (Rahal-Honda) ein Hinterreifen aufgeschlitzt, woraufhin sich Andretti in den Reifenstapel drehte und aufgeben musste. Nur wenige Sekunden später war es auch um Hinchcliffes Siegchance geschehen.

Denn in der letzten Kurve fuhr sich Hinchcliffe nach einem eigenen Fahrfehler den Frontflügel ab, als er beim Wiederlosfahren Harvey erwischte. Dass der Shank-Honda von Harvey in Kooperation mit Andretti Autosport eingesetzt wird, setzte dem Andretti-Chaos die Krone auf.

In diesem ganzen Chaos wurden die Titelkandidaten Josef Newgarden auf die zweite und Scott Dixon auf die fünfte Position nach vorn gespült. Doch sicher fühlen durfte sich niemand. Denn noch während dieser fünften Gelbphase begann es zu allem Überfluss auch noch zu regnen.

Sagenhafter Restart von Josef Newgarden

Beim Restart unter einigen Regentropfen zeigte Newgarden ein beherztes Manöver, in dem er in den Kurven 1/2 von der dritten Stelle kommend die Führung übernahm. In einem Rutsch zog er rechts mal eben an Colton Herta als auch an Alex Palou (Coyne-Honda) vorbei, währen die sich um jene Position balgten, von der sie glaubten, dass es P1 wäre.

Nun war Scott Dixon gefordert. Auch er machte zwei Positionen gut, indem er O'Ward und Palou kassierte und damit an dritter Stelle hinter Newgarden und Herta lag. Doch noch im Verlauf dieser Runde aber gab es erneut Gelb. In diesem Fall war ein Abflug von Oliver Askew (McLaren-Chevrolet) in die Reifenstapel von Kurve 10 der Grund.

Beim nächsten Restart setzte sich die Dramatik fort. Während Newgarden die Führung verteidigte, fuhr sich Patricio O'Ward auf die zweite Position nach vorn, indem er Herta überholte. Eine Runde später verbremste sich Herta in Kurve 1, wovon wiederum Dixon profitierte und damit auf die dritte Stelle nach vorn rückte.

So ging es in der Reihenfolge Newgarden, O'Ward, Dixon in die letzten 15 Runden. Und an dieser Reihenfolge änderte sich nichts mehr. Der Regen ließ nach. Und während Newgarden zum Sieg fuhr und O'Ward Zweiter wurde, brachte Dixon mit P3 seinen sechsten Titel mit 16 Punkten Vorsprung unter Dach und Fach.

Die Top 5 im Rennen wurden komplettiert von Sebastien Bourdais (Foyt-Chevrolet; 4.) und Ryan Hunter-Reay (Andretti-Honda; 5.).

Saisonauftakt 2021 am 7. März an gleicher Stelle

Mit immerhin noch 14 Rennen, die nicht zuletzt dank fünf Double-Header-Events überhaupt möglich gemacht wurden, ist die IndyCar-Saison im Coronajahr 2020 somit knapp fünf Monate nach dem verspäteten Auftakt zu Ende gegangen (Endstand IndyCar-Gesamtwertung 2020).

Das Auftaktrennen der IndyCar-Saison 2021 findet am selben Ort statt wie das Finale 2020: Am 7. März 2021, also in gut vier Monaten, wird erneut in St. Petersburg gefahren. Die neue Saison wird über insgesamt 17 Rennen gehen, sofern es nicht abermals coronabedingte Absagen gibt.

Die unmittelbar nächsten IndyCar-Termine sind aber erst einmal drei Testtage in der Winterpause: 29. Oktober in Indianapolis (Oval), 2. November im Barber Motorsports Park und 10. November auf dem Laguna Seca Raceway. Sowohl beim Barber-Test als auch beim Laguna-Seca-Test wird der von der NASCAR in die IndyCar-Serie wechselnde Jimmie Johnson mit von der Partie sein.

Wie am Samstag anlässlich einer Pressekonferenz in St. Petersburg bekanntgegeben wurde, fährt Johnson auch im Ganassi-Team mit seiner angestammten Startnummer 48. Der Hauptsponsor, der das IndyCar-Rundstrecken-Programm 2021 für den siebenmaligen NASCAR-Champion möglich macht, ist die Gebrauchtwagenplattform Carvana.

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