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WRT-Teamchef kritisiert Ex-Audi-Sportchef: "Das gute Image beschädigt"

Wieso WRT-Teamchef Vincent Vosse nach dem Wechsel zu BMW die Ära Julius Seebach bei Audi kritisch sieht und wieso das nichts mit dem Formel-1-Einstieg zu tun hat

(Motorsport-Total.com) - Seit September gehen die Uhren bei Audi Sport offenbar wieder anders. Das hört man, wenn man mit Szenekennern spricht, die in den vergangenen Jahren mit den Ingolstädtern zu tun hatten. Denn seitdem ist nicht mehr Julius Seebach als Geschäftsführer der Audi Sport GmbH für den Motorsport zuständig, sondern Nachfolger Rolf Michl. Dennoch hatte Audi vor allem 2022 einige hochkarätige Abgänge zu verzeichnen, darunter Rene Rast und das belgische Topteam WRT.

Dieter Gass und Julius Seebach, der ihm 2020 als Sportchef bei Audi nachfolgte

Ende 2020 übernahm Julius Seebach von Dieter Gass die Rolle als Audi-Sportchef Zoom

Jetzt übt WRT-Teamchef Vincent Vosse heftige Kritik an der Art und Weise, wie bei Audi in den vergangenen Jahren der Motorsportbereich geleitet wurde. "Dieses gute Image, das Wolfgang Ullrich und seine Teams und später Dieter Gass aufgebaut haben, wurde beschädigt", stellt Vosse im Gespräch mit 'Motorsport-Total.com' klar.

"Ich bin sehr frustriert und traurig darüber. Audi war einer jener Hersteller, die sich so gut geschlagen haben im Motorsport. Sie haben ein tolles Image aufgebaut. So viele Leute waren stolz, bei Audi zu arbeiten. Die letzten Jahre waren sehr schwierig, aber es gibt jetzt Licht am Ende des Tunnels", verweist er auf Seebachs Nachfolger Michl.

Seebach als Motorsportchef? Vosse war "überrascht"

Denn im Gegensatz zu Seebach hat Michl, der früher bei Abt gearbeitet hat, eine Motorsport-Vergangenheit. "Ich war überrascht, dass jemand, der nichts mit dem Sport zu tun hatte, eine der größten und besten Motorsport-Marken führt", wundert sich Vosse über Seebach, der von Audi-Kennern als nüchterner Controller beschrieben wird und seit der Rochade bei der Audi Sport GmbH eine neue Geschäftsstelle in der Technische Entwicklung aufbaut.

"Meine Meinung hat nichts damit zu tun, ob sie in die Formel 1 gehen oder nicht. Es geht mehr um die Art und Weise, wie man etwas macht", stellt der WRT-Teamchef klar.

"Dieter Gass und Wolfgang Ullrich haben sehr gefehlt"

Wie hat Vosse, dessen Rennstall und Audi in 13 gemeinsamen Jahren viele Erfolge feierten, die Hintergründe erlebt, die zum Wechsel zu BMW führten? "Es war geplant, dass ich mit Audi ein LMDh-Programm mache - und auch, dass das GT-Programm weitergeht. Aber dann haben sie entschieden, in eine andere Richtung zu gehen", erklärt Vosse.

"Darüber kann ich mich nicht beschweren. Am Ende ist das die Entscheidung eines Herstellers für etwas ziemlich Großes, also die Formel 1", sieht er die Audi-Entscheidung pragmatisch.

Ihm gefiel aber der menschliche Umgang nicht, seit Seebach im Dezember 2020 die Rolle von Gass als Sportchef übernommen hatte: "Natürlich haben Dieter Gass und Wolfgang Ullrich in diesen schwierigen Zeiten sehr gefehlt. Sie kennen sich mit Motorsport aus und hätten anders gehandelt. Diese Zeiten waren aber vorbei. Dieter war nicht mehr am Ruder, Wolfgang schon gar nicht. Ich hatte also bei Audi mit einer anderen Art von Leuten zu tun."

Diese hätten ihm "nichts angeboten, was ich gerne getan hätte. Oder was gut für meine Firma gewesen wäre", erklärt Vosse. "Das wurde mir am 8. März mitgeteilt. Am 10. oder 11. März habe ich Gespräche mit anderen Herstellern begonnen."

"Als Rolf Michl übernommen hat, war es zu spät"

Dass er nun weiter mit Leuten wie dem ehemaligen Audi-Einsatzleiter Andreas Roos zu tun hat, der ebenfalls aus Neuburg abwanderte und seit Februar 2022 bei BMW Motorsportleiter ist, sei ein Glücksfall. "Zu meinem Glück habe ich einen sehr guten Partner gefunden, der mir beide Programme in Aussicht gestellt hat. Und zwar so, wie ich sie gerne machen würde", sagt Vosse.

"Außerdem sind das die Art von Leuten, mit denen ich gerne arbeite. Ich habe schon davor gerne mit ihnen bei Audi gearbeitet." Dennoch fühle er sich "schlecht wegen all meiner Freunde, mit denen ich Arbeitsbeziehungen hatte. Viele von ihnen wurden Teil meines Arbeitsalltags. Wir wurden dadurch Freunde."

Lob für Michl und Reinke: "Sie haben die Stellung gehalten"

Vincent Vosse

Bild aus der Vergangenheit: Vincent Vosse (re.) mit Audis Kundensport-Chef Reinke Zoom

Der Belgier, der früher selbst Rennfahrer war, nennt den neuen Motorsport-Verantwortlichen Rolf Michl und Audis Kundensport-Chef Chris Reinke. "Rolf Michl kenne ich aus der Vergangenheit. Es wäre sicher gut gewesen, mit ihm zu arbeiten", sagt Vosse - und verweist auf den menschlichen Umgang: "Als er übernommen hat, war alles anders. Aber es war zu spät."

Auch Reinke habe sich zuletzt "den Arsch abgearbeitet, damit die Umstände akzeptabel sind. Für sie war es eine sehr schwierige Zeit. Da sieht man, wer stark ist. Und ich muss sagen: Sie haben die Stellung gehalten und weiter gekämpft, so wie das bei Chris der Fall war."

Den beiden wünscht er eine erfolgreiche Zukunft: "Jetzt bin ich sicher, dass für sie bessere Zeiten bevorstehen. Ich hoffe für sie, dass sie eine gute Zukunft haben, denn sie haben nicht verdient, was in den letzten zwei Jahren dort passiert ist."

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