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Professionelles Simracing: Eine Berufsperspektive?

Ist der virtuelle Motorsport mittlerweile eine Berufsperspektive? - Der Traum von der Berufsperspektive ohne riskante Investitionen

(Motorsport-Total.com) - Die immer größere Professionalität der ADAC Simracing Expo von Jahr zu Jahr zeigt: Das virtuelle Racing erlebt einen Aufschwung, der bereits seit Jahren anhält. Und ein Ende ist momentan nicht in Sicht: Reelle Formel-1-Teams gründen eSport-Ableger und versuchen, diese zu integrieren. Sponsoren investieren in junge Talente, denen sich oft schon als Teenager die Möglichkeit bietet, vom heimischen Lenkrad aus Geld zu verdienen. Und so mancher Fahrer, der sowohl im realen als auch virtuellen Rennsport unterwegs ist, muss sich womöglich irgendwann entscheiden.

ADAC Simracing Expo 2018

Virtueller Rennsport am Simulator wird populärer und öffnet Berufsperspektiven Zoom

Wer das Simracing mit Anspruch betreibt, fährt in der Regel für ein Team. Es gibt Freizeit-Clans, die das Simracing zum Spaß betreiben. Und dann gibt es professionelle Teams, die ihre Fahrer tatsächlich bezahlen. Grundsätzlich gibt es drei verschiedene Arten solcher Teams: Die virtuellen Partner realer Rennteams sind noch eine Neuheit. Etabliert sind reine Simracing-Teams wie das Pure Racing Team oder Coanda Simsport und große eSports-Clans, die eine Simracing-Division unterhalten. Solche großen eSport-Organisationen sind in Spielen wie Counter-Strike oder Warcraft groß geworden und verfügen in der Regel über große finanzielle Ressourcen.

Der Weg nach oben: So funktioniert es

Doch wie führt der Weg nach oben? Eines vorweg: Wenn man die nötigen Voraussetzungen mitbringt, ist es einfacher als im realen Motorsport. Der finanzielle Aufwand hält sich in Grenzen, denn in der Regel reicht bereits ein Mittelklasse-Lenkrad am heimischen Schreibtisch mit einem Holzstuhl aus, um Meisterschaften zu gewinnen. Wer auf viel Tiefe und Realismus Wert legt, der kann sich Equipment vom Wert eines Sportwagens zulegen. Auf die Leistung auf der Strecke hat das aber in der Regel keinen Einfluss. Benötigt wird außerdem ein PC, der aber kein absolutes High-End-Gerät zu sein braucht.

Wenn die Hardware stimmt, geht es auf die Suche nach der passenden Software: Es gibt verschiedene Simulationen mit unterschiedlichem Anspruch. Assetto Corsa, rFactor 2 und iRacing gelten als die realistischsten Simulationen, außerdem gibt es mit Raceroom Racing Experience und Project C.A.R.S. auch leichter zu beherrschende Simultationen mit einer geringeren Einstiegsschwelle. Danach gilt es erst einmal, offline zu trainieren, bis man das Fahrzeug einigermaßen beherrscht.

Wer nach oben möchte, für den führt der Weg weiter durch sogenannte Ligen. Es gibt zahlreiche Communitys im deutschsprachigen Raum, die geordnete Meisterschaften aller möglichen virtuellen Fahrzeugklassen im Amateur-Bereich anbieten - ein idealer Einstieg für jedermann. Es steht einem Fahrer frei, nun einem Amateur-Team beizutreten oder erst einmal auf eigene Faust zu fahren. Vor dem Rennen gilt es, die Strecke zu trainieren und ein Set-up für das Auto herauszufahren. Am Rennabend stehen dann ein Freies Training, ein Qualifying und ein (oder auch zwei) Rennen auf dem Programm. Alles vom heimischen PC aus.


Fotos: ADAC Simracing Expo 2018


Wer in solchen Ligen auf sich aufmerksam macht und regelmäßig an der Spitze mitfährt (und nicht durch negative Aktionen auf der Strecke auf sich aufmerksam macht), wird früher oder später von einem professionellen Team angesprochen. Hier gibt es kaum eine Altersgrenze: Teenager können genauso erfolgreich angeworben werden wie die Generation 50+.

Professionelle Teams zahlen ein monatliches Gehalt. Zu Beginn ist dieses überschaubar im niedrigen dreistelligen Bereich. Dafür geht der Fahrer Verpflichtungen ein. Nach wie vor werden die meisten Rennen vom heimischen PC gefahren, man muss also ein Trainingspensum erfüllen. Meist treffen sich die Teammitglieder über Teamspeak zum gemeinsamen Trainieren und Austausch. Hin und wieder stehen dann auch reale Events auf dem Programm, die mit Reiseaufwand verbunden sind.

Professioneller Motorsport vs. professionelles Simracing

Einige wenige haben sogar das Simracing zu ihrem Hauptberuf gemacht. Dazu erfordert es aber Unmengen an Talent und einen langen Willen zum Durchhalten. Manche coachen Formel-1-Fahrer im Teamsimulator. Gerade hier wachsen Realität und virtuelles Racing immer weiter zusammen, da die Simulatorarbeit immer wichtiger wird.

Auch mehrere reale Rennfahrer aus den kleineren Kategorien haben sich mit dem Simracing ein zweites Standbein aufgebaut. Irgendwann werden diese Fahrer dann womöglich vor der Wahl stehen, sich für eine Seite entscheiden zu müssen. Das Simracing ist dabei die sichere Bank: Es gibt, sofern man für ein professionelles Team fährt, ein geregeltes Einkommen. Der Motorsport ist die Risikokarte: Er erfordert enorme Investitionen, man kann am Ende aber auch wesentlich mehr Geld verdienen.

Und schließlich gibt es die Quereinsteiger: Manchen Simracern ist es gelungen, im realen Motorsport Fuß zu fassen. Bekanntestes Beispiel dafür war die GT Academy von Nissan, die mehrere Piloten in GT3-Boliden gebracht hat. Es ist davon auszugehen, dass solche Karrieren in Zukunft noch häufiger zu sehen sein werden. Denn letztlich träumt jeder Simracer irgendwo davon, einmal ein echtes Rennauto zu steuern.

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