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  • 05.09.2014 · 19:40

Todt über die Formel E: "Großer Schritt im Motorsport"

FIA-Präsident Jean Todt vor dem Startschuss der revolutionären Formel E im Interview: Mit der Elektrorennserie schreibt der Motorsport Geschichte

(Motorsport-Total.com) - Am 13. September 2014 wird Geschichte geschrieben: Dann startet die neue Formel E in Peking zum ersten Mal ein Rennen. Zum ersten Mal überhaupt wird es eine internationale Rennserie geben, die rein von einem Elektromotor angetrieben wird. Der Antrieb leistet rund 272 PS und auch die Geräuschkulisse wird im Vergleich zu traditionellen Benzinmotoren anders sein. Der Automobilweltverband FIA steht voll und ganz hinter der Formel E. Auf der einen Seite ist die Serie ein interessantes Entwicklungsfeld für neue Technologien. Außerdem will die FIA mit der neuen Meisterschaft auch das Bewusstsein für Elektromobilität gewinnen. FIA-Präsident Jean Todt vor der großen Premiere im Interview.

Jean Todt

FIA-Präsident Jean Todt ist gespannt auf die revolutionäre Formel E Zoom

Frage: "Jean, kannst du uns die Inspiration hinter einer rein elektrisch angetriebenen Meisterschaft erklären?"
Jean Todt: "Die Welt verändert sich und als Aushängeschild im Motorsport haben wir die Verantwortung, mit diesen Veränderungen Schritt zu halten. Die Verbindung zwischen der täglichen Mobilität und dem Rennsport ist sehr wichtig. Ich dachte, es wäre wichtig, eine Vision für neue Technologie und für die Entwicklung der Autoindustrie zu schaffen. Deshalb haben wir die Regeln für die Formel 1 verändert. Deshalb unterstützen wir die neuen Regeln in der Langstrecken-WM. Dann kam die Idee einer eigenen Meisterschaft mit Elektroantrieb. Viele Menschen waren von dieser Idee begeistert."

"Für mich sind Elektroautos die Zukunft in Städten. Deshalb tragen wir die Rennen in Metropolen aus. Es ist ein neuer Ansatz, ein neues Produkt. Alejandro Agag (der Promoter der Formel E; Anm. d. Red.) ist sehr enthusiastisch, dynamisch und er hat ein gutes Netzwerk. Deshalb ist er der ideale Promoter. So hat alles angefangen. Wo auch immer ich mit Leuten über die Formel E spreche, sie sind sehr begeistert. Man sieht, dass die Städte dahinter stehen. Es ist unglaublich. Die klassischen Medien, die neuen Medien, das Fernsehen, die Sponsoren, die Städte, die Teams, die Hersteller und Zulieferer sind begeistert darüber."

"Wir stehen aber noch vor der Prüfung. Die erste Prüfung wird das Rennen in Peking sein. Wir haben hohe Erwartungen. Man schafft sich im Leben Erwartungen und will nicht enttäuscht werden. An diesem Punkt stehen wir jetzt."


Formel-E-Generalprobe in Donington

Frage: "Wie wirst du wissen, ob die Veranstaltung in Peking ein Erfolg war?"
Todt: "Ich kann jetzt nur über Erwartungen sprechen, über Erfolge kann ich es nicht. Wir müssen das erste Rennen abwarten. Ich werde in Peking sein. Hoffentlich sehen wir enthusiastische Zuschauer und ein aufregendes Rennen."

Formel E ist erst der Anfang

Frage: "Wo wird die Formel E in drei, fünf oder zehn Jahren stehen?"
Todt: "Die Formel E ist erst der Anfang. Es ist wichtig, das erste Rennen genau zu beobachten, um zu sehen, was funktioniert und was nicht funktioniert. Es wird entscheidend, ob sie populärer wird, der Kalender umfassender wird und neue Teams und Hersteller kommen. Wir glauben, dass wir die Rahmenbedingungen für eine positive Evolution der Serie über viele Jahre geschaffen haben. Wir werden auch Schritt für Schritt den Wettbewerb zwischen Motor- und Batteriezulieferern öffnen."

Frage: "Siehst du einen Technologietransfer von der Formel E in andere FIA Meisterschaften?"
Todt: "Wir erwarten die Entwicklung der Batterien, der Motortechnik und der Sicherheitssysteme. Diese Erkenntnisse können auf andere Serien wie die Formel 1 und die WEC übertragen werden. Man lernt immer von der einen oder anderen Meisterschaft. Zum Beispiel ist die aerodynamische Entwicklung sehr teuer. In der Formel E ist das stark eingeschränkt. Ich finde das gut, weil manchmal die Aerodynamik sehr kompliziert ist. Man muss sich nur die Formel 1 mit all den kleinen Flügelchen und Windkanaltests ansehen. Ich würde sagen, wir müssten so viel wie möglich entwickeln, das auch auf ein Straßenauto übertragen werden kann."


Formel-E-Testfahrten in Donington

Impressionen von den Testfahrten der Formel E im britischen Donington Weitere Formelsport-Videos

Frage: "Wie passt die Formel E in das Motorsportumfeld, oder ist sie einzigartig?"
Todt: "Man könnte sagen, dass die Formel E für sich alleine steht und kein weiterer Baustein im Formelsport ist. Trotzdem kann sie den Karriereweg für einige Fahrer mit unterschiedlichen Werdegängen ebnen. Es sind junge, aber auch erfahrene Piloten dabei."

Fans müssen Formel E eine Chance geben

Frage: "Die Serie hat die Chance, ein komplett neues Publikum zu erreichen."
Todt: "Ich finde das faszinierend zu sehen. Wenn wir über den FanBoost sprechen, sorgt das für eine Verbindung zwischen den Fans, dem Team und dem Fahrer."

Frage: "Bei einige Hardcore-Fans ist der FanBoost umstritten. Wie balancierst du das Engagement gegenüber dem sportlichen Element?"
Todt: "Ich finde, es ist eine frische Initiative und glaube nicht, dass es das Endergebnis beschädigen wird. Man sieht zum Beispiel, dass der Langstreckensport offener ist. Mir gefällt das. Es erlaubt den Fans nahe an ihre Helden, an ihre Teams heranzukommen. Ich glaube, es kreiert einen familiären Link zwischen den Fans und dem Team."

Frage: "Es fahren auch zwei Frauen in der Formel E mit. Das passt perfekt zur Kampagne 'Frauen im Motorsport'."
Todt: "Es ist großartig, wenn Frauen im Motorsport involviert sind. Durch unsere Kampagne sind immer mehr Frauen in allen Bereichen des Motorsports aktiv."


Erste Onboard-Fahrt der Formel E

Lucas di Grassi hat sich beim Test in Donington eine Helmkamera angeklebt und filmt erstmals eine Runde aus dem Cockpit Weitere Formelsport-Videos

Frage: "Da es bei der Formel E sehr leise ist, ist für manche Frauen sicher reizvoll."
Todt: "Es wird interessant, denn die Musik ist bei dieser Show anders. Ich finde es eine tolle Herausforderung. Es ist eine neue Show, eine sportliche Show. Es ist wie ein Cocktail. Wir müssen sicherstellen, dass alle Ingredienzien stimmig sind. Und ich muss sagen, dass die Partnerschaft zwischen dem Promoter, dem Verband und den Teams sehr ermutigend ist."

Bewusstsein für neue Technologien soll gestärkt werden

Frage: "Ein einzigartiges Feature der Serie ist es, keinen Umweltabdruck zu hinterlassen. Wie denkst du darüber?"
Todt: "Es kann die Menschen ermutigen, sich neuen Technologien zu öffnen. Derzeit werden weltweit 75 Millionen Autos pro Jahr verkauft. Nur ein Prozent davon ist mit einer neuen Technologie wie zum Beispiel einem Elektromotor ausgerüstet. Das sind weniger als eine Million Autos. Ich glaube, wir können eine wichtige Rolle dabei spielen, Elektroautos für Städte interessant zu machen."


Formel-E-Spot: "Drive the Future"

Die Formel E präsentiert sich gut einen Monat vor Saisonstart mit einem kurzen aber stimmungsvollen Werbespot Weitere Formelsport-Videos

Frage: "Wie kann die Formel E der Kampagne für Straßensicherheit helfen?"
Todt: "Jede Kategorie im Motorsport trägt dazu bei. In den vergangenen Jahrzehnten hat der Motorsport viel zur Straßensicherheit und auch zur Verkehrserziehung beigetragen. Man würde nicht ohne Helm und Sicherheitsgurt in ein Rennauto steigen. Das gleiche gilt für die Straße. Für mich muss ein Rennfahrer ein Botschafter sein. Er hat eine starke Stimme."

"Wenn er sagt, dass er am Steuer nie telefonieren oder eine SMS verschicken würde, dann werden die Leute mehr auf ihn hören. Für die FIA ist es klar. Wenn der Rennfahrer sagt, dass er auf der Rennstrecke alles aus seinem Auto herausholt, aber auf der Straße ganz normal fährt und sich an die Geschwindigkeitsbegrenzung hält, dann ist das eine starke Botschaft. Für junge Menschen sind sie Helden. Für mich hat jeder Champion auch die Verantwortung, ein Botschafter zu sein."

Frage: "Wirst du in Peking beim ersten Rennen sein?"
Todt: "Ja, und auch alle Mitglieder des FIA Motorsportweltrates werden dabei sein, weil wir eine Tagung haben. Für mich ist das erste Rennen einer Serie ein wichtiger Anlass. Es ist eine neue Meisterschaft. Das passiert nicht oft. Beim letzten Mal war es die Langstrecken-WM, aber sie wurde nur wiedergeboren. Jetzt ist es eine komplett neue Meisterschaft. Die Formel E ist ein großer Schritt in der Geschichte des Motorsports und für die Entwicklung neuer Technologien."

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