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Zweifel an der Drei-Autos-Idee: Zu spät und nicht rentabel?

McLaren-Teamchef Eric Boullier bräuchte für die Einführung eines dritten Autos mehr Zeit - Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff würde die Idee gerne umgehen

(Motorsport-Total.com) - Neben den Funkeinschränkungen, der Aufhebung des Motorenentwicklungsstopps und den anhaltenden Fahrerwechselgerüchten ist die allgemeine Gestaltung der Startaufstellung der Formel-1-Saison 2015 noch immer ein heiß diskutiertes Thema. Ein Teamsterben droht nach wie vor. Die Ecclestone-Idee eines Starterfeldes mit je drei Autos von acht Teams, die er auch unter Show- Verbesserungs-Aspekten in Betracht zieht, scheint daher gar nicht mehr so abwegig.

Nico Rosberg

Müssen sich die Mechaniker bald um drei Autos kümmern? Zoom

Während die kleineren Teams bei dem Thema Alarm schlagen, melden auch die "Großen" ihre Zweifel an der Umgestaltung an. Topteams wie Ferrari, Red Bull, Mercedes und McLaren wären zwar in der Lage, einen dritten Boliden auf die Strecke zu bringen, überzeugt sind sie von der Umsetzung deshalb noch lange nicht.

"Einen dritten Fahrer an Bord zu holen ist das Einfachste dabei", merkt McLaren-Rennleiter Eric Boullier gegenüber 'Autosport' an. "Aber was das Chassis für ein drittes Auto angeht, die Logistik und die Leute, die daran beteiligt sind, brauchen wir mindestens sechs Monate vorher Bescheid." Eine Entscheidung wäre laut dem Franzosen also langsam überfällig, denn der Saisonstart in Melbourne am 15. März 2015 ist kein halbes Jahr mehr hin.

Dennoch ist es für eine derartige Richtungsweisung Boulliers Meinung nach noch zu früh, da bisher ja noch kein Team offiziell seinen Ausstieg angekündigt hat und der Einfluss auf das Spektakel Formel 1 nach wie vor nicht geklärt ist: "Diese Diskussion kommt zu einem Falschen Zeitpunkt, denn wir müssen erst einmal abwarten. Wenn es wirklich nötig ist, dass wir ein drittes Auto einsetzen, dann werden wir weiter sehen. Der Ertrag ist eine andere Frage, aber wenn wir eines Tage gebeten werden, der Formel 1 mit einem dritten Auto zu helfen, müssen wir das wohl tun."


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Auch Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff würde lieber bei zehn bis elf Team mit zwei Autos bleiben, als einen dritten Silberpfeil produzieren zu müssen: "Ich glaube nicht, dass das gut für den Sport wäre. In den Regeln gibt es eine bestimmte Vorgehensweise, die vorsieht, dass bestimmte Teams ein drittes Auto einführen, wenn die Startaufstellung unter 20 Autos fällt. Das ist nicht der Fall und ich sehe noch nicht weniger als 20 Autos, denn das würde bedeuten, dass zwei Teams verschwinden würden."

Der Österreicher hatte zuvor schon eine Summe von circa 30 Millionen Euro in den Raum geworfen, die als zusätzliche Kosten für ein drittes Auto auf die verbleibenden Teams zukommen würden. Die Königsklasse auf diese Weise aufzuwerten, wie es Formel-1-Boss Bernie Ecclestone vorschwebt, stimmt ihn dabei misstrauisch. "Das gefällt mir nicht", so Wolff. "Ein drittes Auto bedeutet mehr Kosten. Das zu refinanzieren ist schwierig. Für kleinere Teams wäre es also nicht profitabel, ein drittes Auto einzusetzen."