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Wolff: Wie die neue Mercedes-Führungsstruktur funktioniert

Toto Wolff erklärt, wie die Aufgaben bei Mercedes verteilt sind, warum er in Brackley sitzt und wieso zunächst keine neue Struktur geplant ist

(Motorsport-Total.com) - Nach der Nominierung von Toto Wolff als geschäftsführender Direktor des Mercedes-Rennstalls und als Motorsportverantwortlicher von Mercedes war zunächst unklar, welche konkrete Rolle der Österreicher beim Formel-1-Team in Brackley, an dem er auch Anteile besitzt, spielen wird. Neben dem 41-Jährigen, der zuletzt bei Williams eine ähnliche Rolle innehatte, gibt es mit Ross Brawn einen Teamchef, Niki Lauda übt als Aufsichtsratsvorsitzender eine Kontrollfunktion aus.

Ross Brawn und Toto Wolff

Ross Brawn und Toto Wolff führen aus Brackley das Mercedes-Team Zoom

Doch wie sieht Wolff selbst die neue Führungsstruktur bei den "Silberpfeilen"? "Die Führungsstruktur ist eigentlich ganz klar", erklärt er gegenüber 'Formula1.com'. "Niki ist Aufsichtsratsvorsitzender, was bedeutet, dass er dem Aufsichtsrat in einer nicht operativen Rolle vorsteht. Er ist dreifacher Weltmeister, ist ein guter Verhandler und ist gut vernetzt. Er ist sehr geradeaus und direkt und wird sich um das Team kümmern."

Wolff selbst ist Mitglied des Vorstands: "Ich habe einen eher wirtschaftlichen Blickwinkel, aber natürlich gibt es Überschneidungen mit den Rennsportaktivitäten und Ross." Brawn sei "Teamchef und verantwortlich für das Rennteam". Und dann wäre da noch der Brite Nick Fry, der vor der Ära Brawn als Honda-Teamchef fungierte. "Er ist immer noch Geschäftsführer", sagt Wolff.

Warum Wolff in Brackley ein Büro hat

Im Gegensatz zu seinem Vorgänger Norbert Haug besitzt Wolff ein Büro in Brackley. Der Grund: "Man kann kein britisches Team aus Deutschland führen. Es gibt nicht nur einen Unterschied bei der Mentalität, obwohl es da definitiv einen Unterschied gibt, aber es geht auch darum, physisch anwesend zu sein. Ein Unternehmen aus der Distanz zu führen, funktioniert nie so wirklich, also macht man es entweder Vollzeit oder gar nicht. Und wenn man es nicht macht, dann verlässt man sich auf das Management."

"Ein Unternehmen aus der Distanz zu führen, funktioniert nie so wirklich." Toto Wolff

Laut eigenen Angaben habe er das in der Vergangenheit auch so gemacht, aber bei Mercedes hat der Wiener neue Aufgabenbereiche. Das liegt nicht daran, dass er dem Management nicht vertraut, sondern am Auftrag von Mercedes: "Teil des Vertrags war, dass ich meinen Sitz in Großbritannien habe, und das mache ich. In Wahrheit werde ich aber die meiste Zeit mit der Formel 1 und der DTM mitreisen." Zwar nicht in dem Ausmaß, wie es bei Haug der Fall war, aber dennoch wird Wolff alle Grands Prix und die wichtigsten DTM-Läufe besuchen.

Rasch nach der Bekanntgabe, dass Wolff die Verantwortung für den Mercedes-Motorsportbereich übernimmt, wurden Spekulationen laut, dass McLaren-Technikchef Paddy Lowe nach Brackley wechseln und in Zukunft das Amt von Teamchef Brawn übernehmen könnte, doch dann stellte sich heraus, dass der Brite bis Ende 2013 in Woking bleiben wird.

Keine übereilten Umstrukturierungen

Wolff erklärt nun, dass er sich in den vergangenen zwei Wochen von der Lage in Brackley ein erstes Bild gemacht hat, nun aber abwarten will: "Es ist wichtig, ein Gefühl für die Leute zu bekommen, und ich habe bei den meisten ein gutes Gefühl. Wenn es nicht in die Richtung geht, die ich mir wünsche, dann werde ich die Struktur einführen, von der ich glaube, dass sie funktioniert."

Eine Eingewöhnungszeit will er sich nicht zugestehen: "Natürlich könnte ich jetzt sagen, dass ich mit dem 2013er-Auto nichts zu tun habe, was in Hinblick auf die Performance des Autos eigentlich auch stimmt, aber das zählt nicht. Ich bin jetzt zwei Wochen hier, aber es kümmert niemanden, ob ich jetzt ein Jahr lang oder eine Woche lang da bin." Für ihn gehe es vor allem darum, "die Struktur zu verstehen und dann die richtigen Entscheidungen zu treffen." Zunächst wolle er "schauen und zuhören", dann werde er seine "Meinung abgeben und diese dann umsetzen".

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