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Williams: Nicht Mercedes entscheidet über unsere Fahrer, sondern wir!

Warum Williams die Cockpit-Besetzung für die Formel-1-Saison 2022 nicht von Mercedes abhängig macht und wer letztendlich die Entscheidungen trifft

(Motorsport-Total.com) - Mercedes spricht ganz offen darüber, einen seiner beiden Formel-E-Fahrer Stoffel Vandoorne und Nyck de Vries in die Formel 1 bringen zu wollen. Kundenteam Williams klingt da wie die logische Anlaufstelle, schließlich hat auch Mercedes-Junior George Russell dort bereits zweieinhalb Jahre lang Formel-1-Erfahrung gesammelt.

George Russell im Williams-Mercedes FW43B beim Grand Prix von Ungarn der Formel 1 2021 in Budapest

George Russell im Williams-Mercedes FW43B beim Grand Prix von Ungarn Zoom

Doch so einfach ist es nicht: Williams-Teamchef Jost Capito nämlich will sich keinen Mercedes-Fahrer aufzwingen lassen. Er sagt ganz klar: "Wir entscheiden komplett in Eigenregie, wer für uns fährt." Außerdem, so fügt Capito lachend hinzu: "Mercedes hat ja selbst zwei Cockpits, oder nicht?"

Aufgrund der Vertragsverlängerung mit Weltmeister Lewis Hamilton ist beim Werksteam aber nur noch ein Platz frei. Und der könnte an den aktuellen Williams-Fahrer Russell gehen, sofern ihn Mercedes befördern will.

Williams will Russell nicht im Wege stehen

Ob dieser Fall eintritt oder nicht, das ist bisher nicht klar. "Mir ist es auch egal", sagt Capito und erklärt seinen Standpunkt: "Ich würde mir wünschen, dass George das Cockpit [bei Mercedes] kriegt. Er ist jetzt an einem Punkt in seiner Karriere, an dem er dazu in der Lage ist, für ein Topteam zu fahren und um den Titel zu kämpfen."

Williams' Verlust wäre Mercedes Gewinn, meint Capito. "Ich würde nie einen jungen Fahrer zurückhalten, wenn er eine solche Möglichkeit bekommt. Ich hoffe also für ihn, er kriegt diese Chance."

Er würde andererseits Russell "natürlich herzlich gerne behalten", wie er sagt. "Erhält er also ein Angebot von Mercedes, dann unterstützen wir das vollkommen. Bleibt dieses Angebot aus, unterstützen wir ihn ebenso sehr. Deshalb können wir abwarten, bis da eine Entscheidung getroffen ist, wie auch immer sie ausfällt. Für uns wird es okay sein."

Warum Williams nicht unter Zeitdruck steht

Für Williams herrsche zudem kein Zeitdruck. Im Gegenteil: Das Team könne sich derzeit vor Anfragen kaum retten, sagt Capito: "Ich glaube, im Moment sprechen wir mit jedem Fahrer, der noch keinen fixen Platz oder eine Option für nächstes Jahr hat. Unser Cockpit ist das begehrteste aller Teams, die noch einen freien Platz haben." (Übersicht: Alle bereits vergebenen Cockpits für 2022!)

Jost Capito

Williams-Teamchef Jost Capito: Der Rennstall soll wieder Spitzenergebnisse erzielen Zoom

Anders als in der Vergangenheit sei Williams inzwischen aber ausdrücklich "nicht darauf angewiesen, einen Fahrer mit Geld zu nehmen", meint Teamchef Capito. Denn das würde den sportlichen Ambitionen des Rennstalls unter den neuen Eigentümern von Dorilton Capital widersprechen.

Capito erklärt: "Wir haben einen langfristigen Plan und wollen zurück an die Spitze. Daher müssen wir die Fahrer nehmen, die zu diesem Plan passen. Nur darüber denken wir nach. Natürlich kann jeder mit uns das Gespräch suchen, aber die Entscheidung liegt bei uns."

Was am Ende den Ausschlag geben wird

Natürlich werde man dabei Daten und Erfolge potenzieller Kandidaten sichten. "Man kann eben nicht generell von der Performance in einem anderen Team ausgehen, weil man weiß nicht genau, was dahintersteckt", sagt Capito bei 'Sky'.

"Es hängt aber auch viel von der Persönlichkeit ab. Ein Fahrer muss ins Team passen, das Team muss zum Fahrer passen. Man muss also sehr intensiv sprechen mit den Fahrern, die im Endeffekt in Frage kommen."

Auch intern gelte es die Fahrerfrage mit den beteiligten Abteilungen abzustimmen, bis hin zum Aufsichtsrat des Formel-1-Teams. Dort sitzt mit James Matthews ein ehemaliger Formel-3-Fahrer. "Er hat viel Motorsport-Erfahrung, er kennt die Szene", sagt Capito. "Mit ihm kann ich mich jederzeit hervorragend austauschen."

Hat Latifi eine Zukunft bei Williams?

In diesen Gesprächen wird dann wohl auch der aktuelle Williams-Fahrer Nicholas Latifi ein Thema sein, wie Capito andeutet. Latifi steht seit seinem Formel-1-Debüt in der Saison 2020 ganz klar im Schatten von Russell und hat noch nie den Qualifying-Vergleich für sich entschieden. Trotzdem räumt Capito Latifi gute Chancen auf einen Verbleib bei Williams ein.

Nicholas Latifi, George Russell

Nicholas Latifi fährt bei Williams meist hinter George Russell Zoom

Was Latifi dafür tun muss? "Sich weiter steigern und eine starke zweite Saisonhälfte hinlegen", sagt der Teamchef. Er fügt hinzu: "Im Vergleich zu George ist der Unterschied nicht so groß, vor allem nicht in den Rennen. Nicholas verfügt über einen guten Rennspeed, er bringt das Auto ins Ziel, macht keine Fehler. Er hilft dem Team, das Team mag ihn."

Der Direktvergleich mit Russell zeige zudem nicht alle Facetten auf. Im Qualifying zum Beispiel habe Latifi in manchen Fällen schlicht "Pech" gehabt, wo George Glück hatte", meint Capito und verweist auf die Windanfälligkeit des aktuellen FW43B.

Er nennt ein Beispiel, ohne den konkreten Grand Prix zu benennen: "George befand sich eben genau in dem Moment auf der Strecke, als es für unser Auto gut war. Ein paar Minuten später war es [mit anderen Windverhältnissen] bei Nicholas genau das Gegenteil."

Lasse man auch solche Episoden in die Bewertung Latifis einfließen, sei dessen Leistung "ziemlich gut", so Capito. Sein Fazit: "Es gibt keinen Grund, ihn nächstes Jahr nicht einzusetzen." Dass Latifi obendrein gute Sponsoren mitbringt, dürfte seiner Bewerbung um eine Vertragsverlängerung wohl auch nicht abträglich sein.

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