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Williams in China Ferrari auch strategisch unterlegen

Reifen als Schlüssel: Williams konnte in Schanghai im Gegensatz zu Ferrari im zweiten Stint nicht mit der weichen Mischung fahren und fiel so aussichtslos zurück

(Motorsport-Total.com) - Schon vor dem Rennen der Formel 1 zum Großen Preis von China in Schanghai hatte man im Williams-Lager erwartet, dass die Ferraris nur schwer zu halten sein würden. "Wir hatten damit gerechnet, dass sie schneller sein würden als wir", sagt Chefingenieur Rob Smedley nach dem Rennen. Dennoch rechnete man sich bei Williams Chancen aus, denn Kimi Räikkönen stand in der Startaufstellung hinter Felipe Massa und Valtteri Bottas.

Kimi Räikkönen, Felipe Massa, Valtteri Bottas, Romain Grosjean

Williams war im Kampf gegen Ferrari in Schanghai chancenlos Zoom

"Daher hatten wir auf einen Kampf gehofft, aber leider hat er uns schon in der sechsten Kurve der ersten Runde überholt", so Smedley. Bereits in der Startkurve hatte sich Räikkönen an Massa vorbeigeschoben, nachdem dieser auf Sebastian Vettel aufgelaufen war. "Ich musste bremsen, weil ich so dicht hinter Sebastian war und haben dann zwei Positionen verloren", berichtet der Brasilianer.

Beim Anbremsen der ersten Haarnadelkurve war dann auch Bottas fällig, der vom Angriff seines Landsmanns überrumpelt wurde. "Kimi hat mich überrascht. Ich habe ihn innen zu spät gesehen", sagt der Finne. "Also musste ich ihn ziehen lassen und habe so die Position, die ich beim Start gewonnen hatte, wieder verloren." Lachender Dritter war Massa, der sich im Zuge dieser Aktion auch an Bottas vorbeischob.

Zweiter Stint auf weichen Reifen keine Option

Nach dieser aus Sicht das Teams missratenen Startrunde ahnte Chefingenieur Smedley schnell, dass die Messe gelesen sein würde. "Wenn dann jemand mit einem schnelleren Auto vor dir fährt, ist es schwierig", sagt er. Und so war es auch. Nach zwölf Runden hatte Räikkönen schon einen Vorsprung von 6,4 Sekunden auf Massa herausgefahren, der nach der ersten Runde der Boxenstopps größer wurde.

"Der erste Stint war noch okay, da waren wir nicht allzu weit hinter Ferrari, aber dann sind sie immer weiter weggezogen", sagt Bottas, der seine Medienrunde nach dem Rennen ungewohnter Weise im Stehen absolvierte. "Ich muss mal stehen, denn ich fliege schon recht bald zurück. Und bis gerade habe ich zuerst zwei Stunden lang im Auto gesessen und hatte anschließend ein De-Briefing mit dem Team von über einer Stunde", erklärt der Finne dazu.

Im zweiten Stint fielen die Williams deutlicher hinter Ferrari zurück, denn im Gegensatz zu Vettel und Räikkönen setzten Massa und Bottas dort auf die härteren Reifen. "Der zweite Stint hat den Unterschied gemacht, als Ferrari auf den Options-Reifen fuhr und wir auf dem Prime", sagt Smedley. Die Strategie Weich-Weich-Medium sei für Williams nicht möglich gewesen, wie Bottas erklärt.

Massa hat Bottas klar im Griff

"Wir hatten anhand unserer Daten erwartet, dass der weichere Reifen nicht so lange durchhält. Gegen Ende des ersten Stints sind die Rundenzeiten ziemlich stark eingebrochen. Ich denke, das war für uns die schnellste Möglichkeit. Andernfalls hätten wir möglicherweise drei Mal stoppen müssen", so der Finne.

Ingenieur Smedley führt hierzu aus: "Unser Reifen-Modell, mit dem wir ins Rennen gestartet sind, war ziemlich genau. Wir wussten, dass der Options-Reifen schneller ist und etwa 14 Runden lang halten wird. Der Prime ist in der ersten Runde eine Sekunde langsamer und hielt 24 Runden. Das Problem war, dass einige Autos auch beim zweiten Stint den Options-Reifen fahren konnten. Das war bei den beiden Teams vor uns der Fall."


Fotos: Williams, Großer Preis von China


Doch Bottas, der wie schon im Qualifying über überhitzende Reifen klagte, fiel im zweiten Stint nicht nur im Vergleich zu den Ferraris zurück. "Nach dem Wechsel auf die Prime-Reifen konnte ich im zweiten Stint das Tempo von Felipe nicht ganz mitgehen. Ich muss mir zusammen mit meinen Ingenieuren anschauen, warum das so war", so der Finne. "Der dritte Stint war etwas besser, da haben die Reifen besser funktioniert." Doch mehr als Platz sechs war nicht möglich.

Einen Platz besser war Teamkollege Massa, der mit diesem Ergebnis unter den gegebenen Umständen sehr zufrieden war. "Das Rennen war sehr gut, auch wenn die erste Kurve nicht besonders stark war. Anschließend war es ein sehr gutes Rennen. Ich hatte das Tempo und die Reifen sehr gut im Griff und konnte eine Vorsprung auf meinen Teamkollegen herausfahren", sagt er. "Mit meinem Wochenende bin ich absolut zufrieden, aber die Jungs vor uns sind schneller als wir."

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