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Wieder Ärger in Silverstone?

Der "Skandal-Grand-Prix" des letzten Jahres ist noch nicht vergessen, da gibt es wieder Negativmeldungen

(Motorsport-Total.com) - FIA-Präsident Max Mosley und Formel-1-Boss Bernie Ecclestone ließen im letzten Jahr kein gutes Haar am Großen Preis von Großbritannien. Grund dazu hatten die zwei Obersten der Formel 1 allemal. Starker Regen verwandelte die als Parkplätze vorgesehen Wiesen in Schlammwüsten. Die einzigen, die sich darüber freuten, waren die Landwirte, die mit ihren Traktoren die Autos aus dem Matsch zogen und sich ihr Portemonnaie ein wenig auffüllen konnten. "Silverstone muss sich meiner Meinung nach schämen", meinte Mosley nach dem Rennen im vergangenen Jahr. "Es wäre so, als würden wir sagen, dass wir die Olympischen Spiele in England veranstalten und es nur ein kleines Stadium am Ende einer kleinen Straße gibt und man dorthin sechs Stunden benötigt. Wir würden ausgelacht werden, wenn wir dort einen WM-Lauf der Formel-1-Weltmeisterschaft austragen wollten!"

Silverstone

Noch ist Silverstone eine nicht mehr zeitgemäße Rennstreckenanlage

Die Parkplatzprobleme führten dazu, dass viele Fans gar nicht anreisen konnten oder zumindest stundenlang in Staus um die Strecke herum standen. Die Radiostationen riefen sogar dazu auf, erst gar nicht zum Rennen zu fahren. Selbst Fahrer und Teammitglieder kamen zu spät an die Strecke und das Warm Up musste wegen starken Nebels um mehr als eine Stunde verschoben werden. Es folgte eine millionenschwere Ticketumtauschaktion. Erst im Dezember vergangenen Jahres konnte die Strecke vorerst aufatmen, als man den Umzug nach Brands Hatch verhindern konnte und sich die Austragungsrechte für weitere 15 Jahre sichern konnte.

Doch Formel-1-Boss Bernie Ecclestone stellte bereits Ende Februar klar, dass Silverstone keinesfalls sicher im Kalender ist, auch wenn sich die Wettbewerber von Brands Hatch und Silverstone darauf einigten, dass das Rennen in den nächsten 15 Jahren im "Home of British Motorracing" stattfinden wird: "Wenn wir in diesem Jahr die gleichen Szenen sehen wie im letzten Jahr, wird es schwierig sein, das Rennen im Kalender zu behalten. Wir haben Silverstone klar gemacht, dass wir nicht eine Veranstaltung in der Größe der Olympischen Spiele und der Fußballweltmeisterschaft am Ende eines Ackers abhalten können. In diesem Jahr werden vorrübergehend nur 18.000 Autos an der Rennstrecke parken dürfen, während es in der Vergangenheit rund 30.000 waren. Aber langfristig müssen sie bessere und größere Parkmöglichkeiten bieten. Die Boxenanlagen sind in Silverstone in einem ärmlichen Zustand, beschämend war es letztes Jahr, dass die Leute nicht reinkommen konnten. Der Formel 1 fügt das weltweit großen Schaden zu."

Als Reaktion präsentierte Octagon Motorsports Mitte Mai einen 130 Millionen Mark schweren Modernisierungsplan, der Silverstone "zur besten Rennstrecke der Welt" machen soll. Neben neuen Parkplätzen wird auch eine Umgehungsstraße bis 2002 fertiggestellt. Die Verkehrssituation soll damit rund um den Kurs an den Rennwochenenden entspannt werden. Für das Jahr 2003 ist die Fertigstellung eines neuen Fahrerlagers vorgesehen. Geplant wird dieses von dem begehrten deutschen Architekten Hermann Tilke, der unter anderem die fulminante Rennstrecke von Malaysia baute.

Im Juni gaben die Veranstalter einen weiteren, noch ausführlicheren Umbauplan bekannt. Im Jahr 2003 sollen die Bauarbeiten an der Traditionsstrecke abgeschlossen sein. Dabei wird direkt an die Strecke Hand angelegt. Die Start- und Ziellinie soll samt den Boxengassen zwischen die Gerade nach der Abbey-Kurve versetzt werden, im Innenfeld wird man eine neue Haarnadelkurve hinzufügen. 'Club-Corner' wird die letzte Kurve der Strecke sein - eine Hochgeschwindigkeitskurve mit leichter Schräglage. Beauftragt wurde auch hier Hermann Tilke. Durch die Modifikation von rund 1,5 Kilometern Streckenführung erhofft man sich eine höhere Attraktivität für die Zuschauer und das Fernsehen. So sollen mehr Zuschauer eine besser Sicht auf die Strecke haben und die neu eingebaute Schikane zu Überholmanövern führen.

Doch trotz aller euphorischen Umbaupläne gibt es schon wieder Negativmeldungen. Octagon-Geschäftsführer Rob Bain warnt: "Es spielt keine Rolle, was wir an der Strecke tun, es wird immer noch Staus geben. Aber ich bin zuversichtlich, dass die Fans eine Besserung merken werden, wenn sie erst einmal an der Strecke sind." Rund 3,25 Millionen Mark wurden bereits in Maßnahmen investiert, die von Stauexperten geplant wurden. Neue, regensichere Parkplätze wurden geschaffen, sechs Kilometer Straße asphaltiert und die Zufahrten zu den Parkplätzen verbessert.

Die Parkplätze, die im Winter erbaut wurden, haben ihre "Wassertaufe" jedenfalls schon bestanden - dies zeigte sich im Winter, in dem es so viel regnete wie schon seit 1766 nicht mehr: "Sie haben sich als extrem gut erwiesen, auch bei den schlimmsten Überflutungen", so Bain. Und man überließ nichts dem Zufall und testete die Parkplätze im Regen: "Selbst im schlimmsten Morast konnten die Autos immer noch ohne Probleme fahren."

Doch die Veranstalter wissen, dass es noch ein weiter Weg ist, bis man sich wieder eine moderne Rennstrecke nennen kann: "Es ist unser erster Grand Prix und wir haben eine steile Lernkurve vor uns. Aber ich bin voller Hoffnung, dass Silverstone ab 2003 für seine ausgezeichnete Anlagen und seinem erstklassigen Image unter den Fans, Medien, Sponsoren und natürlich auch den Fahrern berühmt sein wird", so Bain.

Neben einem möglichen erneuten Stauchaos abseits der Rennstrecke machte diese Woche eine weitere Schreckensmeldung die Runde. Nach einem Bericht der 'BBC' hat die Regierung ihre finanzielle Unterstützung beim Umbau der Rennstrecke bisher noch nicht zugesagt und angeblich hat man sogar eine Studie in Auftrag gegeben, die überprüfen soll, ob es ökologisch nicht verträglicher wäre, die Umbauarbeiten in Brands Hatch durchzuführen. "Wir wollen auf jeden Fall in England bleiben", versichert Bernie Ecclestone. Doch der 15-Jahresvertrag scheint sein Papier momentan nicht wert zu sein - in der Formel 1 bekanntlich ja keine Seltenheit.