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Wie Fernando Alonsos Wechsel Alpines Fahrerproblem löst

Fernando Alonsos Wechsel zu Aston Martin ist für Alpine ein Verlust, löst aber auch ein Problem - Was das für Oscar Piastri und den restlichen Fahrermarkt bedeutet

(Motorsport-Total.com) - Eine Vertragsverlängerung zwischen Fernando Alonso und Alpine schien in der Formel 1 eigentlich nur noch eine Formsache zu sein. In den vergangenen Wochen hatten sowohl der Spanier als auch die Verantwortlichen des Teams ihre Zuversicht zum Ausdruck gebracht, dass die Dinge schnell geklärt werden würden.

Fernando Alonso

Fernando Alonso wird Nachfolger von Sebastian Vettel bei Aston Martin Zoom

Noch am Donnerstag sagte Alonso, er glaube, es würde nur ein zehnminütiges Gespräch brauchen, um die Dinge zu klären. Dieser Teil war wahrscheinlich richtig. Vielleicht hat es nicht einmal zehn Minuten gedauert, bis er sagte: "Leute, ich bin weg."

Möglich machte das der durch den Rücktritt von Sebastian Vettel frei gewordene Platz bei Aston Martin. Er lockte eine Vielzahl von Namen an. Natürlich gehörte auch Alonso dazu.

Bereits vor seinem Formel-1-Comeback bei Alpine hatte es Gespräche mit Lawrence Stroll über einen möglichen Deal gegeben. Doch nur wenige hätten erwartet, dass sich die Dinge diesmal so schnell entwickeln würden, insbesondere Alpine.

Der Verlust eines Fahrers von Alonsos Erfahrung und Kaliber ist ein schwerer Schlag für die französische Mannschaft. Aber er scheint auch das Problem zu lösen, das Alpine mit Oscar Piastri hatte. Denn man steckte in einem klassischen "drei Fahrer auf zwei Plätzen"-Dilemma fest, das viele Teams kennen.

Das Dilemma bei Alpine

Esteban Ocon hatte einen langfristigen Vertrag, Alonso zeigte gute Leistungen und Reservefahrer Piastri stand in den Startlöchern für einen Aufstieg in die Königsklasse.

Der Vorstandsvorsitzende von Alpine, Laurent Rossi, sagte noch in Frankreich, er sei zuversichtlich, dass sowohl Alonso als auch Piastri nächstes Jahr in der Formel 1 fahren würden, und deutete an, dass Alonso bleiben und Piastri "ausgeliehen" werden würde.


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Williams war das erwartete Ziel für den jungen Australier, der Nicholas Latifi ersetzen sollte, aber im Laufe der Zeit kristallisierte sich auch McLaren als möglicher Zielort heraus, falls Daniel Ricciardo am Ende der Saison gehen sollte.

Es wurde von Anfang an klargestellt, dass Alpine Piastri nicht verlieren wollte. Rossi betonte, man wolle ihn nur an ein anderes Team ausleihen und ihn nicht ganz gehen lassen - was geschehen wäre, wenn man ihm keinen Formel-1-Platz für 2023 verschafft hätte. Das Vertrauen in seine Zukunft ist stark.

So sehr Alpine Alonso auch nicht verlieren wollte, Piastri musste unbedingt gehalten werden. Wäre Alonso zu den Chefs gegangen und hätte das Interesse von Aston Martin als Druckmittel für einen besseren Deal genutzt, wäre die Angst vor einem Leben ohne Alonso dem Anschein nach wohl kaum so groß gewesen.

Die Tatsache, dass sich die Gespräche so lange hingezogen haben, führte zu einigen Fragezeichen über die gemeinsame Zukunft von Piastri und Alpine und darüber, ob dies die Tür für ein anderes Team geöffnet haben könnte, um sich ihn zu schnappen.

Alpine will Piastri halten

So mehrten sich im Laufe des Ungarn-Wochenendes die Gerüchte, dass McLaren eine Option sein könnte, falls Ricciardo den Rennstall verlässt - möglicherweise sogar bis 2024.

Wenn Alpine so zuversichtlich war, dass Alonso weitermachen würde, wäre ihnen Piastri dann also schon durch die Lappen gegangen? Solange Piastri noch an Alpine gebunden ist, wird die Priorität für sie darin bestehen, ihn in die Startaufstellung zu bringen und eine langfristige Zukunft nach Alonso aufzubauen.


Ralf Schumacher: ''Piastri als junger Fahrer ein zu großes Risiko''

Sky Experte Ralf Schumacher über Alpine und Oscar Piastri.

Ein Gespann Ocon/Piastri mag zwar nicht die Erfahrung oder die Starpower von Alonso haben, doch die Aussichten sind gleichwohl vielversprechend. Zumal Alpine auch endlich sein Ziel erreichen wird, einen seiner Junioren auf einen Werksfahrerplatz zu setzen - wenn auch früher als erwartet.

Die Auswirkungen auf den Fahrermarkt gehen jedoch weit über den Wechsel von Alonso zu Aston Martin und die daraus resultierende Chance für Piastri bei Alpine hinaus. Alpine ist nämlich nicht das einzige Team, das die Chance erhält, mit einem seiner eigenen jungen Fahrer nun langfristig zu planen.

Für Williams wäre es in vielerlei Hinsicht zwar attraktiv gewesen, Piastri als Leihgabe von Alpine zu holen und ihm eine Chance zu geben. Gleichzeitig hätte es aber auch wenig Sinn gemacht, Piastri in seiner Entwicklung zu unterstützen, nur um ihn dann in ein oder zwei Jahren wieder gehen zu lassen.

Wenn Williams langfristig denken und in eigene Talente investieren will, dann ist Logan Sargeant, das führende Mitglied der Nachwuchsakademie und derzeit Dritter der Formel-2-Wertung, die sinnvollere Wahl.

Rookie auch bei Williams?

Sargeant verlor den Formel-3-Titel 2020 nur um vier Punkte an Piastri und konnte - nach finanziellen Rückschlägen - in seiner diesjährigen Rookie-Formel-2-Saison beeindrucken.

Williams-Teamchef Jost Capito räumte in Frankreich ein, dass es ihm "gutes Kopfzerbrechen" bereiten würde, wenn Sargeant im nächsten Jahr eine Option für einen Formel-1-Platz wäre. Für das Team, dessen Eigentümer Amerikaner sind, könnte es der beste Schritt sein, einen jungen, amerikanischen Fahrer zu engagieren.

Ein weiterer Kandidat für Williams wäre Nyck de Vries, den das Team bereits für dieses Jahr in Betracht zog, bevor es schließlich Alex Albon verpflichtete. De Vries wird von Capito hoch geschätzt und hat sich mit Titeln in der Formel 2 und der Formel E einen Namen gemacht.

Mit seinen 27 Jahren ist er gegenüber Sargeant mit seinen 21 Jahren aber womöglich im Nachteil - und es fehlt ihm der kommerzielle Anreiz, den ein US-Fahrer für die Formel 1 mitbringen würde.

Wie schon im vergangenen Jahr nach dem Wechsel von George Russell zu Mercedes ist das freie Williams-Cockpit ein Platz, dem in der "Silly Season" eine nicht unerhebliche Bedeutung zukommt und der nicht sofort besetzt werden muss. Er könnte auch eine Option für einen Fahrer sein, dessen Platz vakant ist.


Fotostrecke: Der Sonnyboy aus Perth: Daniel Ricciardos Karriere in Bildern

So bedeutet die Bestätigung von Alonso durch Aston Martin, dass die Dinge auch für Ricciardo eine leichte Wendung genommen haben könnten. Der Australier hat sich klar dazu bekannt, seinen Dreijahresvertrag mit McLaren, der Ende 2023 ausläuft, zu erfüllen.

Ricciardo-Zukunft ungewiss

Doch Zak Browns Bemerkung im Mai über "Mechanismen" in seinem Vertrag, die einen vorzeitigen Ausstieg ermöglichen, die Verbindungen zu Piastri und die Flut von IndyCar-Fahrern, die zuletzt in McLarens Kader aufgenommen wurden, haben die Zweifel an Ricciardos Zukunft eher bestärkt als zerstreut.

Ricciardos bester Zug ist zweifellos, sich nicht zu bewegen. Aber wenn die Dinge so weit gekommen wären, dass ein Wechsel die einzige Option gewesen wäre, wäre dann Aston Martin eine mögliche Alternative gewesen? Das ist unwahrscheinlich.

Trotz seines Talents und seiner Erfolge passt Ricciardo nicht so recht in das glatte Image, das Aston Martin mit seinem Team unter der Führung von Lawrence Stroll anstrebt.

Wenn die Zusage beider Seiten, Ricciardo in Woking zu halten, konkret ist, dann wird Alonsos Wechsel nichts ändern. Aber für den Fall, dass er sich von McLaren trennen sollte, gibt es nun eine Alternative weniger.

Innerhalb weniger Tage hat ein Fahrer seinen Rücktritt erklärt und sich ein anderer für ein paar weitere Jahre in der Formel 1 entschieden. Ihre Entscheidungen werden enorme Auswirkungen auf den Fahrermarkt zeitigen. Sie haben das Karussell bereits ins Trudeln gebracht - gerade als die Sommerpause etwas Entspannung versprach.

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