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Warum Williams nicht ebenfalls eine "Mercedes-Kopie" baut

Racing Point hat es vorgemacht, aber Williams zieht nicht nach: Claire Williams erklärt, warum ihr Team nichts von einer "Mercedes-Kopie" hält

(Motorsport-Total.com) - "Es liegt nicht daran, dass wir keinen pinken Mercedes haben", sagt Claire Williams. Das Formtief des gleichnamigen Formel-1-Teams habe ganz andere Gründe. Und eben diese seien nicht mit dem Nachbau eines Konkurrenzprodukts zu beheben. Zumal dies dem Firmenethos von Williams widersprechen würde, wie die stellvertretende Teamchefin erklärt.

Vergleich Mercedes W10 vs. Racing Point RP20

Der neue Racing Point RP20 basiert klar auf dem Mercedes W10 von 2019 Zoom

"Wir sind ein unabhängiger Konstrukteur und stolz darauf", sagt sie. "Wenn wir es einmal falsch machen, dann ist das unsere Schuld. Wenn wir es richtig hinbekommen, dann streichen wir das Lob ein. Das ist extrem wichtig für unser Selbstverständnis."

Und so falsch könne das Geschäftsmodell von Williams nicht sein, meint Williams weiter. Schließlich habe das Traditionsteam aus Grove in Großbritannien in den Jahren 2014 bis 2017 "erfolgreich" in der Formel 1 operiert. Einzig "die letzten beiden Jahre" seien für Williams nicht zufriedenstellend gelaufen.

Die Williams-Bilanz der vergangenen Jahre

Tatsächlich wartet das ehemalige Weltmeisterteam bereits seit 1997 auf einen weiteren Titelgewinn und seit 2012 auf einen weiteren Rennsieg in der Formel 1.

Vor dem Beginn der Turbo-Hybrid-Ära in der Saison 2014 firmierte der Rennstall zuletzt 2007 in den Top 5 der Konstrukteurswertung, profitierte dann ab 2014 vor allem von den starken Mercedes-Antriebssträngen und belegte zwei Mal P3 und zwei Mal P5 in der Endabrechnung.


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2018 aber stürzte Williams auf den letzten Tabellenplatz ab und erlebte 2019 einen noch viel herberen Rückschlag: die bislang schlechteste Williams-Saison mit gerade mal einem WM-Punkt aus 21 Rennen. (Weitere Fakten in der Formel-1-Datenbank abrufen!)

Racing-Point-Modell für Williams nicht verlockend

Ob sich Williams gerade in dieser Schwächephase an Racing Point orientieren sollte? Das britische Konkurrenzteam hat mit seinem Mercedes-"Nachbau" zumindest bei den Testfahrten eine gute Figur gemacht.

Claire Williams will davon nichts wissen: "Ihre Entscheidung. Sie gehen die Sache eben anders an als wir. Bei uns gibt es eine komplette Produktionsabteilung im Team und das wollen wir so auch beibehalten. Diese Möglichkeit haben sie nicht. Sie sind nicht so breit aufgestellt."

Deshalb sei diese Herangehensweise für Racing Point durchaus "sinnvoll", meint Williams. Als Vorbild für ihr eigenes Team aber könne das nicht herhalten, zumal in der Formel 1 ohnehin jeder Rennstall einen eigenen Kurs verfolge. "Es gibt die unterschiedlichsten Geschäftsmodelle, die alle auf ihre Art funktionieren", sagt Williams.

Das Williams-Modell allerdings funktionierte zuletzt überhaupt nicht und das einstige Spitzenteam der Formel 1 ist inzwischen das klare Schlusslicht.