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  • 12.12.2015 · 16:01

  • von Craig Scarborough (Haymarket)

Warum McLarens Formel-1-Konzeptstudie ernst zu nehmen ist

Das von McLaren vorgestellte Formel-1-Konzeptauto MP4-X sorgte kürzlich für Aufsehen - Warum dahinter mehr steckt als ein PR-Gag

(Motorsport-Total.com) - In der vergangenen Woche veröffentlichte McLaren seine Vision einer möglichen Formel-1-Zukunft: das Konzeptauto MP4-X, welches einen Mix aus plausiblen und verrückten Ideen in sich vereint. Allein daran wird deutlich, dass es sich um mehr als nur einen PR-Gag handelt. Vielmehr soll der MP4-X mögliche Wege für die Zukunft aufzeigen.

McLarens Konzeptstudie MP4-X

McLarens Konzeptstudie MP4-X weist plausible und weit hergeholte Ideen auf Zoom

Dank einer Kombination der Ideen von McLaren Applied Technologies und dem eigenen Rennteam wurde "eine Vielzahl der Schlüsselelemente der Formel 1, wie etwa Speed, Anreiz und Performance, mit neuen Ansätzen, wie etwa geschlossenen Cockpits und Hybrid-Technologie, vereinbart".

Das Ergebnis ist ein Auto, das ganz klar an die Formel 1 angelehnt ist: Das Chassis ist lang und schmal. Flügel sind vorhanden und zwischen den Rädern gibt es viel Platz. Gleichzeitig trägt der MP4-X die etwas kontroversen Ansätze verkleideter Räder und eines geschlossenen Cockpits in sich.

McLarens Formel-1-Vision: Solarzellen und "Ladespuren"

Mit der Studie fordert McLaren die vorgefertigten Meinungen vieler Leute, was ein Formel-1-Auto ausmacht hat, ganz klar heraus. Neben dem geschlossenen Cockpit und den verkleideten Rädern nimmt das Thema Elektroantrieb eine gewichtige Rolle ein.

Für zahlreiche Formel-1-Anhänger sind die Abkehr vom offenen Cockpit und den freistehenden Rädern schlicht Frevel, doch es gibt gute Gründe dafür, dass eine solche Richtung künftig tatsächlich Sinn ergeben könnte. Im Bemühen, in einer sich stetig verändernden Welt relevant und nachhaltig zu bleiben, wird die Formel 1 mehr tun müssen als einfach nur fossile Brennstoffe zu verbrennen, um daraus Performance zu gewinnen.

McLarens Konzeptstudie MP4-X

Alternativantrieb des MP4-X: In die Struktur integrierte Batterien und Solarzellen Zoom

Schon heute ist ERS ein zentrales Thema in der Formel 1. Das von McLaren vorgestellte Konzept setzt jedoch auf noch mehr Energierückgewinnung, um einen Elektromotor anzutreiben. So beinhaltet die Studie clevere Ideen wie etwa in die Struktur integrierte Batterien und Solarzellen. Aus der Kombination dieser Ideen schöpft McLaren einen höchst effizienten und kleinen Verbrennungsmotor.

Gemäß Studie könnte ein Boost an elektrischer Energie von einer sogenannten "Ladespur" auf der Rennstrecke kommen. Fährt der Fahrer auf dieser Spur, so werden die Batterien des Autos via Induktion aufgeladen. Führt man sich den Schritt hin zu einem höchst effizienten Antriebsstrang vor Augen, dann muss das Thema Effizienz zwangsläufig auch beim Chassis eine große Rolle spielen.

Der Großteil des Luftwiderstands, den ein Formel-1-Auto generiert, ist auf die freistehenden Räder zurückzuführen. Auf den Geraden wird ein ganz erheblicher Teil der Motorleistung dafür aufgewendet, diesem Luftwiderstand entgegenzuwirken. Dass die Räder beim MP4-X vollverkleidet sind, ergibt in dieser Hinsicht absolut Sinn. Hinzu kommen die geschlossenen Radkappen, wie sie in der Formel 1 zuletzt in der Saison 2009 zu sehen waren. Auch sie sorgen für eine Reduktion des Luftwiderstands.


McLaren MP4-X Konzeptstudie

McLarens Vision der Formel-1-Zukunft: Der MP4-X zeigt die Vorstellungen der Ingenieure. Weitere Formel-1-Videos

Der Abtrieb des MP4-X wird zu großen Teilen über den Ground-Effect generiert. So weist die Konzeptstudie dank des völlig neu konfigurierten Antriebsstrangs viel Platz für großzügige Kanäle am Unterboden auf. Die Flügel folgen dem Konzept der beweglichen Technologie. Die Luft wird unter anderem durch sich verwandelnde Leitflächen und durch elektrisches Plasma in die gewünschten Bahnen geleitet.

Angesichts der Vielzahl an aerodynamischen Hilfen generiert das Auto eine Unmenge an Abtrieb. Das Kurvenverhalten ist somit hervorragend. Dank des geschlossenen Cockpits und der adaptiven Aerodynamik weiß die Studie aber auch auf den Geraden zu überzeugen. Möglich allerdings, dass man beim MP4-X den Bogen etwas überspannt hat und die Performance zum Sicherheitsproblem werden könnte.

Steuerung dank neuraler Verbindungen zum Gehirn

Bezogen auf das geschlossene Cockpit überwiegt die Verbesserung der Sicherheit die aerodynamischen Vorteile. Bei McLaren hat man sich intensive Gedanken darüber gemacht, wie der Fahrer im Falle eines Unfalls aus dem Cockpit herauskommt. Das Cockpit selbst weist weit hergeholte Ideen auf. So würde das Auto nicht per Hand und Fuß gesteuert, sondern über neurale Verbindungen zum Gehirn des Fahrers. Die Anzeigen auf dem "Armaturenbrett" schreiben sich selbständig neu, es sind holografische Displays.

McLarens Konzeptstudie MP4-X

Im Cockpit besticht die Konzeptstudie MP4-X mit revolutionären Anätzen Zoom

Hinsichtlich der Materialien, die beim MP4-X zum Einsatz kommen, regt McLaren die Möglichkeit an, dass gewisse Teile im Falle eines Unfalls zu ihrer ursprünglichen Form zurückkehren. Auch die Idee, dass das Chassis ein Selbsterkennungssystem für Schäden aufweist, scheint weit hergeholt. Tatsächlich aber wird so etwas in der Luftfahrt bereits eingesetzt.

Von außen betrachtet weist das Chassis des MP4-X keine Sponsoraufkleber, sondern digitale Flächen auf. Diese machen es möglich, dass sich die Sponsorlogos während der Fahrt verändern. Dank der geschlossenen Radkappen gibt es bessere Möglichkeiten, um Reifensensoren anzubringen. Diese könnten nicht nur die Temperatur messen, sondern auch den Verschleiß und die Beschaffenheit des Reifens. Somit wären genauere Vorhersagen hinsichtlich Boxenstopps und Reifenschäden möglich.

Der McLaren MP4-X ist das dritte futuristische Formel-1-Konzept, das von einem Team veröffentlicht wurde. Red Bull und Ferrari verfolgten mit ihren Konzepten ganz ähnliche Ansätze. Dennoch spricht vieles dafür, dass die Studie von McLaren das am intensivsten durchdachte und in einigen Bereichen das plausibelste der drei Konzepte ist.


Heiße Formel-1-Studie: McLaren MP4-X

Die mit dem MP4-X vorgestellte aerodynamische Basis, der Antriebsstrang und das Konzept hinsichtlich der Struktur sind ganz klar realistisch. Voraussetzung für eine Umsetzung wäre natürlich eine entsprechende Anpassung des Formel-1-Reglements. Was die Technik betrifft, so mögen einige Ansätze auf den ersten Blick verrückt erscheinen. Dank der sich stetig weiterentwickelnden Technologie könnten aber auch einige dieser Ideen Wirklichkeit werden.

Einige der Ansätze des MP4-X sind sicherlich derart weit gedacht, dass sie wohl nie in der Formel 1 Einzug halten werden. Dennoch macht die Studie deutlich, wohin es in den kommenden Jahrzehnten in Sachen Technologie für Straßen- und Rennfahrzeuge gehen kann. Vor dem Hintergrund der technischen Entwicklung könnte selbst das Denkmuster, dass ein Auto von einem Fahrer gefahren wird, ernsthaft hinterfragt werden.

In der Formel 1 gibt es derzeit weder für die mittel- noch für die langfristige Zukunft Pläne, derart innovative Technologien umzusetzen. Selbst die im Sinne einer kurzfristigen Einführung geplanten Regeln sind nichts anderes als einfache Abwandlungen der aktuellen Regeln. Doch um mit den Veränderungen der modernen Welt Schritt halten zu können, braucht es womöglich genau solche Ansätze wie jene von McLaren, um der Formel 1 eine Richtung für die Mitte des 21. Jahrhunderts vorzugeben.

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