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Vettel nach deutlichem Rückstand ratlos: "Das Auto macht nicht, was ich will!"

Sebastian Vettel zeigt sich nach dem ersten Trainingstag überrascht von der Mercedes-Performance und dem eigenen Auto - Vertrauen in "Lina" fehlt plötzlich

(Motorsport-Total.com) - Das dürfte man sich bei Ferrari anders vorgestellt haben. Der nach den Testfahrten von Barcelona als Favorit in die Saison gestartete Rennstall, kam am Freitag zum Auftakt der Formel 1 in Melbourne nicht auf Touren (Formel 1 2019 live im Ticker). Sebastian Vettel belegte im Freien Training nur den fünften Platz hinter beiden Mercedes und beiden Red Bull. Schlimmer noch: Der Abstand nach vorne war mit 0,873 Sekunden gewaltig.

Valtteri Bottas, Sebastian Vettel

Ferrari findet sich in Melbourne plötzlich hinter Mercedes wieder Zoom

Hat Mercedes bei den Tests nur geblufft oder Ferrari schlicht und einfach heute ein anderes Programm gefahren? Denn dass Charles Leclerc mit mehr als 1,5 Sekunden Rückstand nur auf Rang neun liegt, passt auch nicht sonderlich ins Bild und dürfte nicht unbedingt repräsentativ sein.

Doch Sebastian Vettel bestätigt selbst, dass beim neuen Ferrari heute nicht alles rund lief: "Wir waren nicht da, wo wir sein wollen", sagt er nach dem Training. Dabei zielt er aber nicht primär auf die Rundenzeit ab, sondern vielmehr auf das Gefühl mit seiner Lina. Experten hatten den Ferrari SF90 in Barcelona als das Auto gesehen, das am ruhigsten auf der Strecke liegt und mit dem die Piloten das beste Vertrauen zu haben schienen.

Vettel: Plötzlich ist das Vertrauen weg

Davon waren die Roten in Melbourne aber plötzlich weit weg: "Ich kann spüren, dass ich das gleiche Auto wie bei den Testfahrten habe, aber es macht nicht die gleichen Dinge. Es macht hier und da nicht das, was ich gerne hätte", hadert der Deutsche.


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Darum fehlt ihm aktuell etwas das Vertrauen und der Rhythmus. "Aber das ist hier ziemlich wichtig. Ich hoffe, dass morgen ein besser Tag ist und wir das Vertrauen und den Groove zurückbekommen können. Dann ist auch noch eine Menge an Rundenzeit drin", sagt Vettel. Dass Ferrari das auch rauskitzeln kann, da ist er optimistisch: "Das Auto kann viel mehr."

Trotzdem darf man sich fragen, warum Vettel nach den guten Eindrücken von Barcelona plötzlich das Vertrauen fehlt. Ganz überrascht ist er davon nicht: "Ich habe das schon öfters so gehabt", sagt er. Vettel weiß: Melbourne ist als nicht permanenter Rennkurs eine völlig andere Geschichte als Barcelona, das die Teams in- und auswendig kennen. Hinzu kommen mehr Bodenwellen, mehr Wind und eine höhere Temperatur.

Suche nach Antworten läuft

Eine Antwort auf die Probleme hat Ferrari noch nicht. "Sonst hätten wir das nach dem ersten Training schon abgestellt", sagt der viermalige Weltmeister. Dort habe es nämlich bereits erste Anzeichen gegeben, die sich dann am Nachmittag verschlimmert hätten. "Es war aber keine schreckliche Session, es gab auch Sachen, die wirklich gut funktioniert haben und auf denen wir aufbauen können."

Sebastian Vettel

Der Deutsche versucht optimistisch zu bleiben Zoom

So hat das Team unter anderem einen technischen Kniff mit nach Melbourne gebracht und zwei unterschiedliche Felgendesigns links und rechts an den Vorderreifen getestet. Hintergrund: Weil die harten Bremszonen alle vor Rechtskurven liegen, muss das rechte Vorderrad für den richtigen Lenkwinkel stärker bremsen. Da die rechte Bremse somit härter arbeiten muss, hat man eine zusätzliche Kühloption verbaut. All das sollte helfen, den Vorsprung auf Mercedes zu halten. Jetzt ist es andersherum.

Nun ist aber die große Frage: Wie groß ist der Abstand zu Mercedes wirklich? Dass die Silberpfeile einen derart großen Vorsprung haben würden, war nach den Testfahrten nicht abzusehen. Das dürfte nicht nur viele Ferrari-Fans verwundert haben, selbst Vettel ist etwas ratlos: "Keiner hat verstanden, was Mercedes bei den Testfahrten gemacht hat", sagt er und spricht von einer "Überraschung".

Vettel: Mercedes in eigener Liga

"Sie sahen sehr schnell aus. Ich weiß nicht, ob nur wir Probleme hatten oder auch andere, aber Fakt ist: Sie waren in ihrer eigenen Liga. Vielleicht hatten alle anderen Probleme, dann können wir es herumreißen, aber sie sehen viel stärker aus, als sie vor dem Wochenende behauptet haben."


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Laut Vettel verliert Ferrari derzeit in jeder Kurve etwas und muss sich daher auf allen Streckenteilen verbessern. So kämen auf Strecken wie Melbourne gerne einmal acht Zehntelsekunden Abstand zustande. "Da mache ich mich jetzt nicht verrückt", winkt er ab.

Doch es ist auffällig, dass die Zuversicht bei Ferrari schon nach dem ersten Tag wie weggeblasen scheint. "Überhaupt nicht zuversichtlich", antwortet auch Teamchef Mattia Binotto, als er nach dem ersten Training gefragt wird, wie die Gefühlslage vor der neuen Formel-1-Saison bei Ferrari aussieht. Er will die Wintertests nicht zu hoch hängen und bezeichnet Mercedes immer noch als das Team, das es zu schlagen gilt.

Gibt es noch das rettende Ass?

Ferrari muss sich strecken, wollen sie Melbourne nicht als geschlagener Verlierer verlassen, doch die Zeichen deuten derzeit gegen einen Erfolg der Roten in Down Under. Denn ein Ass im Ärmel scheint das Team aktuell nicht zu haben: "Ich habe ein kurzes T-Shirt an, also würde man es direkt sehen, wenn da noch ein Ass kleben würde", nimmt es Vettel mit Humor, bildet damit aber wohl eine schlechte Prognose ab.

Allzu große Sorgen möchte er sich aber dennoch nicht machen: "Wir waren zwar nicht so schnell, wie wir gehofft hatten, aber es ist nur Freitag. Ich bin sicher, dass sich am 1. Dezember keiner mehr an heute erinnern wird."

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