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Verbotenes Ersatzauto: Doppelte Strafe gegen Williams nach Sargeant-Crash

Logan Sargeant kann nach seinem Crash im Qualifying am Rennen in Suzuka teilnehmen - Williams wurde nach dem Unfall am Samstag aber doppelt bestraft

(Motorsport-Total.com) - Williams-Pilot Logan Sargeant startet mit einem doppelten Handicap in den Großen Preis von Japan. Nach seinem Crash im Qualifying am Samstag war bereits absehbar, dass er dem Feld aus der Boxengasse hinterherfahren muss. Zusätzlich bekommt er aber auch noch eine Zehn-Sekunden-Zeitstrafe.

Titel-Bild zur News: Guanyu Zhou, Logan Sargeant

Logan Sargeant muss beim Rennen unter anderem aus der Boxengasse starten Zoom

"Wir müssen nun ein ganzes Auto für Logan wiederaufbauen", erklärte Dave Robson, Leiter der Fahrzeug-Performance bei Williams, bereits am Samstag. Und genau das wurde dem Team zum Verhängnis, denn in der Tat bekommt der Rookie für das Rennen ein komplett neues Auto.

Williams musste das Chassis tauschen, was grundsätzlich erlaubt ist. Allerdings stellen die Stewards fest: "Das betreffende Chassis war zu mehr als einer Baugruppe montiert, die eine Überlebenszelle im Sinne von Artikel 27.2 des Sportlichen Reglements der Formel 1 umfasst."

Daher müsse es "als ein drittes Auto betrachtet werden, das dem Teilnehmer zur Verfügung steht." Und genau das ist verboten, denn Artikel 27.1 besagt, dass ein Team während eines Rennwochenendes nicht mehr als zwei Autos zur Verfügung haben darf.

Sogenannte "T-Cars", wie sie in der Formel 1 früher üblich waren, sind bereits seit Jahren nicht mehr erlaubt. Die doppelte Strafe gab es deshalb, weil Williams beim Neuaufbau des Autos zudem Teile in einer anderen Spezifikation als beim zerstörten Boliden verwendete.

Williams verstößt gegen gleich vier Artikel

In so einem Fall muss der Fahrer laut Artikel 40.9 das Rennen aus der Boxengasse aufnehmen, was nicht ungewöhnlich ist. Die Stewards erklären: "Da ein Start aus der Boxengasse bereits für die Änderung von Teilen verhängt wird, war eine weitere Strafe für das Vorhandensein eines dritten Chassis angemessen."

So kam es zur zusätzlichen Zehn-Sekunden-Strafe. Insgesamt hat Williams laut den Rennkommissaren gegen die Artikel 27.1, 27.2, 40.6 und 40.9 verstoßen. Ein Sonderfall also, weshalb die Stewards empfehlen, "dass dieses Thema erneut im Sportlichen Beraterkomitee diskutiert wird."

Denn tatsächlich handelte Williams wohl nicht in böser Absicht. Vielmehr halten die Rennkommissare fest: "Es ist zu beachten, dass die im Parc Ferme zur Verfügung stehende Arbeitszeit für die Montage eines kompletten Fahrzeugs begrenzt ist und daher im Falle eines schweren Unfalls die Teilnahme eines Fahrzeugs am Rennen gefährdet sein kann."


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Mit anderen Worten: Hätte Williams nicht bereits angefangen, ein "drittes Auto" aufzubauen, hätte Sargeant womöglich gar nicht an den Start gehen können. Robson erklärt dazu: "Natürlich dürfen wir über Nacht [auf Sonntag] nicht viel tun."

Man habe jedoch "fast alles" ersetzen müssen: "[Das Auto] wird also ein Ersatzchassis und eine Ersatz-Powerunit haben. Eine bereits verwendete, also keine zusätzliche Strafe. Ersatz-Getriebe, ebenfalls ein bereits gebrauchtes. Unterboden, Heckflügel, Frontflügel ..."

Am Rennen darf Sargeant übrigens ohnehin nur mit einer Sondergenehmigung teilnehmen, weil er im Qualifying keine Zeit gesetzt und damit die 107-Prozent-Marke verpasst hatte.