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USA 2017: "Idioten-Steward" Connelly über kontroverse Verstappen-Strafe

Garry Connelly wurde in der breiteren Öffentlichkeit 2017 als "Idioten-Steward" bekannt - Warum er trotzdem zu seiner damals kontroversen Entscheidung steht

(Motorsport-Total.com) - Viele Formel-1-Fans dürften sich noch gut an die letzte Runde des Großen Preises der USA im Jahr 2017 erinnern. Max Verstappen, der als 16. gestartet war, überholte auf den letzten Metern Kimi Räikkönen im Ferrari und sicherte sich so Platz drei. Aufs Podium durfte der Red-Bull-Pilot anschließend allerdings nicht.

Max Verstappen

Max Verstappen bekam 2017 in den USA eine nachträgliche Zeitstrafe Zoom

Weil er bei dem Überholmanöver kurz neben der Strecke war, bekam er nachträglich eine Fünf-Sekunden-Strafe, durch die er im Endklassement wieder hinter Räikkönen auf Rang vier rutschte. "Es ist dieser eine Idioten-Steward da oben, der immer Entscheidungen gegen mich trifft", wütete Verstappen damals nach dem Rennen.

Dieser "Idioten-Steward" war Garry Connelly, der sich nun in einer FIA-Konferenz zu genau dieser Situation geäußert hat. Der damalige Zwischenfall sei ein perfektes Beispiel dafür, dass man als Rennkommissar bei einer Entscheidung nicht nur die Seite des Übeltäters sehen dürfe. "Es war die richtige Entscheidung", sagt er auch heute noch.

Zwar räumt er ein, dass Verstappen in der Situation ein "brillantes" und "großartiges" Manöver gegen Räikkönen gezeigt habe, weshalb es für ihn und seine Kollegen eine "schwierige Entscheidung" gewesen sei, "weil wir Max Verstappen [mit der Strafe] den dritten Platz und das Podium wegnehmen mussten".

Connelly: Man muss beide Seiten sehen

"Mika Salo war unser Fahrerkommissar. Und Mika sieht extrem schnell, was auf einer Rennstrecke passiert", erinnert er sich und erklärt: "Er sagte uns sofort, dass es ein brillantes Manöver von Max war, aber dass er innen in der Kurve ungefähr einen Meter neben der Strecke war. Er verließ die Strecke, um zu überholen."


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Und tatsächlich sei nach dem erneuten Ansehen der Bilder "sehr, sehr klar" gewesen, dass das Manöver illegal war. Es habe "eine Menge Kritik" in den sozialen Medien gegeben. "In den Niederlanden waren wir die Staatsfeinde Nummer eins. Und überall auf der Welt waren die Red-Bull-Fans in Aufruhr - und viele andere auch", erinnert sich Connelly.

Salo bekam sogar Morddrohungen von aufgebrachten Fans. "Aber wir haben es uns auch aus einer anderer Perspektive angesehen", betont er und erklärt, dass Räikkönen auf der anderen Seite "seine rechtmäßige Position gestohlen" wurde. "Max hätte Kimi nicht überholen können, wenn er sich an die Regeln gehalten hätte", stellt er klar.

Sieht es Verstappen heute auch so?

"Es ist ganz leicht, sich an die Regeln zu halten", erinnert er und präzisiert: "Man darf die Strecke nicht verlassen, um jemanden zu überholen oder sich einen Vorteil zu verschaffen. Und das war ein nachhaltiger Vorteil. Er kam von Platz vier auf drei, weil er einen Meter neben der Strecke überholte."

Zwar tue einem die Strafe in so einem Fall dann leid. "Aber man muss auch an die anderen Fahrer denken, die von dem Manöver betroffen sind", so Connelly, der im Hinblick auf die spezifische Situation erklärt, es sei "wahrscheinlich eine der schwierigsten Entscheidungen" gewesen, die er jemals mit seinen Kollegen treffen musste.

"Das wird mir immer anhängen", so Connelly. "Aber ich denke weiterhin, dass wir das Richtige getan haben", betont er und ergänzt: "Ich bin mir sicher, dass Max Verstappen heute rückblickend auch zustimmen würde." 2017 hatte Verstappen gewettert: "Mit diesen dummen Entscheidungen tötet man den Sport."