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Toto Wolff: Jeder hatte die Freiheit, in Dschidda nicht zu fahren

Mercedes-Teamchef Toto Wolff sagt, dass es "keinerlei Druck von unserer Seite" gab, um die Fahrer davon zu überzeugen, trotz Expolosion in Saudi-Arabien zu fahren

(Motorsport-Total.com) - Nach der Explosion am Trainingsfreitag in Dschidda und stundenlangen Diskussionen darüber, ob und wie das Formel-1-Wochenende weitergehen sollte, nahm dieses scheinbar ganz normal seinen Lauf. Doch hinter den Kulissen soll vor allem unter den Fahrern nicht jeder mit der Entscheidung glücklich gewesen sein.

Toto Wolff

Toto Wolff verteidigt die Entscheidung, in Dschidda ein Rennen zu fahren Zoom

Trotzdem betont Mercedes-Teamchef Toto Wolff, dass die Gespräche ohne jeglichen Druck seitens der Teamvertreter auf die Fahrer stattgefunden hätten. "Es gab kein Drängen von unserer Seite, es waren gute Gespräche", sagt der Österreicher.

"Als die Teamchefs mit den Fahrern sprachen, war das, was wir besprochen haben, sinnvoll und übte überhaupt keinen Druck aus, aber vielleicht wurde das anders wahrgenommen. Am Ende war die Show und das Spektakel erstaunlich, und was wir als Sport abgeliefert haben, war großartig. Das ist es, was der Sport tun sollte."

Wolff: Niemand im Team in ernsthafter Sorge

Gleichzeitig versichert Wolff, dass es jedem Fahrer und auch jedem anderen Teammitglied frei gestanden hätte, aufgrund der Umstände nach Hause zu fahren. "Wenn wir hier ein Rennen fahren und ein Teammitglied entscheidet, dass es nicht antreten möchte, steht es ihm natürlich frei, dies zu tun", so Wolff.

"Ich glaube, die Fahrer waren sich in den ersten Diskussionen ziemlich einig, aber im Gespräch mit uns und den Offiziellen konnten wir sie überzeugen, dass es das Beste ist, das Rennen zu fahren. Und was die Teammitglieder angeht, so gab es in meinem Team keinen einzigen, der sich in irgendeiner Form Sorgen gemacht hätte."


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Der Anschlag auf eine Anlage des Mineralölherstellers Aramco in Dschidda, nahe der Formel 1 in Saudi-Arabien, hat für große Unsicherheit gesorgt. Weitere Formel-1-Videos

In dem Zusammenhang verweist der Formel-1-Teamchef auch darauf, dass keiner der Regierungsmitarbeiter und ihre Familien den Ort verlassen hätten. "Diese Angriffe richteten sich hauptsächlich gegen die Infrastruktur", weiß Wolff.

Mercedes-Teamchef sieht positive Veränderungen

"Soweit ich mich erinnern kann, gab es seit langem keinen Angriff auf Saudi-Arabien, der zivile Opfer gefordert hätte", sagt er. "Deshalb müssen wir einfach verstehen, dass dies kulturell ganz anders ist, als wir es in unseren westlichen Kulturen sehen."

"Ist es für uns akzeptabel, zehn Meilen von einer explodierenden Drohnenrakete entfernt Rennen zu fahren? Sicher nicht. Aber hier, innerhalb ihrer Kulturen, passieren diese Dinge."

Was die allgemeine Situation in Saudi-Arabien betrifft, sieht Wolff durchaus Fortschritte: "Um ehrlich zu sein, habe ich in den fünf Jahren, die ich hier bin, Veränderungen gesehen. Und ich wiederhole, was ich schon einmal gesagt habe: Wir sind da, wo wir sind, aber es gibt noch so viel zu tun. Sehr viel."

Formel 1 bleibt für Bedenken der Fahrer offen

Wegen der Menschenrechtslage vor Ort wird die Formel 1 immer wieder dafür kritisiert, dass sie in Ländern wie Saudi-Arabien fährt. Der Sport selbst argumentiert, mit seiner Präsenz positive Veränderungen im Land bewirken zu können.


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Doch mit der Explosion am Freitag geriet zum ersten Mal auch die Sicherheit der Fahrer an der Strecke in den Fokus. Sie gaben im Anschluss an die besagten Gespräch über die Fahrervereinigung GPDA an, dass es "natürliche menschliche Bedenken" gegeben habe, die jedoch letztendlich ausgeräumt werden konnten.

Einige Piloten waren aber der Meinung, dass nach dem Rennwochenende über die Zukunft des Grand Prix von Saudi-Arabien diskutiert werden müsse. Formel-1-CEO Stefano Domenicali sagte daraufhin, die Rennserie sei "nicht blind" gegenüber den Bedenken, weiterhin Rennen in Saudi-Arabien auszutragen.

Wolff: "Sport kann es zu besserem Ort machen"

Zugleich betonte der Italiener, dass die Formel 1 aber auch "eine sehr wichtige Rolle bei der Modernisierung dieses Landes" spiele. Dem schließt sich Wolff an: Man müsse "den Menschen die Chance zu geben, sich zu verbessern". Der Sport trage dazu bei, die Probleme in Saudi-Arabien ins Rampenlicht zu rücken.

"Haben Saudi-Arabien und einige der anderen Länder des Nahen Ostens die gleichen Werte und die gleiche Kultur wie wir in Europa? Nein, das tun sie nicht. "Sind sie dort, wo wir sie haben wollen? Nein", räumt der Mercedes-Teamchef ein.

"Können wir, indem wir hierher kommen, die Aufmerksamkeit auf diesen Ort lenken, indem wir hier Formel-1-Rennen fahren, indem wir diese Themen sichtbar machen und damit diesen Ort zu einem besseren Ort machen? Ich glaube immer noch daran."

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