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  • 14.12.2009 · 17:36

  • von Stefan Ziegler

Theissen: "Qadbak war ein seriöser Interessent"

BMW Motorsport Direktor Mario Theissen im Interview: Über die "Hängepartie" bis zum Verkauf, die geplatzte Qadbak-Blase und den Exodus der Hersteller

(Motorsport-Total.com) - Wie das Beispiel Henkel/Brawn/Mercedes aktuell beweist, haben Betrüger in der Formel 1 derzeit Hochkonjunktur. Einem solchen ist auf BMW aufgesessen, als man das Sauber-Team an einen Investor namens Qadbak verkaufen wollte. Der Deal platzte. Inzwischen hat BMW mit Peter Sauber jemanden gefunden, der die Zukunft des Rennstalls sichern kann. Darüber und über vieles mehr spricht BMW Motorsport Direktor Mario Theissen im Interview.

Mario Theissen

Mario Theissen wird nächstes Jahr nicht mehr in der Formel 1 vertreten sein

Frage: "Herr Theissen, wie sehen sie rückblickend die Geschichte des BMW Sauber F1 Teams von der Ankündigung des Formel-1-Ausstiegs bis hin zur Startfreigabe des Sauber-Teams?"
Mario Theissen: "Das war natürlich eine Hängepartie, die viel Kraft gekostet hat - insbesondere noch während der Saison. Einerseits, weil wir den Druck auf dem Kessel halten mussten."#w1#

"Wir hatten den Anspruch, die Saison auf einem Hoch abzuschließen und nicht in der Verfassung, in der wir in der ersten Saisonhälfte waren. Andererseits wollten wir natürlich dafür sorgen, dass das Team eine Zukunft hat. Das war für alle Beteiligten nicht einfach. Ich bin aus diesem Grund auch sehr froh, dass diese Sache mit der FIA-Freigabe nun auch erledigt ist."

Die Qadbak-Seifenblase

Frage: "Der angestrebte Verkauf an Qadbak war sehr schwierig nachzuvollziehen, weil alles sehr oberflächlich ablief und die Hintergründe kaum aufgedeckt wurden. Wie lautet ihr Kommentar dazu?"
Theissen: "Wir gingen und gehen davon aus, dass Qadbak ein seriöser Interessent war. Wegen verschiedener Voraussetzungen, die dafür hätten erfüllt sein müssen, ist der Verkauf letztendlich aber nicht umgesetzt worden. Ich möchte aber nicht näher darauf eingehen."

¿pbvin|512|2143|bmw|0|1pb¿"Für uns war in dem Moment, in dem klar wurde, dass das vielleicht nichts wird, entscheidend, die alternative Diskussion mit Peter Sauber wieder aufzunehmen. Peter Sauber hat ein neues Paket vorgelegt, an dem er über die ganze Zeit hinweg parallel gearbeitet hatte. BMW hat dieses Paket innerhalb weniger Stunden 1:1 akzeptiert. Damit war der Verkauf besiegelt."

Frage: "Nach der Trennung von Williams wollte BMW mit der Übernahme des Sauber-Teams einen eigenen Weg gehen, doch die Ergebnisse waren nicht besser. Woran lag das? Was hat nicht geklappt?"
Theissen: "In meinen Augen waren die Resultate deutlich besser. Ende 2005 haben wir das Sauber-Team übernommen, als es ein Mittelfeldteam war. Damals wurde der Rennstall auf dem achten Rang der Gesamtwertung geführt, wohingegen Williams auf Rang fünf lag."

"2006 gelang uns der Sprung auf den fünften Platz und Williams wurde auf Position acht zurückgereicht. 2007 wurden wir bereits Dritter und aufgrund des Ausschlusses von McLaren sogar Zweiter. Wir haben das als Platz drei angesehen. Wieder lagen wir deutlich vor Williams."

Nur 2009 als Enttäuschung

"2008 hatten wir elf Podien, erneut Platz drei und konnten uns erneut deutlich vor Williams klassieren. Zudem hatten wir einen Doppelsieg. 2009 war ein enttäuschendes Jahr für uns. Unser Auto war offensichtlich einfach nicht schnell genug. Trotzdem haben wir die Saison wieder vor Williams abgeschlossen. Diese Entscheidung hat sich also als richtig erwiesen."

"Ich würde nicht sagen, dass die Formel 1 nicht mehr interessant ist." Mario Theissen

Frage: "Honda hat die Formel 1 Ende 2008 verlassen, BMW und Toyota sind in diesem Jahr ausgestiegen und Renault könnte 2010 ebenfalls nicht mehr an den Start gehen. Weshalb ist die Formel 1 für Hersteller nicht mehr interessant? Ist das nur eine Geldfrage?"
Theissen: "Ich würde nicht sagen, dass die Formel 1 nicht mehr interessant ist. Vielmehr hat sich die Unternehmensphilosophie von BMW verändert und der Fokus hat sich verschoben."

"Der Motorsport ist noch immer Teil von unserem Aufgabenbereich. Die Formel 1 verlangt in ihrem jetzigen Zustand aber ungeheuer viele Ressourcen und ist schlichtweg nicht mehr die tragende Säule der Unternehmensstrategie. Das war der Hauptgrund für diese Entscheidung."

Frage: "Sind das die gleichen Gründe wie bei den anderen Herstellern?"
Theissen: "Nein. Da gab es gewiss unterschiedliche Gründe. Honda sagt, dass es an den Ressourcen lag, und bei Toyota ist das ebenfalls der Hauptgrund. Bei uns war es anders."

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