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Surer befürchtet keinen neuen Formel-1-Krieg

Die Teams haben sich kürzlich zur FOTA zusammengeschlossen, mit einer Neuauflage des FIA/FOCA-Streits rechnet aber kaum jemand

(Motorsport-Total.com) - Während der Automobilweltverband FIA unter der Führung von Max Mosley hinter den Kulissen um mehr Einfluss auf das Formel-1-Imperium von Bernie Ecclestone kämpft, haben sich auch die Teams zur Interessensgemeinschaft FOTA (Formula One Teams Association) zusammengeschlossen. Da fühlt sich so mancher an vergangene Zeiten erinnert.

Start in Brasilien 2007

Die Formel-1-Teams haben sich dieses Jahr zur FOTA zusammengeschlossen Zoom

Rückblende: Vor 26 Jahren eskalierte der Streit zwischen der FIA-Vorgängerorganisation FISA und der damaligen FOCA, der Formula One Constructors Association. Hinter der FOCA standen Ecclestone und Mosley, die gemeinsam mehr Einnahmen für die Teams forderten - genauer gesagt 540.000 US-Dollar Startgeld pro Rennen. Beim Grand Prix von San Marino streikten die FOCA-Teams, während die FISA-Teams einen Farcelauf mit nur fünf Autos im Ziel ausfuhren.#w1#

Der Ursprung des Concorde-Agreements

"Beide Seiten provozieren natürlich ein bisschen. Ich bin aber sicher, die beiden Seiten brauchen einander." Marc Surer

Der Machtkampf endete damit, dass Ecclestone und Mosley ihre Forderungen gegen FISA-Chef Jean-Marie Balestre durchsetzen konnten - mit Enzo Ferrari als Vermittler. In weiterer Folge entstand das erste Concorde-Agreement der Formel-1-Geschichte, in dem bereits geregelt war, dass die FOCA die kommerziellen, die FISA die sportlichen Angelegenheiten regelt. Auf diesem Dokument basiert das beeindruckende Ecclestone-Imperium in seiner heutigen Form.

26 Jahre später möchte die FIA wieder ihren Willen durchsetzen, neue Reglements einführen, die Kosten senken, Umwelttechnologien pushen. Doch erstmals seit vielen Jahren scheint es unter den Teams so etwas wie eine gemeinsame Linie zu geben - weshalb es überhaupt erst zur Gründung der FOTA kommen konnte. Dass es zu einem mit den 1980er-Jahren vergleichbaren Machtkampf kommen wird, vermuten Szenekenner aber nicht.

"Beide Seiten provozieren natürlich ein bisschen. Ich bin aber sicher, die beiden Seiten brauchen einander", analysiert 'Motorsport-Total.com'-Experte Marc Surer die Situation. "Die FIA braucht die Formel 1 - ohne die Formel 1 ist die FIA nichts. Umgekehrt braucht die Formel 1 die FIA, denn nur wenn sie eine offizielle Meisterschaft ist, ist sie das, was sie heute ist. Die werden schon irgendwie wieder zusammenfinden."

Persönliche Hintergründe?

"Das sind Machtkämpfe - und diese Machtkämpfe sind sehr persönlich bedingt." Marc Surer

Der ehemalige Grand-Prix-Pilot hat den FISA/FOCA-Streit übrigens hautnah mitbekommen, stand 1982 beim Arrows-Team unter Vertrag und gehörte damit zu jenen Rebellen, die den San-Marino-Grand-Prix ausließen, um ein Zeichen gegen die FISA zu setzen. Surer glaubt, dass es heute nicht mehr nur um die Sache geht: "Das sind Machtkämpfe - und diese Machtkämpfe sind sehr persönlich bedingt", vermutet er.

"Mosley will sich nach seiner Rehabilitierung durch das Gerichtsurteil wieder durchsetzen. Er will seine Ideen durchbringen. Das Schlimme daran ist, dass er nicht mehr auf die Teams hört, sondern von sich aus einfach irgendwelche Dinge vorschlägt. Diese Dinge kommen dann in einem Maße, was so gar nicht durchführbar ist. Er hofft drauf, dass die Teams auf halbem Wege einlenken - und dann hat er gewonnen", so der 82-fache Grand-Prix-Teilnehmer.

Mosley-Ultimatum bis 3. Oktober

Bernie Ecclestone und Max Mosley

Bernie Ecclestone und Max Mosley kämpften in den 1980ern Seite an Seite Zoom

Surer spricht damit das Mosley-Ultimatum an, wonach die Teams bis 3. Oktober ihr eigenes Formel-1-Reglement präsentieren müssen. Scheitern Ron Dennis, Flavio Briatore und Co. wie so oft dabei, sich einig zu werden, dann kann am Ende die FIA wieder ihr eigenes Ding durchziehen. Doch selbst wenn die Frist ergebnislos verstreichen sollte, wollen sich die Teams über die FOTA Gehör verschaffen. Und ganz nebenbei bemerkt: "Ich finde Mosleys Ideen gut", sagt Surer.

"Es ist aber vielmehr immer die Sache: Wenn man Kosten sparen will, auf der anderen Seite Entwicklungen vorantreiben und die Hersteller halten, dann sind das drei verschiedene Faktoren. Ein Beispiel: KERS ist für die Hersteller eine tolle Geschichte, ist aber auf der anderen Seite wieder teuer. Wenn man alles limitieren will, dann hat man eine Einheitsformel, wie man sie andernorts hat. Das fände ich sehr, sehr schlecht", sagt der 56-Jährige.

Und weiter: "Wenn wir in die IndyCar-Serie schauen, dann haben wir das beste Beispiel. Da geht die Attraktivität total verloren. Die tun sich so schwer. Die Leute gehen dorthin, wo zwei oder drei Marken gegeneinander fahren, nämlich in die NASCAR. Das darf nicht passieren. Also muss Mosley einsehen, dass die Hersteller sehr wichtig sind und dass genau die Hersteller die Formel 1 eigentlich machen", verweist Surer auf das US-Racing.

Die gute alte Zeit...

"Die Hersteller sind die Formel 1." Marc Surer

Obwohl er selbst Teil dessen war, was heute oftmals als goldene Ära der Formel 1 bezeichnet wird, findet der 'Motorsport-Total.com'-Experte, dass man mit der Zeit gehen sollte: "Die Hersteller sind die Formel 1, so ist es nun mal. Wenn man zurückdenkt an die Zeit, als alle Cosworth-Motoren gefahren sind, dann ist das vielleicht die gute alte Zeit, aber heute nicht mehr aktuell. Man muss hier einen Kompromiss finden."

Es bleibt abzuwarten, wie stark die Teams als FOTA - die britische Formel-3-Vereinigung heißt übrigens genauso - ihre Muskeln spielen lassen werden, aber die Ausgangslage ist eine ganz andere als vor einem Vierteljahrhundert. Damals ging es in erster Linie um Geld, heute um den Einfluss auf den Sport. Denn die kommerziellen Belange sind in Form des Verständnismemorandums von Mai 2006 schon längst geklärt...

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