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Strenges Kreuzverhör bei Online-PK: Das sagt Masepin zur "Grapschaffäre"

Ein Instagram-Video und seine Folgen: Zwölf Minuten lang gab es beim Haas-Termin mit Nikita Masepin anlässlich der Teampräsentation nur ein Thema

(Motorsport-Total.com) - "Ich bin nicht stolz drauf. Ich habe mich nicht so verhalten, wie sich ein Formel-1-Fahrer verhalten sollte. Es ist aber passiert. Ich habe einen riesigen Fehler gemacht. Und dafür habe ich die Verantwortung übernommen."

Nikita Masepin

Nikita Masepin möchte die "Grapschaffäre" hinter sich lassen Zoom

Bei der Präsentation des Haas-Teams für die Formel-1-Saison 2021 hat Nikita Masepin am Donnerstag erstmals vor versammelter Presse über seine Rolle rund um jenes Instagram-Video gesprochen, das ihn Anfang Dezember beinahe die Karriere gekostet hätte.

Der Aufschrei über die "Grapschaffäre" war groß, bis hin zur Twitter-Kampagne #WeSayNoToMazepin, die bis heute jedes Mal neuen Rückenwind erhält, wenn der Name des 22-Jährigen irgendwo auftaucht.

Das hatte sich Masepin aufgrund seines ungeschickten Verhaltens nach der Affäre zum Teil selbst zuzuschreiben. Statt sofort die Verantwortung für sein indiskutables Handeln zu übernehmen und sich bei der Frau, der er nach einer Disconacht in einem Auto an die Brust gefasst hat, bedingungslos zu entschuldigen, bediente er sich an Erklärungen, die für viele den Beigeschmack von Ausreden hatten.

Online-PK: Journalisten lassen nicht locker

Das bekam er am Donnerstag zu spüren. Eigentlich hätte Masepin in der via Microsoft Teams organisierten Online-Medienrunde über seine Ziele für die und die Vorbereitung auf die kommende Saison sprechen wollen. Doch die Rechnung hatte er ohne die internationalen Journalisten gemacht.

Zwölf Minuten lang wurde Masepin "geroastet", wie es neudeutsch so schön heißt, mit nur zwei kurzen Zwischenfragen zu sportlichen Themen. Erst dann schritt Haas-Pressesprecher Stuart Morrison höflich ein und bat darum, doch bitte auch noch die eine oder andere Frage zu anderen Themen zu stellen.

Bis dahin hatte Masepin erstmals Einsicht gezeigt. Der 22-Jährige wirkte auf das Kreuzverhör gut vorbereitet und beantwortete alle Fragen geduldig. Nur einmal fiel er in alte Muster zurück, als er die Frage, ob er sich bei der Frau je persönlich entschuldigt hat, nicht beantworten wollte. Das sei eine Privatangelegenheit, und die Privatsphäre der Frau sei in so einer sensiblen Angelegenheit wichtig.


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Details zu dem Vorfall bleiben indes weiterhin unklar. Bekanntlich soll laut Masepins erster Darstellung die Frau selbst, eine alte Freundin, das Video auf seinen Instagram-Account hochgeladen haben, einfach aus Jux unter betrunkenem Partyvolk. "Ich kann nur sagen, dass es nicht meine Hände waren, die das hochgeladen haben", behauptet der Russe.

Masepin gibt zu: War womöglich überfordert

Gleichzeitig wirbt er für Verständnis: "Wenn du Formel-1-Fahrer wirst, wirst du plötzlich von vielen jungen Kids als Vorbild wahrgenommen, die auch Rennfahrer werden wollen. Da musst du ein gewisses Benehmen an den Tag legen", weiß Masepin. Das hat ihn offensichtlich zunächst überfordert.

Er habe inzwischen "Verantwortung übernommen" und "daraus gelernt". Zum Beispiel: "Ich habe mich nicht sofort entschuldigt, weil ich ... Ich habe das zu spät eingesehen. Leider. In der Hinsicht habe ich viel dazugelernt. Wie ich mich benehmen muss. Erstens auf Social Media, aber zweitens auch im nicht virtuellen Raum."

Jetzt hofft Masepin auf ein "sauberes Jahr", ohne die Vorbelastung, dass er spätestens seit der "Grapschaffäre" von vielen nur noch als "Bad Boy" wahrgenommen wird. Er möchte nach vorne schauen, denn: "Die Lernkurve ist sehr steil, wenn du dich gerade auf dein erstes Rennen vorbereitest. Das nimmt einen großen Teil deiner Gehirnkapazität in Anspruch."

Haas-Team bittet: Lasst uns nach vorne schauen

Bei Haas intern ist die Sache inzwischen kein Thema mehr: "Ich glaube, er hat viel daraus gelernt", sagt Teamchef Günther Steiner. "Er hat es zugegeben. Er hat sich entschuldigt. Das sind Erfahrungen, die muss man machen als Formel-1-Fahrer - aber hauptsächlich auch als Mensch. Das hat er jetzt gelernt."

Seiner Ansicht nach habe sich Masepin "sehr ordentlich verhalten nach dem, was passiert ist. Der Druck auf ihn war riesengroß. Er hat da aber nie überreagiert. Wir haben sehr viel darüber gesprochen. Mit den Konsequenzen, die jetzt noch da sind, muss man leben. Aber das kann er. Ich glaube, er hat den Druck auf ihn abgearbeitet."


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"Die Entschuldigung, dass er weiß, dass es nicht richtig war, ist ein Riesenfortschritt. Wenn man Fehler eingesteht, kann man besser werden. Wenn man sie nicht eingesteht, kann man nicht besser werden. Das hat er gemacht. Deswegen liegt es jetzt mehr an anderen Leuten, die Meinung über ihn zu ändern. Das wird ein bisschen dauern, aber ich glaube, wir sind auf einem guten Weg."

Dass Steiner ihn nicht einfach rausgeschmissen hat, als der öffentliche Druck groß war, weiß Masepin zu schätzen: "Ich möchte mich beim Team bedanken. Sie haben mich rund um diesen Zwischenfall sehr unterstützt und waren sehr geduldig. Jetzt kann ich viel besser einschätzen, welches Verhalten von mir erwartet wird."

Steiner ergänzt: "Es wird immer Leute geben, die ihn nicht mögen. Und ich will auch gar nicht sagen, dass das, was er getan hat, richtig war. Das sagt er ja auch nicht. Aber wir müssen nach vorne schauen. Es bringt nichts, über die Vergangenheit zu schmollen. Wir werden das nicht mehr los. Es ist nun einmal passiert, das ist eine Tatsache."

"Jetzt muss er sich halt richtig verhalten und seinen Job gut machen. Das ist die einzige Möglichkeit, wie es weitergehen kann. Reden bringt da nichts mehr. Jetzt muss gearbeitet werden. Manche Leute werden das nie loslassen, die werden ihn immer kritisieren. Aber er wird reifer werden, er wird sich benehmen, wie sich das gehört, und er wird daraus lernen."

FIA-Präsident Jean Todt droht mit "ernsten Konsequenzen"

Indes hat sich bei einer von der Cambridge-Union organisierten Debatte auch Jean Todt zur Masepin-Affäre geäußert. Die Forderung, den Russen nicht in der Formel 1 starten zu lassen, hält der FIA-Präsident für überzogen: "Warum nicht? Der einzige Grund, warum man ihm das Fahren verweigern könnte, ist eine fehlende Superlizenz. Aber das ist nicht der Fall."


Debatte: Jean Todt bei der Cambridge-Union

Gleichzeitig unterstreicht Todt: "Ich bin nicht glücklich über die Situation. Er wurde gewarnt, dass es ernste Konsequenzen geben wird, sollte so etwas noch einmal passieren. Andererseits ist der Vorfall in seinem Privatleben passiert. Er hat dem nicht die nötige Bedeutung beigemessen. Ich hoffe wirklich, dass er daraus jetzt seine Lektion gelernt hat."

Masepin selbst stellt klar: "Ich habe es verstanden. Ich habe die Verantwortung übernommen, sowohl als Rennfahrer als auch als Mensch. Wir Menschen müssen gegenseitig ein bestimmtes Verhalten zeigen, damit wir in einer friedlichen und menschlichen Welt zusammenleben können. Und ich bin zuversichtlich, dass ich ab jetzt auch ein solcher Mensch sein kann."

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