powered by Motorsport.com

Streckenbegrenzung: Fahrer bekommen deutlich mehr Freiheit

Die Rennkommissare zeigen sich in Hockenheim beim Verlassen der Strecke äußerst tolerant - Rosberg hätte bei rigoroser Regeldurchsetzung seine Pole abgeben müssen

(Motorsport-Total.com) - Das Überfahren der Streckenbegrenzungen stand in den vergangenen Rennen immer wieder im Mittelpunkt. In Österreich wurden im Qualifying reihenweise Zeiten gestrichen, weil die Piloten die Strecke auf ihrer schnellen Runden verlassen hatten, in Großbritannien reizten Sebastian Vettel und Fernando Alonso die Regeln während ihres Rennduells immer wieder bis aufs Äußerte aus.

Nico Rosberg

Nico Rosberg verlor nicht bei jedem Verlassen der Strecke so viel Zeit wie hier Zoom

Auf dem Hockenheimring spielten im Qualifying gleich mehrere Fahrer erneut mit dem Feuer. Auch Nico Rosberg verließ die Strecke auf seiner schnellen Runde in Q1 in der letzten Kurve deutlich. Wäre die FIA hier so konsequent gewesen wie in Österreich, hätte sie Rosbergs Zeit streichen müssen - und für den Deutschen wäre nach Q1 Schluss gewesen. Wird hier also möglicherweise mit zweierlei Maß gemessen?

Daniel Ricciardo erklärt, warum das nicht der Fall ist: "Anders als in Silverstone wird angenommen, dass es einen hier nicht schneller macht, wenn man die Strecke verlässt. Wenn man zum Beispiel in Kurve eins von der Strecke kommt, ist da der Kunstrasen. Das macht einen nicht wirklich schneller und da haben wir alle übereingestimmt." Die FIA behandelt in dieser Hinsicht also nach wie vor alle Fahrer gleich.

Sutil wundert sich über Inkonsequenz

Während in Spielberg alle Übeltäter bestraft wurden, kommen in Hockenheim alle ohne Konsequenzen davon. Für Romain Grosjean eine nachvollziehbare Entscheidung: "In der ersten Kurve ist es 100 Prozent klar. Wenn man zu weit rauskommt, dann verliert man Zeit. Wenn man in der letzten Kurve rauskommt, kann man ebenfalls Zeit verlieren und verliert vielleicht die Kontrolle über das Auto. Es ist kein großer Vorteil."

Trotzdem ist nicht allen Fahrern klar, warum die Rennkommissare den Fahrern nach der Strafenorgie in Spielberg nun plötzlich viel mehr Spielraum geben. "Aus irgendeinem Grund wird es hier nicht geahndet im Unterschied zu Spielberg und Silverstone", wundert sich Adrian Sutil, der in Österreich seinerzeit auch zu den "Opfern" der Rennleitung gehört und dadurch den Sprung in Q2 verpasste.


Fotostrecke: FIA-Fast-Facts: Deutschland

Der prominenteste "Falschfahrer" war damals Lewis Hamilton. Die Kommissare strichen die Zeit des Briten in Q3, am Ende startete er lediglich von Rang neun. Möglicherweise hätte sich der Mercedes-Pilot nach seinem Unfall am Samstag gewünscht, dass die Stewards in Hockenheim ebenso hart durchgreifen würden. Dann dürfte Nico Rosberg am Sonntag nämlich nicht von der Pole-Position starten, sondern müsste als Letzter ins Rennen gehen.

Wie lange sehen Kommissare zu?

"Es ist aber okay, wenn es für jeden gleich ist. Wenn man extrem weit herausfährt, dann ist es ohnehin nicht schneller. Dort ist extrem viel Abrieb und man macht sich die Reifen dreckig", erklärt Sutil und Grosjean fügt hinzu: "Es ist sehr schwierig, aus dem Auto heraus das Limit des Autos exakt zu sehen."

"Wenn wir das jede Runde machen, dann werden sie vielleicht etwas sagen." Daniel Ricciardo

Generell wurde in den vergangenen Wochen in der Formel 1 von vielen Seiten der Wunsch geäußert, weniger Strafen zu vergeben. Allen voran Niki Lauda hatte sich über diese "Überreglementierung" beschwert. Möglicherweise ist die Entscheidung, den Fahrern in Hockenheim mehr Freiheiten zu geben, auch eine Reaktion auf diese Kritik.

Trotzdem warnt Ricciardo seine Kollegen davor, es nun zu übertreiben: "Ich denke, wenn sie uns dabei beobachten, wie wir das jede Runde machen, dann werden sie vielleicht etwas sagen." Bisher blieb allerdings noch alles ruhig, daher ist nicht davon auszugehen, dass es im Rennen nun plötzlich zu einer Strafenserie kommen wird.