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Strategiegruppe: Erst Funkverbote, irgendwann Rennformat

Zwar ist den Topteams klar, wo sie mit ihren Reformen ansetzen wollen, über Details herrscht aber wie so oft Uneinigkeit - "Kleine" pochen auf Kostenbremse

(Motorsport-Total.com) - Zwar sind im Laufe des Grand-Prix-Wochenendes in Silverstone Details zum Treffen der Formel-1-Strategiegruppe am Mittwoch durchgesickert, Konkretes gibt es jedoch kaum zu vermelden. Greifbar ist nur: Neben der Entschärfung der Antriebsstrafen soll noch 2015 bei den Fahrhilfen per Funk strikter durchgegriffen werden. Die Verantwortlichen der Teams stehen geschlossen hinter dem Vorhaben. "Alles, womit wir die Rolle der Fahrer betonen können, ist ein Fortschritt", sagt Matthew Carter.

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Wer wann und wie in die Startaufstellung rollt, will die Formel 1 überdenken Zoom

Der Lotus-Geschäftsführer schwebt auf einer Wellenlänge mit Eric Boullier. "Wir sind klar dafür, dass dem Grenzen vorgeschoben werden, was Instruktionen angeht, wie ein Auto gefahren werden soll", betont der McLaren-Rennleiter. Vijay Mallya (Force India) hat ohnehin die Nase voll davon, dass von der Boxenmauer aus Regie geführt wird: "Lasst die Piloten die Autos fahren, dann werden die Rennen vielleicht spannender." Geht es um langfristig Perspektiven, hört die Einigkeit schon wieder auf.

Beispiel Rennformat. Die FIA kündigte via Pressemitteilung "spannende Änderungen" zum Wohle der Fans an. Über die Ideen wird zwar fleißig spekuliert, an die Öffentlichkeit wagen will sich aber niemand. Claire Williams übernimmt das Mauern: "Die Ideen stecken in den Kinderschuhen", tastet sich die Britin, die keine Schelte für einen möglichen Fehlschlag ernten will, vor. "Wir müssen es eingehend analysieren. Wir wollten nur kommunizieren, dass es Ideen gibt. Bis alles durchdacht ist, gehen wir nicht ins Detail."

Strategiegruppe als Gremium hat noch Fürsprecher

Auf der Agenda der kleinen Teams stehen ohnehin größere Projekte als die Frage, ob die Formel 1 ein oder zwei Rennen an einem Wochenende fährt. "Wir wollen, dass die Formel 1 erschwinglich bleibt", fordert Mallya eine Kostenbremse. "So können die kleinen Teams konkurrenzfähiger sein und es bleibt spannend, wenn sie nicht immer um das Überleben kämpfen müssen. Wenn ein Force India einen Mercedes schlagen könnte, dann gäbe es doch den letzten Kick!", weiß der exzentrische Teamboss.

Monisha Kaltenborn, Chefkritikerin an der Strategiegruppe, glaubt nicht an ein großes Umdenken in der Finanzfrage: "Das wäre ein Wunder, aber in der Formel 1 sollen ja Wunder wahr werden", meint die Österreicherin und erhält die Rückendeckung Carters: "Es hängt zu viel damit zusammen, wie viel Geld man ausgibt. Kommt ein kleines Team mit einer innovativen Idee, dann wird sie sofort von den Großen kopiert. Wenn das nicht der Fall ist, dann öffnen sich Türen", will er das Wettrüsten einbremsen.


Fotos: Großer Preis von Großbritannien, Freitag


Ein generelles Umdenken und eine Kehrtwende bei der Strategiegruppe als Konzept scheint aber nicht zur Debatte zu stehen. Schließlich verteidigen Platzhirsche wie McLaren das Gremium: "Es gibt keinen Unterschied dazu, wie ein Vorstand funktioniert", argumentiert Geschäftsführer Jonathan Neale bei 'Sky Sports F1'. "Einer ist der Vorsitzende und muss die beteiligten Partien zusammenbringen, den Führungsanspruch anmelden und dann erklären, wo Norden ist."

Neale weiter: "Wir können etwas verbessern, aber es kann nicht die Lösung sein, die Teams zu sehr außen vor zu lassen, weil sie das Risiko tragen." Carter hält das Konzept, die Teilnehmer die Regeln machen zu lassen, dennoch nicht für effizient: "Oft wird vieles diskutiert, aber es passiert dann doch nichts." Abwarten, was aus dem Thema Rennformat wird.